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Nichts dümmeres als made in Germanyl Laß die Kinder italienisch lernen, da verstehen sie die italienische Oper!"

Können Sie denn Italienisch?" fragte Mrs. Uoung.

Nein," antwortete Bella.Nur noch etwas Latein und Griechisch."

Griechisch ist nichts!" meinte der Hausherr.Die Griechen sind arme Teufel, die keine Zinsen bezahlen. Und das Latein ist für den Magister in Oxford. Da lieber noch Spanisch; in Spanien, Argentinien und Brasilien haben wir Interessen!"

Aber französisch müssen die Kinder sprechen lernen!" behauptete Mrs. Aoung,und da ist mir aufgefallen, Miß Bella, daß Sie eigentlich gar nicht richtig französisch reden. Sie haben den Nasenton nicht, den ich in Paris und Hom­burg gehört habe, und dann declamiren Sie auch so. Sie sollten sich selbst mehr einüben!"

Bella empfing die Vorwürfe eines mit Grobheit ange­tünchten Geldstolzes stumm. Mit einer fast heroischen Selbst­beherrschung zwang sie sich, diesen Geldstolz zu respectiren, während sie ihn in glücklicheren Tagen selbst dann mißachtet hatte, wenn er ihr mit einer Scheinbildung abgetönt entgegen­getreten war. Indessen steigerten sich noch die Prüfungen für ihre gequälte Seele. Sie mußte von Master Will, wenn sie ihn wegen irgend eines Fehlers zurecht wies, hören:Ach, Sie verstehen es ja selbst nicht!"

Eines Tages ertappte sie den Knaben dabei, wie er heimlich eine seinem Vater gestohlene Cigarrette paffte. Zornig entriß sie ihm dieselbe. Er schlug sie auf die Hand. Dafür ertheilte sie dem Frechen eine leichte Ohrfeige.

Frechheit!" rief er.Das werde ich meiner Mama sagen!" und er lief hinweg.

Arabella nahm seine Partei.

Sie werden das nicht mehr thun!" eiferte sie.

O doch!" versetzte Bella.Immer wenn ich es nöthig finde, Ungezogenheiten zu bestrafen!"

Wir sind nicht ungezogen Sie selbst sprechen unge­zogen!" entgegnete Arabella und folgte mit hoch erhobenem Kopfe ihrem Bruder nach.

Bella stand wie erstarrt da. Da kam leise die stille Cläre an sie heran und legte wie tröstend ihre Aermchen um sie.

Ja, Du bist gut!" sagte Bella bewegt.Du bist die Einzige die ich lieben kann!"

Während sie noch das Kino nmschlossen hielt, rauschte Mrs. Uoung ins Zimmer.

Ich höre sonderbare Dinge über Sie, Miß Kranzler!" herrschte mit hochrothem Gesicht sie ihr zu.Sie wagen es, meine Kinder zu schlagen! Das untersage ich Ihnen ein für allemal! Das ist eine Impertinenz! Und auch die Cordialität mit Cläre will ich nicht! Sie dürfen keins der Kinder vor dem anderen bevorzugen!"

Clärchen ist die folgsamste und artigste!" entgegnete Bella ruhig.

Nach Ihrer falschen Auffassung!" eiferte Mrs. Aoung. Darüber vernachlässigen Sie die anderen. Heute fand ich, daß Arabella sich im Einfachsten verrechnete. Wozu sind Sie denn da? Wozu zahle ich Ihnen das viele Geld?"

Es sind obstinate Kinder!" versetzte Bella, die Achsel zuckend.

So, obstinat? Was für ein unpaffender Ausdruck! Sind wir denn Mob? Gewöhnen Sie sich den deutschen Bär ab, wenn Sie in einem feinen Hause dienen wollen! Ich yabe Nachsicht genug mit Ihnen gehabt!"

Damit entfernte sich die Dame, indem sie Cläre mit sich fortriß. Bella blickte ihr mit bitterem Lächeln nach, aber aus diesem Lächeln wurde unwillkürlich die Verzerrung des Weinens.

O mein Gott!" flüsterte sie voll Schmerz.Das ist hier noch schlimmer als bei Mrs. Phelps!"

Es bemächtigte sich ihrer eine tiefe Sehnsucht, aus diesem Dienste sogleich sich wieder heraus flüchten zu können,

doch war das ja unmöglich, sie hatte ja keine Mittel zum Leben! Sie mußte die Kränkungen verbeißen, und wie demüthigend war es für sie, daß sie verzogenen Kindern, die in ihrem spöttischen Lächeln den gewonnenen Triumph zur Schau trugen, eine unbefangene Dienerin sein mußte! Aber es schien, als ob sie an diesem Tage zu endloser Qual be­stimmt sei. Abends spät, als Alles im Hause tief still war, setzte sie sich in ihr Zimmerchen, um an ihren Vater zu schreiben. Im geistigen Verkehr mit ihm wollte sie eine Ablenkung suchen von den Kümmernissen der Gegenwart. Doch klagte sie ihm nichts, als die nothwendige Trennung von ihm- er sollte nicht beunruhigt werden, nichts über ihre Enttäuschungen erfahren. Dies ließ auch ihr Stolz nicht zu.

Da klopfte es leise an ihre Thür. Das Kammermädchen der Mrs. Aoung kam, um sie zur Gebieterin zu rufe».

Sie hat Migräne," sagte sie mit spöttisch lächelndem Gesicht,und Sie sollen sie in Schlaf lesen."

Bella konnte nicht anders als gehorchen und begvb sich sofort in das Schlafzimmer der Gebieterin.

Wie, Sie sind schon in den Kleidern?" sagte diese verwundert.Das geht ja bei Ihnen schneller wie bei der Feuerbrigade!"

Ich war noch nicht zu Bett," erwiderte Bella.

Noch nicht zu Bett? Wozu dies Ausbleiben? Es kann doch nur die Kinder stören! Außerdem wird unnütz Licht verbrannt! Oder haben Sie etwa int Dunkeln Ge­spenstergeschichten ausgedacht?"

Ich schrieb an meinen Vater."

So, Sie schrieben an Ihren Vater? versetzte Mrs. Ioung in schneidendem Tone.Ich bitte dienen Sie mir, oder Ihrem Vater? Bezahlt er das Licht! Und ist es da ein Wunder, wenn Sie Morgens müde und mürrisch sind und dann den Kindern übel begegnen? O, schweigen Sie! Ihre Entgegnungen sind überflüssig! Ich mag Ihre Gegen­wart nicht! Gehen Sie zu Bett!"

Bella zerbiß sich vor Zorn fast die Lippe, sie wendete sich stumm und verließ wankenden Schrittes das Zimmer. Das Gefühl des Elendes überwältige sie, sie warf sich mit halb unterdrücktem Ausschluchzen auf ihr Bett und ihre Thränen flössen. Wie erbärmlich kam ihr diese Frau vor, die Tausende an allerlei Kram verschwendete und über ein bischen Licht eiferte, das sie verwendete, um an ihren theuren Vater zu schreiben! Konnte sie denn anders als dies Nachts thun, da ihre Dienste sie den ganzen Tag in Anspruch nahmen? Mußte sie nicht dies vornehm sein wollende Weib und alle ihresgleicheu tief verachten? Ja, verachten! Dieser Gedanke brannte in ihrer Seele.

Noch nicht Herrin ihrer schmerzvollen Erregung, ver­nahm sie plötzlich ein leichtes Geräusch, und spürte die Nähe eines Menschen. Sie fuhr empor. Mr. Aoung stand vor ihr. Sein stark geröthetes Gesicht stach grell ab gegen die weiße Weste und Halsbinde, die er trug, und sein süßliches Lächeln machte einen abstoßenden Eindruck. Er kam aus seinem Club und hatte Weinlaune. Daß er des Guten zu viel gethan, merkte sie an seinem schweren Athem. Sie blickte ihn mit thränenfenchten Augen groß an.

O diese Augen!" sagte er mit gedämpfter Stimme. Darin liegt eben der Zauber! Ja, der Zauber! Aber Sie haben wohl gar geweint? Kann ich Sie trösten? Welchen Kummer haben Sie? Ich helfe Ihnen gern!"

Sofort hatte Bella ihre ganze Fassung wieder.

Es befremdet mich, Mr. Aoung," sagte sie hart,daß Sie hier eindringen! Ich bedarf Ihrer Hilfe nicht und obschon Sie der Herr des Hauses sind, muß ich Sie doch ersuchen, die Rücksichten zu beobachten, die ein Gentleman jeder Dame schuldig ist."

Bscht," machte der Millionär mit eine beschwichtigenden Handbewegung.Kein Aufsehen, lieb' Kind! Ich hörte, daß Sie noch auf waren und meine es gut mit Ihnen, nur gut! Haben Sie Herzenskummer?"