Ausgabe 
31.12.1895
 
Einzelbild herunterladen

MMW öeN8i.Deemöer

UnterhaltungsdLatt zurrn Gießener Anzeiger (General-Anzeiger)

Aeujahvsgvrrtz.

Neues Jahr, sei uns willkommen Nun auf deiner jungen Bahn Nicht mit Herzen, die beklommen, Sehen Alle wir dich nah'» Nein, in hoffnungsfrohem Sinnen Ist dir zugewandt der Blick, Denn wir glauben zu gewinnen Ja in dir ein neues Glück!

Wohl, so spende frisches Leben Du nunmehr für jedes Haus, Laß der Hoffnung Blüthen weben Sich für Jedermann zum Strauß. Pflanze gläubiges Vertrauen Machtvoll du uns Allen ein, Daß wir muthig aufwärts schauen Zu des Höchsten Himmelsschretn I

Grüß das Leid mit Trosteslächeln, Segen schenk' der guten That, Und mit mildem Hauch umfächeln Mögst du unfern Pilgerpfad. Sei in deinem Lauf beschieden Uns auch, was von Goldeswerth: Unferm Vaterlande Frieden Und Gedeihen unferm Herd!

B. Neu en dorff.

Durch die Liebe erlöst.

Weihnachtsnovelle von R. Sturm.

(Schluß.)

Ja, ja, Leonie war wohl damals kaum fünfzehn Jahre alt und war nur als Zuschauerin mit zum Regimentsfest genommen worden," sagte zur Aufklärung Frau Major von Struberg.

£ ®° verlief die Abendtafel unter heiteren Scherzen und

fröhlichem Plaudern und Curt von Pleffen sah dabei immer tiefer in Ediths schöne blaue Augen und fand immer mehr Gefallen an ihrem anmuthigen, schelmischen Wesen.

Gütiger Himmel! Da kam ihm auf einmal ein großer Gedanke, dessen Ausführung ihn aus der peinlichen Verlegen« yett, in welcher er sich seinem Vater gegenüber befand, retten wurde.

Konnte er stch nicht um Ediths Hand bewerben?

Dieses reizende Mädchen hatte sein leichtes Herz gefangen, I und Edlth von Struberg als feine liebe Braut nach Schloß ? Messen zu führen, war jetzt ein Gedanke, welcher Curt von I Pleffen eifrig beschäftigte.

h Sein Gsmüth war davon so eingenommen, daß er trotz i der großen Heiterkeit, die an der kleinen Tafelrunde herrschte, f zuweilen wie in tiefes Sinnen versunken dasaß.

Der Hausherr, Major von Struberg, deutete diese Wahrnehmung dahin, daß Lieutenant von Pleffen infolge der scharfen langen Rittes in der kalten Winterluft und des Ur« ^^wahrscheinlich sehr ermüdet sei. Auf einen leisen Wink des Majors verließen daher die Damen das Speisezimmer und sagten den HerrenGute Nacht!"

Bei dem Abschiede war aber Curt von Pleffen wieder ganz umgewandelt. Eine förmliche Aufregung glühte in seinem vorher bleichen Gesichte und mit einer fast rührenden Stimme sagte er:Ich weiß nicht, ob ich die Ehre haben werde, die gnädige Frau und die gnädigen Fräulein morgen früh noch einmal zu sehen, denn ich werde sehr zeitig nach Pleffen zurückkehren, um meine Eltern von der Sorge um mich zu befreien." 8

Zum Frühstück sehen wir Sie doch noch bei uns, Herr Lieutenant," entgegnete Frau von Struberg und reichte ihm freundlich die Hand.

Natürlich frühstücken Sie noch bei uns," erklärte der Major,denn Sie können doch nicht ohne Frühstück den fast zwei Meilen weiten Weg nach Pleffen zurücklegen. Außerdem fragt es sich, in welchem Zustands Ihr Pferd morgen ist."

Aber meine Eltern sind in Sorge um mich. Deshalb möchte ich morgen schon sehr früh fort," bemerkte Curt-

Nun, ich werde meinen Reitknecht morgen früh sieben Uhr nach Pleffen reiten lassen/ sagte der Major,dem geben