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kommt doch immer zuerst die Mhrthe und dann erst die Königskerzen!"

Pias lächelndes Antlitz ward plötzlich ernst:Ich ver­stehe Dich nicht, Papa!" sagte sie, unwillkürlich ein wenig zurückweichend. Da lachte Nördlingen in seiner et vas derben Manier laut und recitirte:

Du Kind mit goldenen Härchen,

Wart' noch achtzehn Jährchen, Dann kommt mein Sohn Wulsf-Dietrich Und macht zu seiner Gräfin Dichl"

Hahaha Spiritus, merkst Du etwas?!"

Das junge Mädchen zuckte zusammen, hoch und stolz hob sich das goldschimmernde Haupt auf den Schultern.

Du weißt, Papa, daß ich diesen abscheulichen, frivolen Vers hasse!" stieß sie mit bebenden Lippen hervor. Nein, Herr von Nördlingen war kein Menschenkenner, sonst hätte er schleunigst seinen Schlachtplan geändert.

Er verstand sich aber nicht auf den Blick aus Mädchen­augen, darum lachte er noch mehr und noch lustiger:Du haßt ihn gewiß, mein Herzchen, weil der saumselige Freier die achtzehn Jahre verstreichen ließ, ohne sein Wort einzu­lösen? Na, daS war nicht seine Schuld, Vetter Willibald hat sie ja durch seine Heirath auf Wartezeit gesetzt, und jetzt erst ist wohl die Erbfolge gesichert."

Ah die Werbung galt also nur den sechzehn Ahnen?" furchte Pia die Stirn und fuhr voll schneidender Schärfe fort:Die Braut selber war völlig Nebensache! erhielt Graf Wulff das Majorat nicht, so war auch die lästige Ehe unnöthig. Er hielt es nicht einmal für nothwendig, sich die Zukünftige anzusehen, bis ihm das Messer an der Kehle saß- nun aber, wo es ernstlich Zeit ward, an den Handel zu denken, nun kommt er wohl gar auf den Hofball, um mich zu mustern?!"

Der Freiherr zuckte gleichmüthig die Achseln:Du sprichst über Dinge, die Du nicht verstehst- Prinzessinnen und Edeldamen, welche Rücksichten auf Traditionen zu nehmen haben, müssen sich poetische Liebeswerbungen aus dem Kopf schlagen."

Ich bin aber keine Prinzessin, welche sich für Land und Welt opfern muß!"

Aber Du bist ein armes, blutarmes Mädchen, welches auf seine Familie Rücksicht zu nehmen hat und Gott auf Knieen danken muß, wenn der reichste Erbe des Herzogthums es zu seiner Gattin machen will!"

Pia hatte sich erhoben, ihre schlanke Gestalt bebte, ihr Antlitz war leichenblaß.So arm ist meine Familie nicht, um ein derart sündhaftes Opfer von mir zu verlangen, und so elend, so verworfen und unmoralisch bin ich nicht, um einen derartigen Menschenhandel zu billigen, geschweige Gott dafür zu danken, daß man mich bis zur Schmach erniedrigen will!"

Zornesröthe stieg in das Gesicht des Oberstlieutenants, aber er war noch viel zu betroffen, viel zu starr über diese jähe unfaßliche Wendung der Dinge, daß er kaum zu sprechen vermochte.

Er stützte die beiden Hände fest auf die Sessellehne: Hast Du eine bessere Partie in Aussicht, als wie den Grafen Niedeck?"

Nein, Papa!"

Hast Du Dich bereits in einen Anderen verliebt?"

Nein, Papa."

Nun, dann verbitte ich mir in Zukunft alle Deine kindischen Einwände auf das strengste! Kannst Du mir einen anderen Freier zuführen, welcher sich in jeder Weise mit dem Majoratsherrn von Niedeck messen k mn, gut, so will ich Dir gern die freie Wahl zwischen Beiden gestatten, kannst Du es nicht, so hast Du Dich gehorsam dem Willen Deiner Eltern zu fügen, welche für Dich und Deine Zukunft sorgen wollen!"

Auch die Gewalt der Eltern hat ihre Grenzen!" brauste Pia voll leidenschaftlicher Erregung auf.

Allerdings, sie hört auf, wenn sie ungehorsame und widersetzltche Kinder aus dem Vaterhaus verstoßen! und ich versichere Dich, daß ich mich nicht von überspannten Backfischschrullen und krankhaften Sentimentalitäten tyranni- stren lasse! Fügst Du Dich nicht unserer Fürsorge, gut, so sieh, wie Du allein fertig wirst, unser Kind bist Du dann nicht mehr, das merke Dir."

Er hatte mit sehr ruhiger, beinah kalter Stimme ge­sprochen, und das junge Mädchen wußte, was das bei dem Vater besagen wollte.

Er hatte nie einen Widerspruch ertragen, er konnte maßlos heftig und jähzornig werden, wenn man sich An­ordnungen, welche er getroffen, nicht fügte. Daran war jüngst auch seine militärische Carriöre gescheitert.

Und ein Tropfen dieses hitzigen Blutes schäumte auch in Pias Adern.

Bis in die Lippen erbleicht stand sie vor dem grau­samen Sprecher. Sie kämpfte und rang gegen sich selber. Antwortete sie jetzt, so war es für ewig aus zwischen ihnen, das wußte sie.

Und sie hatte den Pflegeeltern im Haag versprochen, auf die Schroffheit des Vater Rücksicht zu nehmen und keine Scenen heraufzubeschwören.

Also schweigen- Zeit gewonnen, Alles gewonnen. Sie hob das Haupt stolz in den Nacken und wandte sich zur Thüre.

Noch eins!" klang die Stimme des Oberstlieutenants hinter ihr.Glaube ja nicht, daß Du den Grafen durch ein unliebenswürdiges Benehmen zurückschrecken kannst! Ihn abweisen oder abschrecken bleibt eins für mich. Ich werde dafür sorgen, daß Du im Verkehr mit ihm beobachtet wirst."

Ein bitteres Auflachen wollte sich von den Lippen des jüngen Mädchens ringen, aber sie preßte dieselben wie unter physischem Schmerz krampfhaft zusammen und trat hastig über die Schwelle.

(Fortsetzung folgt.)

Londoner Modebrief.

Von Mary Wood.

(Nachdruck verboten.)

KO. Wenn die Herbststürme brausend durch Wald und Wiesen sausen, beginnt für die Engländer die eigentliche Zeit des Vergnügens. Unbelästigt von Sonne und Hitze, geben sie sich allem nur möglichen Sport mit der nur dieser Nation eigenen Ausdauer hin. Es herrscht im Auslande die An­sicht, daß die Engländerin jeglichem Luxus abhold ist und die typische Erscheinung derselben, mag man sie nun auf die Bühne bringen oder wo immer man ein Bild einer Tochter Albions zu geben versucht, sei es in Romanen oder Be­schreibungen, immer stellt dasselbe eine steife bläßliche, blond­gelockte Dame vor, welche auf Plattfüßen durch's Leben zu wandeln scheint und die, um bequem zu sein, jede Toiletten­kunst verschmäht. Dem ist aber nicht so, im Gegentheil, die Engländerin ist sich vollauf des Eindruckes bewußt, welchen ihre Schönheit auf die Männerwelt ausübt undthe fair aex verabsäumt durchaus nichts, was geeignet ist, ihre Reize in's hellste Licht zu setzen. Nur beim Sport und damit kehren wir nach der kleinen Abschweifung zum eigentlichen Thema zurück huldigt sie dem Prinzip, nichts zu tragen, was nichtcomfortable ist und was sie in der Freiheit der Bewegungen hindern könnte. Directunfair aber wäre es, in drückenden spitzigen Schuhen, in hohen, steifen Krügen, worin man den Hals nicht bewegen kann, oder gar mit eng geschnürtem Corset am Spielplatz zu erscheinen, beiplay undgame- muß die vollste Ungezwungenheit herrschen. Also die Form ist entschieden Nebensache beim Sport, dafür wird der Farbenfreudigkeit keine Schranke gesetzt. Zum fashionabel-