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reichte ihm die Hand.
von Thelen leise hinzu.
Mit dem Wunsche auf Wiedersehen in Berlin fuhr die muntere Gesellschaft ab.
„Arthur Otto" mußte noch im letzten Augenblick versprechen, einen Artikel über die Seekrankheit zu schreiben. „Aber ich muß auch darin Vorkommen!" bat Fräulein Helene Oldekopp und „bitte nicht indiscret!" rief Frau von Thelen -em Doctor noch vom Wagen aus zu.
Arthur Otto war aber ein Ehrenmann. Er hat in seinem Artikel nichts davon verrathen, daß es auch eine „Seebadekrankheit" zu curiren giebt, von der junge Frauen nicht selten auch am Lande — am Strande und in den Dünen ergriffen werden.
In der Curmethode gegen diese Seekrankheit schließen sich freilich nicht alle practischen Aerzte dem Heilverfahren des Doctor Arthur Otto an.
eigentlichen Thema ab und bleibe die blamirte Europäerin.
Deshalb fuhr ich unentwegt fort: „Ein Canarienvogel soll es sein — ein hübscher, gelber, zahmer Piepmatz, der uns das Morgenständchen bringt, Tischmusik macht unbj?or dem Schlafengehen noch einen Abendcantus steigen läßt-
„Keine schlechte Idee," nickte mein Mann, „ein hübsche Bauer werde ich besorgen. Ich dächte so ä la Pavillon aus einem kleinen Tischchen in den Erker zu stellen. bezüglich des Vogels muß eine sorgfältige Auswahl 0etr°n werden. Am besten ist, Du gehst zu einem renomnnr Züchter oder in eine große Vogelhandlung. Einen solch
Von Lina Fabian.
------- (Nachdruck verboten.)
( er heißt also wirklich so," hatte die Frau Regierungsräthin etwas enttäuscht geäußert) auf die lieben Gäste, die bte weite Tour nicht gescheut hätten, um den Geburtstag ihres Mannes mit ihr zu feiern. ,
Sie sprach etwas ausländisch, — als Havaneserm, aber „es klingt zu reizend", wiederholte Frau Bernau
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Mein der Gattin Weibchen, bei diesen Menschen/ „Wiy //3a/ zuckte das Canarienv Gefieders voll. Das sucht und scheinbarer piepe nid):
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immer wieder.
Nach Tische Promenade durch die Umgebung und Besteigen des Thurmes. Es traf sich so, daß der Doctor und Bertha allein auf der Plattform waren.
„Nun kann ich mit gutem Gewissen alle Ihre Fragen mit einem aufrichtigen „Ja" beantworten// sagte sie mit einem zutraulichen Aufblicken und dennoch erröthend. „Ja — Sie sind glücklich, haben alle Ursache es zu sein!// Sie „Aber wer konnte das aus ihren
Worten deuten?"
„Das war's ja eben! Sie glauben nicht, tote ich fürchtete, Sie möchten vorzeitig hinter meine kleinen Geheimnisse kommen, wie ich ja längst das Ihre kannte'.//
„Sie wußten?" rief sie erstaunt.
„Na, natürlich! hätte ich denn solche Scherze mit einem jungen Mädchen treiben können?"
Eine kurze Weile schien sie nachzusinnen.
„Das hätte ich mir allerdings sagen können// meinte sie dann lächelnd. „Aber — so ungewöhnlich auch die Art, in der wir bekannt wurden, so geeignet wäre sie, um allerhand Auslegungen und Deutungen zuzulaffen// — sie machte eine kurze Pause — „nicht wahr, Sie kennen meinen Mann näher? Ach, wenn der wüßte, was für eine Tollheit ich
Ich gestehe unumwunden zu, daß meine Kenntnisse in der Ornithologie nicht eben bedeutende sind. Aber so schlimm wie mein Mann fälschlicherweise behauptet, daß ich einen Buchfink nicht von einem Spatzen zu unterscheiden vermöchte, ist die Sache nicht. Und wenn ich mir erst eine Anzahl Stubenvögel halte, dann wird mir die Keuntniß in der Vogelkunde ganz von selbst kommen. Denn daß ich einige Vögel anschaffen mußte, war bei mir beschlossene Sache- ich ließ mir dann den ganzen Tag was Schönes Vorsingen und hatte außerdem eine hübsche lebendige Zimmerdecoratiou. Vorerst aber mußte ich mir darüber klar werden, welche Vogelrassen ich mir anschaffen wollte, denn meinem Mann mußte ich mit Thatsachen gegenübertreten, mit uferlosen Vögelankaufs- Plänen durfte ich ihm nicht kommen.
— ________Ein Papagei — das war ein etwas großes Thier und
mir erlaubt habe' — Aber es^hat mich dennoch sehr amüsirt I beanspruchte viel Pflege. Dann hatte ich einmal gelesen, baß
— eine Badeepisode zu erleben und -" böse Schiffscapitäne die Thiere allerhand Dummheiten ern-
„Und Ihr Mann wird's nicht erfahren", fuhr er gut- ten, Flüche in allen Sprachen der Welt und ungalante
mütbia lächelnd, fort. „Aber nehmen Sie einen Rath: Redensarten gegen die Damen. Dann schnappten sie auch
„Wenn eine Frau jung und hübsch ist ..." Worte und Redewendungen aus den Gesprächen auf, welche
Spiele sie nicht mit dem Feuer, ich weiß es nun, — die Menfchen miteinander führten, — nein, einen Papaget
genug davon! Doch sagen Sie, werden Sie meinen Mann lieber nicht, der brauchte meine Gespräche mit dem Dienst-
fctien ?/y Mädchen nicht zu hören!
„Gewiß — ich sehe ihn oft — im Club der Schriftsteller- Ich zog einen Fachmann zu Rathe, indem ich mir sämmt- Genossenschaft" I liehe Werke des bekannten Vogelkenners Dr. Carl Ruß aus-
Dahin gehen auch Sie? Ich denke, Sie sind Arzt?" lieh. Ich habe sie alle durchgelesen - wenn's nach ihnen ge- Das war ich nur einmal — gegen die Seekrankheit I gangen wäre, hätte ich mir alle Vögel der Welt anschaffen einer schönen Frau, sonst Dr. juris und Hofkammerrath. — müssen. Endlich stellte ich meine Sache dem Zufall anhem, Aber das Alles wollen Sie der Bernau noch etwas vorent- ich nahm mir vor, den Vogel zu kaufen, dem das Buch gehalten, als gerechte Strafe für die Neugier." widmet war, über dessen Lectüre ich zuerst entschlafen wurde.
Ehe die Gäste gegen Abend — zur Fluthwende — sich Noch am selben Mittag passtrte mrr das- als 'ch geweckt auf die Rückreise begaben, erhielten sie nach friesisch-nieder- wurde, griff ich sofort nach dem Buche, das m hellgelbem ländischem Brauche ein Gastgeschenk. — Ein Buch war's, Umschlag auf dem Tische lag. „Der Canartenvogel, seme in rothem Calico gebunden. Auf dem Umschläge las man Zucht und Pflege// las rch. „Alea jacta sunt, ctttrte tj @0“b: ° nach Büchmann, „die Würfel sind auf einen Canartenvogel
„Roman von Arthur Otto// und als Widmung war gefallen . . ." . ..
niedergeschrieben: Als ich Abends mit meinem Mann allem zusammensatz,
Zur' Erinnerung an den Special-Arzt gegen steuerte ich ohne Umschweife auf mein Ziel los.
die Seekrankheit an Bord der „Satina" „Du, Männchen// sagte ich, „ich möchte so gern einen
19. Juni 1893. I Vogel haben."
Herrn resp. Frau X gewidmet Mein Mann sah mich überrascht an. Schließlich ant-
vom Verfasser. wartete er, indem er mich spöttisch anlächelte und mit dem
Wie electrisirt eilte jetzt Helene auf den Doctor zu. Zeigefinger mehrere Male an seine Stirn tippte: „Manchmal
„Sie sind Arthur Otto —? Mein Gott, wie konnte ich ist's mir so vorgekommen, als ob Du schon einen yatlep.
Sie nur so verkennen! Ach denken Sie, ich glaubte, Sie - ©ie" Ich beachtete diese Sottise gar nicht, denn wenn ich mq „Ich wäre ein alter Esel und machte der schönen erst auf seine dummen Witze einlaffe, komme tch von meinem
jungen Frau ernstlich den Hof ! Nun ja, das hätte zwar 1 —- — - K-rovaerin.
nicht mit Arthur Otto gestimmt, aber — der Dichter ist auch mitunter Mensch// fügte er mit einem Blicke auf Frau


