Der Majoratsherr.

Semen von Nataly ». Sschstruth.

(Fortsetzung.)

Graf Rüdiger fuhr nach einer kleinen Pause fort: Pia lebt immer noch bei dem Vormund, ehemals in Paris, jetzt im Haag. Auf Wunsch des Vaters aber soll sie diesen Wimer nach Hause kommen, um die hiesige Saison zuverschönern". Ich lobte die Absicht sehr ja ich ge­stehe ehrlich ein, daß ich darauf gedrungen habe, denn es wird die höchste Zett, das Ihr Euch kennen lernt! Pia wird nicht jünger und bei ihrer Schönheit dürften sich wohl auch Freier für ein armes Mädchen finden. Du hast aber keine andere Wahl, wie diese kleine Nördlingen, und darum ist es gut, wenn dem ehemals schriftlich gemachten Antrag nun baldmöglichst der mündliche folgt."

Wulff-Dietrich preßte die Lippen zusammen und blickte starr vor sich nieder.

Ich lasse mir durch das elende Erbe nun und nimmer mein Lebensglück zerstören" sagte er ernstund ich gebe Dir mein heiliges Wort, wenn Fräulein von Nörd­lingen nicht nach meinem Geschmack ist, wenn ich sie nicht lieben kann, werde ich sie nun und nimmermehr heirathen!" Athemlose Stille.

Und das Majorat?"

Das werde ich als Junggesell übernehmen, und es Hartwig freistellen, durch eine entsprechende Heirath seinen Sohn zu meinem Erben zu machen."

Graf Rüdiger lächelte so spöttisch wie immer und schnitt eine sehr erregte Einmischung seiner Gemahlin durch die Worte ab:Gut, Du bist Dein eigener Herr und kannst handeln, wie Du willst. Ich denke aber, Pia wird Dein ffischblut auf jeden Fall in Wallung bringen, und Du wirst die Genugthuung haben, Deinen Ruf als felsenfester Ehren­mann nicht im Mindesten durch eine unmoralische Vernunfts- Heirath zu gefährden!" Er schwieg und wandte sich nach

Dienstag den 2. November.

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te Liebe, die die junge Braut an den Geliebten bindet, Ist wie ein duft'ger Rosenkranz, den Kindeshändchen windet. Die Liebe, die ein greises Paar am Lebensabend bindet, Ist wie des Schiffers stärkstes Tau, an dem der Anker gründet.

der Thüre, in welcher ein Diener erschien, das Souper zu melden.

Wulff - Dietrich bot auf einen Wink des Grafen der Mutter höflich den Arm und führte sie schweigend durch die lange Flucht der Salons nach dem Speisesaal. Mehr wie je empfand er es, ein Fremder in seinem Vaterhaus geworden zu sein.

Capitel 10.

Laune löst was Laune knüpft.

Schiller.

In dem alten freiherrlich von Nördlingen'schen Hause brannte die Lampe in dem etwas altmodischen, einfachen, aber sehr behaglichen Wohnzimmer. In dem bequemen Ledersessel, welcher schräg neben den Tisch gerückt war, saß der Oberstlieutenant und studirte eifrig die Zeitungen.

Draußen heulte der Schneesturm durch die enge Gasse, Hagelschauer und Eiskörnchen prasselten gegen die Scheiben und die rostigen Fensterläden greinten in den Angeln.

Wie gemüthlich war es im warmen Zimmer! Der Freiherr rieb sich in bester Laune die Hände und lehnte sich nachdenklich in den Sessel zurück.

Seine eigenen Angelegenheiten interessirten ihn momentan mehr, als alle Händel der fernen Außenwelt, welche die Zeitungen erörterten. Ein Gefühl innigster und glücklichster Zufriedenheit überkam ihn.

Nach mancherlei Stürmen, Sorgen und Mühen war er in den Hafen glückseliger Ruhe eingelaufen, jetzt erst, nach­dem er den bunten Rock ausgezogen hatte, in Wahrheit ein Freiherr zu sein. Seine Verhältnisse waren nie glänzend gewesen und blieben auch jetzt recht bescheiden, aber die Mittel reichten für ein anständiges, genügsames Leben aus, und das war die Hauptsache.

Seine beiden Söhne waren gut ausgehoben. Der Aelteste war Marineoffizier geworden, der Jüngste berechtigte in der Seleeta des Cadetteneorps zu den besten Hoffnungen, und Pia seine einzige Tochter

Ein strahlendes Lächeln verklärte das Antlitz des alten Offiziers. Für Pia war nicht nur gesorgt, sondern sogar glänzend gesorgt.

Vorhin hatte er Graf Rüdiger im Adelselub getroffen. In intimster und vertraulichster Weise hatte sich Niedeck er­kundigt, ob denn sein künftiges Schwiegertöchterchen nun endlich bei den Eltern eingetroffen sei? Seit Weihnachten habe er sie bereits sehnlichst erwartet, denn es werde doch nun hohe Zeit, daß er das Wort einlöse, welches er für seinen Sohn dermalen an die Kleine verpfändet!