Der Majoratsherr.

Roman von Rataly e. Eschstruth.

(Kortfttznng.)

Schönheit ist Geschmacksache- er muß mir gefallen, ob er Anderen gefällt, ist mir gleichgültig."

Fränzchen nickte triumphirend.Muß er reich sein?" Namen und Vermögen sind mir gleichgültig." Darf er ein paar Jahre jünger sein wie Du?"

Sie blickte die Sprecherin überrascht an, jählings schoß ihr der Gedanke durch den Kopf:Wie alt mag Carl Hell­muth sein?" Zögernd, etwas unsicher, zuckte sie die Achseln. Auch das dürfte wahrer Liebe gleichgültig sein, es ist ja heutzutage sehr oft der Fall, daß die Männer Frauen heim­führen, welche an Jahren älter sind, im high life ist es bei­nahe Modesache geworden und ich glaube--"

Ein lauter Juchzer ließ sie beinahe erschrocken ver­stummen. Mit einer unverständlichen, triumphirenden Geste gegen die Mama warf Fränzchen ihren breitrandigen Stroh­hut in die Luft und begleitete dieses Manöver mit besagtem Jubelschrei, welcher sicherlich am anderen Rheinufer den Leuten noch in den Ohren gellte.

Kind um Himmelswillen!" wehrte Tante Johanna, im gleichen Moment erschien der fröhlich lachende Papa nebst dem Assessor in der Thür des Hotels.

Schreihals, wir kommen ja schon!" winkte der Graf und Beide näherten sich im Sturmschritt. Abermals ent­brannte ein kurzer Kampf der Großmuth, wer auf dem Kutscherbock sitzen solle. Der junge Forstmann weigerte sich energisch, den Platz im Wagen einzunehmen, dieweil eine junge Dame kutschiren solle. Fränzchen aber schwang sich

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Ein liebeleeres Menschenleben Ist wie ein Quell, versiegt im Sand, Weil er den Weg zum Meer nicht fand, Wohin die Quellen alle streben.

er nicht gelitten, hat nur halb gelebt;

Wer nicht gefehlt, hat wohl auch nicht gestrebt;

Wer nie geweint, hat halb auch nur gelacht;

Wer nie gezweifelt, hat wohl kaum gedacht!

Julie Burow.

wie der geschickteste Turner gelassen auf den Bock, nahm die Peitsche zur Hand und hob sie drohend.Einsteigen, Majestät befehlen!"

Kommen Sie nur, Verehrtester", half der Graf energisch nach.Sie sitzt mit ganz besonderer Vorliebe immer da oben! Reiten und Fahren sind auch Passionen, welchen sie seit Kindesbeinen huldigt!"

Zügel her!" commandirte das Backfischchen, doch der Kutscher wehrte erschrocken.

Hier in den Bergen, Fräuleinchen? Um Gottes­willen nicht!"

Lames Gelächter.

Mit den Hunkepunken, welche Sie eingespannt haben, fahre ich im Galopp auf den Blocksberg!" höhnte Fränzchen und Mr. Luxor klopfte dem Kutscher auf die Schulter: Laflen Sie das Fräulein fahren, sie ist sehr sicher und ge­schickt, ich gebe Ihnen ein Trinkgeld extra!"

Los dafür!" Fränzchen piekte den sehr devot dienenden Oberkellner flugs noch mit der Peitsche in den Nacken, daß er im Schrecken vollends vornüber flog, ruckte lachend die Zügel, und heidi ging die Fahrt.

Pia sah reizender aus wie je.

Der Zug kühler Gleichgültigkeit, welcher sonst ihr Antlitz beherrschte und höchstens von einem formellen liebenswürdigen Lächeln für kurze Minuten verdrängt wurde, war einet strahlenden Heiterkeit gewichen.

Der Blick der blauen Augen war weich, seelenvoll und die Wangen schimmerten unter dem weißen Gazeschleier wie rosig überhauchter Marmor.

Dabei war sie lebhaft und sehr heiter, eine Stimmung, welche Onkel Willibald besonders in seiner Umgebung liebte, und welche er durch seine eigene vortreffliche Laune aufs Beste unterstützte. Die Unterhaltung war allgemein, hie und da außerordentlich animirt durch Fränzchens hastige Einwürfe und Bemerkungen.

Zum Entsetzen des biederen Rosselenkers saß die junge Dame meist halb zurückgewandt auf dem Bock, um nichts von dem Gespräch im Wagen zu verlieren, dennoch regierten ihre Fäuste die Pferde meisterlich, und selbst an schwierigen Wegestellen bedurfte es seiner eingreifenden Hülfe nicht.

Als er das erste Mal, bei einer schwungvollen Körper­wendung der kleinen Miß nach rückwärts erschrocken nach den Zügeln greisen wollte, fühlte er jählings einen Peitschen­klapps auf der Hand: Pfoten weg! Glauben Sie etwa, ich fahre zum ersten Mal auf solch einem Katzenbuckel von einem Berg spazieren?"