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Sei» Hciligthuni.
Nach dem Französischen von Otto Renner.
------- (Nachdruck verboten.)
Helene hatte Paul von Chavannes, einen Wittwer von 39 Jahren, geheirathet, der Vater zweier Kinder war. Das jüngste war erst wenige Monate alt, als es Waise wurde.
Drei Jahre lang hatten der Vater und seine Kleinen die Gattin und Mutter betrauert- die Kinder gingen nur schwarz gekleidet und Paul schien ganz in die Erinnerung der Vergangenheit verloren An allen Wänden seiner Wohnung hingen Bilder, die sie als schönes, junges Mädchen mit tiefen, glänzenden Augen, und als junge Frau im Ballkleide oder Promenaden-Costüm in Sammet oder Pelz darstellten.
Und auf allen — trotz des Lächelns der frischen Lippen — erzählten die eingesunkenen, schwarzumränderten Augen von verborgenen Leiden und kurzem, nur zu bald entschwundenem Glücke.
Seit Paul die Gattin verloren, hatte er nie eine Mahlzeit fern vom Hause eingenommen oder einen Abend außerhalb desselben zugebracht.
Bei Tische saß er zwischen den beiden Kinderstühlen und blickte traurig auf den leeren Platz gegenüber. Doch auch dieser Augenblick hatte seinen lindernden Trost für ihn. Er litt weit mehr, wenn er gezwungen war, dahin zu gehen, wohin die Pflicht ihn rief, wenn er hinter dem letzten „Adieu" der kleinen Stimmen die Thür schloß. Dann erinnerte er sich, daß er sie nicht einer zärtlichen Mutter zurückließ, die ihre Spiele überwachte und stets bereit war, sie in den plötzlichen Sorgen und schnell verfliegenden Kümmernissen der Kindheit zu trösten.
So begann er gegen seine eigenen Wünsche, sich von Neuem mit dem Gedanken, einen zweiten Ehestand zu gründen, vertraut zu machen. Seine Wahl fiel auf Helene, eine Jugendfreundin, die fast in dem gleichen Alter stand wie er.
Da Helene eine Enttäuschung in der Liebe erlitten, dachte Ch wannes, wird ihr Herz anspruchsloser als das einer Andern und mehr zum Mitleid geneigt sein. Sie wird nicht erwarten, daß ich eine Leidenschaft zur Schau trage, die ich nicht mehr empfinden kann. Sie wird meine Achtung vor ihrem Geheimniß billigen und ich werde ihr dankbar sein für die Liebe, die sie meinen Kindern entgegenbringen wird.
Und er heirathete Helene, ohne daß es ihm je eingefallen wäre, daran zu denken, daß er selbst der Mann war, den sie anbetete.
So trat Helene in sein Haus und an die Stelle der Frau, die sie einst so sehr um ihr Glück beneidet hatte.
Freude glänzte in ihren Augen und verklärte ihr Gesicht. Sie vergaß, daß Paul weniger gewünscht hatte, eine andere Frau zu nehmen, als seinen Kindern eine neue Mutter zu geben. Sie wußte ja, welche innige Liebe die beiden Gatten einst verband, und sie hoffte, daß tue Zeit die Wunde heilen würde.
Beim Eintritt in das Haus hatte sie gefürchtet, überall Erinnerungen an die Verstorbene erblicken zu müssen. Doch mit einem Zartgefühl, das die Braut entzückte, hatte Chavannes aus seiner Wohnung Alles entfernt, was die 93er gangenheit ihm zurückrufen könnte.
Helene hätte sich für die erste Herrin des Hauses halten können, wäre nicht Pauls Schwermuth und die Anwesenheit der beiden Kinder gewesen.
Sie brachte denselben alle Liebe entgegen und behandelte sie mit doppelter Zärtlichkeit, hoffte sie doch dadurch des Vaters Herz zu gewinnen; bald war sie glücklich, die kleinen Wesen verhätscheln zu dürfen, um ihm zu gefallen, bald aber fühlte sie sich tief unglücklich in dem Gedanken, daß in ihnen die Liebe für seine verstorbene Gattin weiter fortlebe und so machte ihr Herz Chavannes bittere Vorwürfe ob seiner Traurigkeit, hinter der sie ein düsteres Geheimniß vermuthete.
Des Kampfes mit einer Erinnerung, eines unfaßbaren Phantom müde, begann Helene zu wünschen, ihr Mann möchte unter irgend einen andern Einfluß fallen, der, wenn auch gefährlich, doch wenigstens angreifbarer sein würde. Dieser Wunsch verlieh ihr einigen Trost und bald fing sie an, ihn für wahr zu halten. Sie ließ ihren Gatten beobachten und fand bald heraus, daß er tagtäglich zu einer bestimmten Stunde ein Haus, immer dasselbe, besuchte. Sie ging hin.
An der Thür angelangt, fragte sich Helene ängstlich, welches Geheimniß wohl die zugezogenen Vorhänge der hohen Fenster bergen könnten. Sie war des Verrathes sicher und fühlte sich so tief verletzt, daß sie einen Augenblick daran dachte, sich das Leben zu nehmen. Doch die Neugier und der Zorn blieben Sieger. Sie wurde von dem glühenden Wunsche verzehrt, das Geheimniß zu erfahren, sich für so viele im Geheimen vergossene Thränen zu rächen und — wer konnte es sagen — Paul vielleicht mit der Scham vor seinem Betragen, mit der Großherzigkeit einer Verzeihung zu zerschmettern, aus der sich dann Liebe und Dankbarkeit entwickeln würden.
Sie durchschritt den Hausflur und fragte den Pförtner: „Ist Herr von Chavannes hier gewesen?"
Der Mann sah Helene überrascht an.
(Schluß folgt.)
Gemeinnütziger.
Zu einer Preisconcurrenr für Kochrecevte ladet die Liebigs Fleisch-Extract-Compagnie ein. Es gelangen 100 Preise im Gesainmtbetrage von Viertausend Mark in Baar zur Auszahlung und zwar: 1 erster Preis zu 250 Mk. (250 3)11.), 3 zweite Preise zu 150 M. (450 Mk.), 6 dritte Preise zu 100 Mk. (600 Mk.), 20 vierte Preise zu 50 Mk. (1000 Mk.), 30 fünfte Preise zu 30 Mk. (900 Mk.), 40 sechste Preise zu 20 Mk. (800 Mk.), zusammen 100 Preise im Ge- sammtbetrage von 4000 Mk. Das Preisausschreiben erstreckt sich nur auf das Deutsche Reich. Die Gesellschaft bezweckt mit demselben, dem aufrichtigsten Danke für die von Jahr zu Jahr steigende Anerkennung, deren sich ihr Fleisch-Extract zu erfreuen hat, Ausdruck zu geben, damit den berechtigten Wunsch verbindend, ihrem Fabrikate, das in jedem Haushalt nach einem ernstlich gemachten Versuch zum unentbehrlichen Freunde wird, in immer weiteren Kreisen Anhänger zu verschaffen. Bei der Einsendung von Kochrecepten, in welchen Liebigs Fleisch-Extract practische Verwendung finden muß, sind die folgenden Bedingungen zu berücksichtigen: In erster Linie kommt die einfache Küche des bürgerlichen Mittelstandes (Hausmannskost) in Betracht, doch ist daneben die Küche für die feine Tafel nicht ganz ausgeschlossen. Entsprechend den entwickelten Grundsätzen sollen alle in das Gebiet der rationellen Volksernährung einschlagenden Beiträge in Form von Kochrecepten, auch die für den bescheidensten Tisch geeigneten, willkommen sein. Jedem Bewerbenden wird die Einsendung von Kochrecepten bis zur Höchstzahl von vier freigestellt; in keinem Falle aber mehr als eins für die feinere Küche. Auf die allgemein verständliche und übersichtliche Abfassung der Kochrecepte, sowie auf deren practische Ausführbarkeit wird besonderer Werth gelegt; erforderlich sind in den für je fünf Personen (kleine Familie) zu berechnenden Recepten folgende Angaben: 1) die Zeitdauer der Zubereitung, 2) die am Kopfe jeden Kochreceptes aufzu- führenden Zuthaten. Folgende Punkte sind noch zu beachten: 1) Alle nicht zur Prämiirung gelangenden Kochrecepte werden den Einsendern zurückgesandt, weshalb um Angabe der genauen Adresse gebeten wird. Eine Betheiligung ohne Namensnennung ist nicht statthaft; die Namen der Einsender werden indessen dem Preisgericht nicht bekannt gegeben. Die Kochrecepte werden der Reihenfolge ihres Eingangs gemäß mit Nummern versehen, so daß für volle Unparteilichkeit Garantie geboten ist. Die Recepte dürfen Kennzeichen und Namen nicht enthalten, sondern sind auf Separat-Blatt einzureichen. 2) Es ist unthunlich, etwaige weitere Anfragen an die unten Angegebenen zu richten, da diese sich nur auf die hier vorliegenden ausführlichen Bedingungen beziehen können. 3) Das Preisrichter-Amt auszuüben haben sich gütigst bereit erklärt: Der Vorstand des Lette-Vereins zu Berlin: Frau Schepeler- Lette, Vorsitzende, Frau E. Kaselowsky, Schriftführerin; die Vorsitzende der Küchen-Commission des Lette-Vereins: Frau Havemann; die Lehrerin der Kochschule des Lette-Vereins: Frl Hannemann. 4) Die Einsendungen müssen bis zum 15. October 1897 in Händen der Herren Schlüter & Maack, Hamburg, Dovenfleth 44, sein. Ungefähr zwei Monate später dürfte dann voraussichtlich die Preisvertheilung stattfinden. 5) Das Haupt-Ergebniß (die zuerkannten ersten 10 Preise) wird in illustrirten Blättern, Familien- und Frauenzeitungen bekannt gemacht, deren Auswahl die Gesellschaft sich vorbehält.
Redaction: 8. Ech-hda. — Druck und «erlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.


