152 -
Fleckchen Erde des weiten Besitzes wurde ihr vorgestellt, jede Kinder-Erinnerung, die sich daran knüpfte, für sie aufgefrischt — und sie folgte ihrem Manne tapfer durch Wald und Wiese, sog die kräftige ostpreußische Herbstluft mit vollen Zügen ein und schmückte ihn und sich mit den rothen Beeren der Eberesche. DaS Stadtkind, empsänglich für alles Schöne, schwelgte in der ersten, großen Liebe zur freien Gottesnatur, die jetzt in ihrem Herzen aufging wie eine Offenbarung an der Seite des Gatten, dem diese Liebe angeboren und mit dem sie ausgewachsen war wie ein Glied seines Körpers, dem der Verkehr mit der Natur zum Lebensbedürfniß geworden wie das Athemholen.
Der Herbst ward rauher, Sturm und Regen verwehrten die Bewegung im Freien, und die Abende wurden länger. Nach Wochen fühlte Regine zuerst wieder das Bedürfniß, ein Buch zu öffnen und kaum hatte sie das gethan, so schlug die Welt der Phantasie und des Gedankens, in der sie heimisch war, sie wieder in Fesseln.
Im Wohnzimmer wurde der Kamin geheizt, behaglich lehnte sie daneben im Schaukelstuhle und wartete auf Felix - wie freute sie sich schon auf das gemeinsame Lesen! Sie hatte, wie sie alle Jahre zu thun Pflegte, schon einen Plan entworfen für die Regelung der Lectüre im Winter. Sie pflegte regelmäßig ein historisches Werk und eine Reisebeschreibung zu lesen und sich dann mit den neuen Erscheinungen auf dem Gebiete der Kunstgeschichte und Romanliteratur zu beschäftigen. Wie anheimelnd lachten ihr die Bände entgegen, die sie aus der alten Leihe der Residenz hatte kommen lassen! Mit ihres Gatten Leben hatte sie sich nun vertraut gemacht- jetzt würde sie ihn einführen in die Welt ihrer Interessen, in der er noch Neuling war. Aber wie lange er fort blieb! Er beaufsichtigte daS Dreschen auf einem weit abliegenden Vorwerke, hatte doch aber fest versprochen, um 6 Uhr zurück zu sein und jetzt that die alte Wanduhr schon sieben Schläge in ihrer gewichtig ernsten Art! Ungeduldig schürte Regine das Feuer und lauschte in die Dämmerung hinaus. Wie einsam es doch war in dem alten Hause, wie unheimlich es raschelte im großen Flure! Sollten es gar Mäuse oder Ratten sein, vor denen sie ein kindisches Grauen fühlte? Aber da schlug die große Dogge an, die ihres Gatten steter Begleiter war, die schwere Hausthüre klappte und ein fester, energischer Schritt näherte sich ihrem Zimmer.
„Schön guten Abend, Frauchen, bist Du schon sehr böie auf mich?" klang gleich darauf seine fröhliche Stimme neben ihr und vergessen war alles Unbehagen. Sie holte ihm Hausrock und Morgenschuhe und mischte mit kundiger Hand seinen Abendgrog.
„Wie müde Du aussiehst, Felix, komm', stärke Dich ein bischen 'und ruhe aus nach dem ewigen Herumlaufen und Stehen!"
(Fortsetzung folgt.)
Sollen wir warm oder kalt oder gar bei offenem Fenster schlafen?
Don Dr. Otto Gotthilf.
(Schluß.)
Nachtluft ist vielmehr, abgesehen von sehr sumpstgen Gegenden viel reiner und gesünder als Tagesluft, namentlich in Städten. Am Tage wird der Straßenstaub mit all seinen Unreinheiten und Schädlichkeiten immer wieder aufgewirbelt von Wagen, Passanten und Thieren - die Ausdünstungen von Menschen und Vieh steigen von der Straße zu unseren Fenstern empor- Fabriken, Gewerbebetriebe und Schornsteine erfüllen die Atmosphäre mit einer Unmenge von Dünsten, Verbrennungs
gasen und BerbrennungSprodueten- dies Alles fällt in der Nacht fast ganz fort. Daher ist die Nachtluft entschieden reiner und gesunder.
Biel leichter läßt sich in der warmen Jahreszeit eine regelrechte Ventilation Herstellen. Da öffnet man einfach im Schlafzimmer selbst mindestens die oberen Fensterflügel, läßt die Fensterrolle herunter und befestigt diese unten mit einem schweren Steine oder dergleichen, damit sie nicht vom Winde hin- und hergeschleudert wird. Das Bett soll natürlich nie, weder Sommer noch Winter, dicht am Fenster stehen, sondern sich möglichst an der entgegengesetzten Wand befinden. Gerade im Sommer ist es zur Erholung von des Tages Hitze überaus nöthig, bei offenem Fenster zu schlafen, besonders auch für die ganz kleinen Kinder. Bekanntlich haben diese in der heißen Jahreszeit sehr oft an Brechdurchfall zu leiden und gehen vielfach daran zu Grunde. Die erste Ursache nun zu dieser Krankheit bildet häufig eine Erkältung des Magens. Die armen Kleinen werden selbst im sommerlich heißen Schlafzimmer noch mit dicken Federbetten fest zugedeckt, fangen dann bald an zu schwitzen und strampeln sich bloß. Daß dann bei der nackten, schweißigfeuchten Haut sehr leicht eine Erkältung eintritt, ist ganz natürlich. Vollständig unbeschadet dagegen ruht ein Kindlein in einem angenehm kühlen Schlafzimmer, welches durch die gleichmäßig eindringende frische Luft stets auf normaler Temperatur erhalten bleibt. Sehr hübsch ist dies poetisch geschildert in einem Verse in „Kinderlust":
Schweigend ruht die müde Erde, Und wie eine Lämmerherde An dem dunkeln Himmel ziehen Tausend Sternlein drüber hin. Durch das Fenster strömt herein Nachtluft, würzig, kühl und rein; Und mein Kindlein schlafet fest In dem kleinen, warmen Nest, Ohne Leid und ohne Sorgen Schläft es ruhig bis zum Morgen.
Ganz besonders wohlthuend und heilsam wirkt frische Luft in der Nacht bei allen Schwachbrüstigen, Lungenlahmen, Bleichsüchtigen, Asthmatikern und an Schlaflosigkeit Leidenden. Diese müssen die Ventilation stets im reichsten Maße Herstellen und sich zum Schutze gegen Kälte lieber wärmer zndecken und eine Bettjacke anziehen, damit Schultern und Hals geschützt sind. Auch vollblütige Personen und solche, welche am Abend dem Bacchus oder Gambrinus etwas mehr gehuldigt haben, sollen in möglichst kühler, frischer Luft schlafen - dadurch wird der Blutandrang nach dem Kopfe und das beängstigende heiße Gefühl bedeutend verringert.
Fassen wir nun unsere Betrachtung kurz zusammen, so ergeben sich zur Erzielung eines wirklich gesunden erquickenden Schlafes, der für jeden Menschen überaus wichtig und für seine Arbeitskraft und Schaffenslust durchaus nöth-g ist, folgende drei unumgänglich nothwendigen Gebote:
1. Schlafe stets bei offenem Fenster und zwar
2. In der wärmeren Jahreszeit öffne Nachts im Schlafzimmer das Fenster -
3. In der kalten Jahreszeit öffne Nachts im geheizten Schlafzimmer das Fenster, oder im geheizten Nebenzimmer bei weit geöffneter BerbindungSthüre, jedoch sei in beiden Fällen das Fenster verhängt.
Huinsristisches.
Vertheidigung. Bürgermeister (zum Nachtwächter). „Sie sind ein netter Nachtwächter, gestern Nacht schliefen Sie bei der Scheune, als sie lichterloh brannte und die Feuerwehr mußte Sie erst wecken!" — „Oho! I Han 's scho" gespürt, wie mir uff amal heiß im Buckel wurd!"
Redaktion: K. Scheyda. — Druck und Verlag der Brübl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Ließen-


