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Ihre erste Liebe.
Novelle von E. von Bisch darf.
(Fortsetzung.)
Er ließ sich glücklich lächelnd ihre Sorge gefallen und beobachtete jede Bewegung ihrer schlanken, weißen Finger. Nun schob sie den Stuhl näher an die rosig verschleierte Lampe, öffnete das Buch und las. Sie hatte eine Beschreibung von Schweden ausgewählt und war bald ganz mit den bunten Bildern beschäftigt, die aus den schwarzen Buchstaben vor ihrem geistigen Auge emporblühten. Ihre Stimme klang immer voller und weicher, ihre Augen wurden immer größer und dunkler, Felix achtete längst nicht mehr auf die Worte, die da an sein Ohr schlugen, sondern nur noch auf sein schönes Weib. Nun breitete es sich wie ein Schleier über die holdselige Gestalt, das Knistern des Feuers und das regelmäßige Auf- und Niederwogen ihrer Stimme stossen zusammen in ein einlullendes, sanftes Geräusch, sein Kopf wurde schwerer und eine wohlige Mattigkeit senkte sich auf seine müden Glieder.
Derweilen wandelte Regine auf der Insel Gottland unter verfallenen romanischen Kirchen, zwischen denen die üppigsten Pflanzen grünten und blühten, umrauscht von Meereswogen.
„Ach, wenn wir doch einmal nach Wisby reisen könnten," rief sie entzückt, „muß sie nicht wie ein lebendig gewordenes Märchen anmuthen, diese alte, vergessene Stadt im Meere mit ihrer reichen Vergangenheit?"
Aber sie erhielt keine Antwort; aufblickend bemerkte sie erst, daß ihr Mann sanft und leise eingeschlummert war.
„Aber Felix," rief sie gekränkt, „wie kannst Du nur schlafen bei diesen köstlichen Schilderungen?"
1897.
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A. Roderich.
in kleines Korn, gesäet in's Feld, Bringt mit der Zeit Dir tausend Aehren,
Ein Körnlein Liebe, gut bestellt, Kann tausend Herzen Freud' gewähren.
Liebe schwärmt auf allen Wegen, Treue wohnt für sich allein; Liebe kommt Euch rasch entgegen, Ausgesucht will Treue sein.
Goethe.
Erschrocken schlug er die Augen auf.
„Verzeih', Regine, aber ich bittz heute sehr müde geworden und bei Reisebeschreibungen ist es so schwer, aufzupassen."
Bei seiner Liebe für Natur hatte sie geglaubt, gerade mit solchen das Rechte zu treffen; nun wählte sie am nächsten Tage ein anderes Buch — Ludwig Richters Selbstbiographie. Vielleicht interessirte ihn der Mensch mit seiner geistigen Entwickelung doch mehr. Er schlief auch nicht wieder ein an den folgenden Abenden und stimmte zu, wenn sie sich an dem reinen, großen Gemüth dieses reich begnadeten Gotteskindes erfreute, obgleich er selbst unbewußt vielleicht zu viele ähn- . liehe Eigenschaften in sich trug, um den Zauber dieser Persönlichkeit richtig zu schätzen. Nun waren sie mit dem jungen Künstler in Rom angelangt und Regine athmere hoch auf.
„O, Felix, der Glückliche, der Beneidenswerthe! Wie muß ihm das Herz aufgegangen sein in der göttlichen Roma!"
Er lächelte verständnislos.
„Warum erscheint Dir denn Rom so göttlich?"
Warum? Sie fand die Antwort auf diese Frage nur schwer. Sie wollte Rafael, Michel Angelo nennen, aber wenn ihn bei dem Zauberworte „Rom" nicht die heilige Ehrfurcht erfüllte, die sie von Kindesbeinen an gefühlt, würden auch diese Namen für ihn bedeutungslos sein.
„Allein die Peterskirche zu.sehen," sagte sie, „sich einmal so recht klein und winzig zu fühlen in diesem erhabensten Bauwerke und doch wieder groß zu wachsen in dem Gedanken, daß Menschengeist so wunderbar Herrliches vollbringen konnte/ einmal so recht deutlich den Flügel des unsterblichen Genius zu empfinden, der da fortlebt in seinen Werken durch Jahrhunderte und die Menschen emporreißt aus ihrer gedrückten Erbärmlichkeit zu seiner freien, luftigen Höhe —"
Sie hielt inne; wem sagte sie das? Felix verabscheute ja Phrasen.
„Ist denn garnichts in Dir vom Zug zum sonnigen Italien, der uns Deutschen doch von jeher als Feengabe in die Wiege gelegt wurde?" versuchte sie zu scherzen. „Lockt es Dich nicht, den Boden zu sehen, auf dem sich so viel Weltgeschichte abgespielt hatte von Romulus bis zu Karl dem Großen und Victor Emanuel?"
Er seufzte in komischem Entsetzen.
„Fange mir nur nicht mit römischer Geschichte an! Du beschwörst die gefürchtetsten Geister aus meiner Schulzeit herauf! O was hab' ich grausam geschwitzt über den panischen Kriegen und Cäsar und all dem anderen altmodischen Blödsinn, mit dem man uns armen Jungen die Köpfe voll-


