512
sten aller Spiele, zum „Golf“, erscheint die ganze Gesellschaft, sowohl Herren wie Damen, in rothen Flanellhemden, wozu Letztere einen sehr kurzen, flach Plisstrten Sergerock, Erstere aber weiße Pantalons tragen, während alle Mitspielenden sozusagen unter einer Kappe stecken, d. h. Jeder und Jede erfreut sich als Kopfschmuck eines rothen Baretts. Sehr chocing als Spiel für Damen repräsentirt sich „Football“. Stellen Sie sich vor ein Spiel, wo man mit Ausnahme des ersten Ballwurfes nie die Hände, nur die Füße und die Beine benutzt! Allgemeiner Aufruhr herrschte in der prüden Damenwelt, als sich ein Damenclub constituirte, um „Football“ zu spielen und in dem dazu gehörigen Costüm, bestehend aus weißen, kurzen Flanell-Pluderhosen und Flaneühemd, seine Aufwartung machte! Dieses Spiel hat sich vorläufig noch nicht sehr verbreitet, da es jedoch ein Winterspiel ist, welches onf Asphalt ebenso wie auf weichem Rasen ausgeführt wer- den kann, hat es Chancen, gleich dem anfangs perhorres- cirtent Bicycle mit der Zeit Anklang zu finden. Was Letzteres betrifft, so hat es sich zu einem Hausgeräth wie die Nä' maschine herausgebildet, es wird aber zum Unterschied von den Französinnen nur im Straßenkleid Bicycle gefahren, nicht einmal mehr wie fnßfrei ist das dress, nur aus feinem guten Wollstoff und tadellosem Schnitt, welch' letzterer eine große Rolle spielt, denn ein schlecht geschnittener Rock läßt die Freiheit der Bewegungen nicht aufkommen. Wie gut die Radfahikunst selbst bei Hof angeschrieben ist, erhellt dadurch, daß b:e Königin von England unter ihren zahlreichen Jubiläumsgeschenken auch zwei kostbare, kunstvoll gearbeitete Fahrräder erhielr. Nebst dem Radsport erfreut sich aber auch der Laufsport großer Beliebtheit, dieser ist besonders bei der männlichen Jugend sehr im Schwünge, bedarf aber besonderer Hebung, und des Abends nach der Arbeit sieht man zahllose Jünglinge an den Ufern der Themse, welche sich trainiren. Dec Samstag ist der Tag des Sportes. Die, welche selbst keinen betreiben, wohnen den „events“ bei und an Tagen, wo wichtige Meetings, Meisterschaften u. s. w. ausgetragen werden, und das ist stets Samstags, geben Alle die active Rolle auf, um die Champions ihres Clubs, ihrer Grafschaft oder ihres Landes anzufeuern. Wir könnten unseren verehrten Leserinnen noch viel von Jagd-, Reit- und Schwimmsport erzählen, jedoch giebt es immerhin noch eine große Anzahl Damen, die kein Interesse für derlei Dinge haben, so heben wir uns denn dieses Thema für das nächste Mal auf, um auch den usuellen Modeneuigkeiten einige Zeilen widmen zu können. Um die von uns bereits erwähnte Vorliebe der Engländerinnen für Toilettenluxus zu betonen, wollen wir nicht unerwähnt lassen, welch' köstliche Spitzensammlungen sich in den Schränken Einzelner befinden. Man erzählt sich von einer Sammlung von Spitzen im Werth von 10,000 Pfd. Sterl., welche die Frau eines reichen „Stokbrokers“ wegen unglücklicher Spekulation ihres Mannes in amerikanischen Werthen, zu verkaufen gezwungen war. Da man befürchtete, die kostbare Sammlung, welche die ausgesuchtesten Stücke auswies, könnte in's Ausland gelangen, einigten sich die Damen des Highlifs zu einer gemeinsamen Action und brachten den seltenen Schatz in ihren Besitz. Ob derselbe bei der Theilung nicht Anlaß zu Zwistigkeiten geben wird? Spitzen, Juwelen und Parfüm sind die treuen Begleiterinnen der Engländerin für den Salon, anläßlich des Jubiläums feierte die Goldschmiedekunst wahre Triumphe. Tausend und abertausende Medaillons, Anhängsel und Löffel wurden in schwerem Gold mit den nationalen Abzeichen von England, Irland und Schottland, d. i. mit der Rose, dem Steinklee und der Distel geschmückt, und von den zahllosen Fremden als Geschenk in die weite Welt mitgenommen. Nirgends auch wird der Frau so viel Gelegenheit geboten, Toilette zu machen, wie hier in England, da in jedem besseren Familienkreis das „Dinner" der Zeitpunkt ist, wo man der Tagessorgen sowie des Werktagkleides sich entledigt, um im geselligen Zusammensein den
Abend zu verbringen. Und wählt die Engländerin noch so puritanisch in matten Nüancen ihre Straßenkleider, im Salor und selbst im Haus liebt sie es, in glänzenden Farben zu erscheinen. Die Mode, Seide zu tragen, hat sich daher auch nirgends so intensiv verbreitet wie bei uns, jedes Mädchen, welches eingeführt wird, bekommt genau so ein schwarzes Seidenkleid wie etwa in Deutschland das erste weiße Ballkleid ; es wird durchaus nicht als prätentiös angesehen, wenn Mädchen in Seide erscheinen, es ist das Attribut der Selbstständigkeit. Wir müffen dem noch hinzusügen, daß das Toilettenbudget in London ein weit höheres ist, als was sich die Damen in bürgerlichen Kreisen nach deutschen Begriffen gewähren. Schuhe, Kleider, Hüte, Alles kostet in England fast das Doppelte und auf die Erscheinung des äußeren Menschen wird sehr viel Werth gelegt. Besonders kostbar ist Alles, was dem Bereich der Confection angehört. Den berühmten Sealpelz, welchen die Engländerin zuerst als elegantes, unübertrefflich warmes, unverwüstliches Kleidungsstück in die Welt einsührte, schließen sich die weichen, warmen, kostbaren Abendmäntel an, welche mit Eiderdaunen gefüttert, federleicht sind und wie alle Toilettestücke, die man hier des Abends trägt, reich geputzt werden. Bei Robinson, eines der ersten Ateliers, bewunderte man zwei Modelle, welche sür zwei hochstehende Damen bestimmt waren. DaS erste Modell, „Alcyon“ genannt, war aus nilgrünem Seiden-Bengaline, sehr weit und faltenreich, ohne Aermel in Kragenform geschnitten und kragenartig mit einer Rüsche von schwarzen Straußfedern geputzt, während das Futter aus schwerem rosa Damast bestand. Das zweite Modell „Radzimal“ repräsen- tirte einen Abendmantel mit halbweiten Aermeln, welche sich beim Handgelenk bauschig schlossen, und war aus dem neuartigen moirirten Sammet in heliotrop Farbe. Den Sattel umgaben breite Garnirungen aus weißem Musseline-Chiffon, aus demselben Material und kostbaren weißen Federköpfchen bestand die weit über die Ohren reichende Halskrause. DaS Futter dieses, ein kleines Capital repräsentirenden Mantels war aus weißem Brocat. Noch wäre zu erwähnen, daß das bisherige Modeparfüm „Rhino Violet“ von einem unglaublich wohlduftenden „Rhine Gold“ verdrängt wurde, und selbst die geübtesten Kenner wissen dem Ursprung des Duftes nicht auf die Spur zu kommen und die Fabrikanten erfreuen sich ihres Monopoles und hüten ihr Geheimniß sorglicher denn je.
Gemeinnütziges.
Couserviruug der Zwiebel«. Um die Zwiebeln vor dem Auswachsen im Frühjahr zu schützen, hängt man sie, nachdem sie gut abgedreht sind, in einem Netze drei bis vier Tage in schwachen Rauch. Der Rauch nimmt ihnen nichts von ihrem Wohlgeschmack, trägt aber viel zu ihrer Conser- virung bei und verhindert das Auswachsen. Aufbewahrt werden sie sodann, in dem Netze belaffen, an einem trockenen, luftigen Orte.
* * *
Zum Aufsetzen der Blumenzwiebel« auf Wafser- gläser ist jetzt die beste Zeit. In das Wasser kann man, wie der „Practische Wegweiser", Würzburg, schreibt, etwas Salz und Holzkohlen thun, damit es nicht riechend wird. Man darf nur feste und kräftige Zwiebeln verwenden. Einfach blühende Sorten liefern bessere Resultate als gefüllte. Der Wurzelboden der aufgesetzten Zwiebeln darf nicht in das Wasser reichen, er muß knapp über dem Wasserrand stehen. So vorbereitet, stellt man die Gläser an einem dunklen Orte auf, bis sie sich vollkommen bewurzelt haben. Erst dann können sie zum Treiben aufgestellt werden.
Webaction: K. Ccheydg. — Druck und Perlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Schcyda) in Gießen,


