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wachen, denn unser Vermögen ist durch bett erst vor Kurzem stattgefundene« Ankauf der Herrschaft Linden festgelegt worden. Aber zur Ordnung Ihrer Angelegenheiten würde ich natürlich, wenn Sie mein Schwiegersohn werden, redlich beitragen.
»Herzlichen Dank, Herr Major, für diesen Beweis Ihres Vertrauens, dessen ich mich noch würdig erweisen muß," entgegnete Curt von Pleffen. „Meine Verlobung mit Fräulein Edith ist mir eine so ernste Sache, daß ich noch heute dieselbe bei meinem Vater zur Entscheidung bringen werde- Ich werde sofort nach Schloß Pleffen fahren, und bitte Sie herzlich, mich für heute davon zu dispenfiren, im Kreise Ihrer Familie das Frühstück einzunehmen."
Der Major nickte zustimmend, denn er fühlte, wie es Curt in der Seele brennen mußte, und daß er jetzt nicht im Stande war, in gewohnter Fröhlichkeit in Gesellschaft zu sein. Pleffen frühstückte deshalb auch nur ein wenig auf seinem Zimmer und fuhr schon eine halbe Stunde später in dem Wage« des Majors nach dem heimathlichen Schlöffe ab
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Curts Eltern waren seit gestern Nacht in einer großen Aufregung über das unaufgeklärte Fernbleiben des einzigen Sohnes und waren auch durch den Brief, de« heute morgen der Majors Reitknecht von Curt gebracht, nicht beruhigt.
»Ja, ja, unser Sohn ist ein Tollkopf und ein Starrkopf dazu, liebe Frau," wetterte der Major noch immer, obwohl er es inzwischen schon hundert Mal bereut hatte, Curt so streng behandelt zu haben.
„Aber wenn er Agnes von Rodeck nun einmal icht heirathen mag," erklärte jetzt die Frau Baronin von Pleffen, „so können wir ihn auch nicht weiter dazu zwingen Fast sch°int es mir, daß er sein Herz an eine der Töchter de« Majors von Struberg verloren habe, denn daß er statt nach Rodeck nach Linden geritten, erscheint mir nicht als Zufall."
„Nun, ich würde ja auch zu einer Verlobung Curts mit einem Fräulein von Struberg nicht nein sagen," meinte der Baron von Pleffen. „Der Major von Struberg ist ein wohlhabender Mann und war einst mein lieber, braver Kamerad beim Regiment. Äber heirathen muß Curt sobald als möglich, von dieser Bedingung weiche ich nicht ab."
Diese letzten W^rte sagte der Baron mit seiner mächtigen Stimme so laut, daß man sie im Vorsaal hören konnte und dort hatte sie auch Jemand gehört, denn plötzlich ging die Thür auf, Curt trat erregt ein und sagte: „Ja, heirathen will ich, lieber Vater, und brav und solid werden, wie Du es wünschest, und verloben will ich mich noch heute, aber nicht mit Agnes von Rodeck, die ich nicht liebe und die, wie ich unterw- s erfuhr, auch sich bereits mit dem Baron von Jngershaufe« verlobt hat, sondern meine Braut ist Edith von Struberg, ein reizende«, gutes Mädchen, das ich liebe- Ich erhalte Ediths Hand, wenn Ihr zu meinem Vorhaben Eure Zustimmung ertheilt. Und ich bitte Euch nachträglich «och herzlich um Verzeihung, daß ich Euch solche Sorge bereitet habe. Aber „Ende gut, Alles gut" dürfen wir wohl ’ sagen."
Es dauerte diesmal einige Secunden, ehe der alte Baron die rechten Worte fand, dann sagte er mit einer Freuden- thräne im Auge: „Curt, das war wieder ein Husarenstreich von Dir, aber der beste von allen. Ich vertraue darauf, daß Du glücklich gewählt hast. Nimm meinen Segen zu Duner Verlobung mit Edith von Struberg. In einer Stunde fahren wir nach Linden, um die Verlobung zu feiern, und zu Weihnachten soll in Schloß Pleffen und im Herrenhaus Linden die Weihnachtssreude doppelt so groß sein al» sonst."
GernerniMtziges.
Champagner für Sylvester. Will man sich aus selbstgewonnenem Vorrathe von Obst- oder Beerenobstwein
Champagner für die Sylvesternacht bereiten, so fülle man den Wein in feste Champagnerflaschen, gebe pro Flasche einen gehäuften Eßlöffel klaren Zucker und ein Gpitzgläschen guten Cognac, verkorke dicht und verbinde den Kork gut. Durch den Zucker kommt der Wein etwa» in Gährung und entwickelt durch die entweichende Kohlensäure ein prächtiger Mousseux. Billig, aber gut-
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Nutzplätzche«. 125 Gramm Zucker mit einem Si fest rühren, 80 Stück Nußkerne mit Eiweiß gerieben, etwas Zimmt, gestoßene Vanille dazu, Alle» gut vermengen, Häufchen auf Oblaten gesetzt und langsam hellgelb gebacken, je fester der Teig, desto beffer das Gebäck.
VeviiM-chtes.
Usber gefälschten Kaffee ist insbesondere in der letzten Zeit so viel geredet, geschrieben und lamentirt worden, daß man glauben müßte, es könnten Uebervorthellungen de» gewarnten und mißtrauischen Kaufpublikum« in dieser Hinsicht gar nicht mehr vorkommen. Dürfte e» schon unter die Vergehen gegen das Nahrungsmittelgesetz fallen, wenn Kaffeebohnen, welche auf dem Seetransport durch Waffer gelitten haben, durch Färben wieder aufgefrischt werden, so ist doch die folgende Nachricht, welche wir einem Beitrag in der illu- strirten Familienzeitschrift „Universum" (Dresden) entnehmen, noch viel ungeheuerlicher. Danach sollen Kaffeebohnen au» Thon, Pappmacho rc- hergestellt und der echten Waare beigemengt worden fein; ja, in England wurde sogar schon im Jahre 1883 eine Epecialmaschine zur Fabrikation künstlicher Kaffeebohnen — nicht etwa confiscirt, sondern — patentirt!
Unschädlich gemacht. „Nun, lieber Brüller, wie ist denn Durchlaucht mit Ihrem Gesang zufrieden?" — „Prächtig! So oft ich zum Singen zu ihm komme, gibt er mir stet» eine Cigarre und sagt: So, lieber Brüller, nun rauchen Sie mal recht fleißig!"
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Je nachdem. Ein Gastwirth geht mit seinem Söhnchen über Land. Plötzlich huscht etwas über den Feldweg. — Söhnchen: „Papa, war das ein Hase oder eine Katze?" — Vater: „Das kommt nur auf die Zubereitung an!"
Literarisches.
Kür'L HLuSlichs Leben von Eugenie Tafel (Verfasserin von Allerlei für's Haus, Deutsches Hausfrauenbuch, Gute Küche.) 100 S. 8°. Preis höchst elegant gebunden 1 Mark. Verlag von Georg Brieger in Schweidnitz. Ein liebliches Büchlein, das wir gern in den Händen recht vieler Hausfrauen und Mädchen sähen, da cs gute Worte über alle möglichen häuslichen Verhältnisse enthält, die viel Segen stiften können. In seiner schönen Ausstattung eignet es sich vorzüglich zu Geschenken.
Der Böglein Bitte
O helft, wir leiden bsit're Noch! Ach, gebt uns doch ein wenig Brod I Verödet ist der schöne Wald, Es frieret uns, denn es ist so kalt. Auf Feld und Flur liegt hoher Schnee, Und Hungern lhut entsetzlich weh. Wir bitten nicht um Ueberfluß, Ein Körnlein schon ist uns Genuß, Gebt, was von Ea'rer Tafel fällt, Wir Armen sind dann wohl bestellt. Ja, selbst mit Euern kleinsten Gaben Vermöget Ihr uns reich zu laben. Die andern Vögel sind gezogen Nach Süden über Meereswogcn, Wir aber sind Euch treu geblieben Und bitten flehend Euch, Ihr Lieben: „O, habet Mitleid und Erbarmen Mit uns bedrängten, hilflos Armen! Habt Mitleid, Menschen, lieb und werth, Das Vöglein wenig nur begehrt!"
Rebartio«: A. Schktzdlt. — Druck und Seclag der Brühl'schen UniverflKtS^Such- und Eteindruckcrei (Pietsch Ä Scheßd«) in Gießen.


