Ausgabe 
31.12.1895
 
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O, Sie können, Sie müssen die Ursache meines Unglückes hören, verehrtes Fräulein, denn Sie können mir helfen/' sagte jetzt plötzlich Messen mit steigender Wärme und in seinen vorhin noch so traurig blickenden Augen glänzte ein Hoff­nungsstrahl.

Es war freilich eine Generalbeichte, welche Curt von Pleffen bei dem Major ablegen mußte, als er um Edith- Hand bei dem gewissenhaften Vater bat, und der Major runzelte mehr wie einmal die Stirn, al- er aus Pleffens Munde die Ursachen von dessen Bedrängnissen erfuhr. Auch paßte dem Major die rasche Verlobung gar nicht. Aber daß Curt so entschieden die Parthie mit der reichen, ungeliebten, Agne» von Rodeck entschieden ablehnte, da» imponirte dem Major doch wiederum ganz gewaltig, denn da zeigte der leichtfinnige junge Herr doch entschieden Charakter.

Ich will Ihnen die Hoffnung nicht rauben, lieber Pleffen, mit Edith glücklich zu werden," sagte der Major dann ernst,aber sprechen Sie doch vor allen Dingen nun auch mit Ihrem Herrn Vater, der ja von Ihrem Verlobung-» plane noch keine Ahnung hat. Auch meine Frau und ich müssen uns Ihren Antrag noch einmal überlegen und mit Edith sprechen. Und daß sage ich Ihnen gerade heraus, lieber Pleflen, eine Geldheirath können Sie bei uns nicht

verlockend, denn Agnes von Rodeck ist reich, sehr reich, meine Schulden würden mit Leichtigkeit gedeckt werden, und e» wäre für noble Passionen immer viel Geld vorhanden. Aber halten Sie von mir, war Sie wollen, verehrtes Fräulein, so versichere ich Ihnen und auf Ehrenwort, daß ich bei allem meinem Leichtsinn nicht im Stande bin, ein ungeliebtes Mädchen zu heirathen, mag sie auch noch so viel Reichthum besitzen! Und in diesem Falle bin ich um so weniger dazu im Stande, weil ich weiß, daß der mir befreundete Kammerherr Baron von Jngerhausen sich um Fräulein von Rodecks Hand be­wirbt und ich ihm diese gute Partie gern gönne"

£), ich bitte, ich flehe Sie an, verehrtes Fräulein," bat Pleffen in ergreifendem Tone,hören Sie mich an! Denn bei Gott, Sie können mich retten und Sie werden über die Ursache meine» Unglücke» nichts hören, was das Ohr einer Dame beleidigen könnte. Seien Sie barmherzig und schenken Sie mir Gehör!"

Edith nickte leise zustimmend und nahm in einem Sessel Pleffen gegenüber Platz.

Die Geschichte meine- Unglückes ist einfach und kommt hundertfach im Leben vor," begann der junge Offizier-Als einziger Sohn verwöhnt im Haufe der Eltern, kam ich leicht­lebig zu unferm Regiments. Natürlich lebte ich flott und gedankenlos in den Tag hinein, wurde auch zu Spiel und Wetten verführt und machte Schulden. Mein Vater verzieh mkc mehrere Male, schließlich wurde ihm aber mein Leichtsinn zu bunt und im Einverständniß mit unserem strengen Oberst verlangt er von mir, daß ich um meinen Abschied bitte."

«Aber das ist doch kein so großes Unglück, Herr Lieu­tenant, es nehme» doch viele Offiziere ihren Abschied," wandte Edith tröstend ein.

Aber ich hänge noch mit ganzer Lust und Liebe an meiner Waffe, am ritterlichen Osfiziersdienste bei meinem schönen Regiments," fuhr Pleffen eifrig fort,und mein Ab­schied macht mich unglücklich."

Run, so bitten Sie Ihren Herrn Vater noch einmal recht herzlich und geloben ernstlich Besserung, dann wird er schon noch einmal einwilligen, daß Sie weiter dienen dürfen."

Mein Vater ist in dieser Frage aber leider ganz un­erbittlich geworden, und ich beschwöre seinen gerechten Zorn herauf, wenn ich nicht alsbald um meine Entlassung bitte. Doch das wäre noch nicht das Schlimmste für mich, ver­ehrtes Fräulein, denn wenn auch schwer, so würde ich mich schließlich doch darein schicken, auf dem väterlichen Gute Landwirth zu werden. Das Schlimmste in der ganzen Zu- kunftsfrage für mich ist, daß mein Vater darauf besteht, daß ich mich sofort mit einem ungeliebten Mädchen und zwar mit Fräulein Agne» von Rodeck, einer reichen Erbin und einzigen Tochter unseres Gutsnachbar», verloben soll. Diese

Sie wollen die Meine werden Sie wollen mich erlösen, liebe Edith!" rief Messen.Dem Himmel sei Dank, d ß er mich in dieses Haus geführt. Noch in dieser Stunde werde ich bei Ihrem Herrn Vater um Ihre §*ttb werben, und wenn er mir sein Vertrauen schenkt, so werden wir noch heute ein glückliches Brautpaar."

Pleffen küßte das schöne Mädchen ehrerbietig auf die weiße Stirn und eilte davon, um dem Major von Struberg sein wichtiges Anliegen vorzutragen. Aber auch Edith lief eilig aus dem Bibliothekzimmer, um ihr Glück in ihrem Kämmerlein zu verbergen.

Das junge Mädchen erbebte leise bei diesen überraschen- r den Worten Pleffens und seiner plötzlichen Umwandlung. Was mochte er ihr anvertrauen wollen? Die Ursache seines Unglückes! Sie zögerte mit der Antwort und trat einen Schritt zurück

Edith blickte mit einem wunderbar leuchtenden Aufschlag ihrer schönen blauen Augen auf Curt. Trotz seines offenbar großen Lichtsinnes erschien er ihr in seinen Herzensangelegen­heiten so groß, so wahr, so edel und ritterlich, wie sie er bisher noch nie an einem jungen Herrn beobachtet hatte.

Sie sind trotz Ihres Leichtsinnes doch noch ein guter Mensch, Herr von Pleflen," flüsterte sie,und deshalb wird ihr Unglück wohl noch von Ihnen abgewendet werden können."

Dem Himmel sei Dank, daß noch ein edles Herz an meinen ehrlichen Willen, mich bessern zu wollen, glaubt," rief jetzt Plessen begeistert und ergriff Ediths zarte Hand, um dankend seine Lippen darauf zu drücken.Nun wage ich aber auch, theuerste Edith, Sie um die große Huld und Gnade zu bitten, mich Aermsten aus Unglück und Verzweiflung zu retten. Sie glauben doch an meine Besserung, also können Sie auch, wenn Ihr Herz nicht nein sagt, meine Retterin, mein Schutzengel iui Leben werden. Fräulein Edith, ich ge- . stehe Ihnen meine ganze aufrichtige Liebe. Sie haben bereits t gestern mein Herz im Fluge erobert und ich wage noch heute ' bei Ihrem Vater um Ihre Hand zu bitten, wenn Sie zu ? meiner Bewerbung die Zustimmung ertheilen?"

^innett?siS*au^« ßW Verlobung ist eine abgemachte Sache zwischen Herrn

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Mit flinken Schritten näherte ste sich Pless.n und sagte | & melodischer Stimme, durch welche die ganze I

Herrlichkeit eines edlen, weiblichen Wesens klang:Guten | Uh)gen, Herr Lieutenant I Warum sind Sie so traurig am |

len und noch dazu vor dem schönen, an Freuden so l retchen Weihnachtsfeste?" i

. $ra£,oor der unerwarteten Anrede zusammen, l

ehte tief® sRöHje stieg wie ein Gluthfeuer in sein bleiches E Antlitz und verlegen stammelte er:Ich bitte tausendmal um 5 gnädiges Fräulein, daß ich Ihren Eintritt in ? da» Bibliothekzimmsr nicht bemerkt habe. Ich war in ein ? trefes, trauriges Sinnen versunken und Sie haben recht ge­sehen, denn ich bitt thatsächlich unglücklich, sehr unglücklich."

,.. ."Dar thut nur recht leid, Herr Lieutenant, aber es ist unschicklich, wenn ich als junges Mädchen Sie nach der Ur- fache Ihres Unglücks aurfragen wollte. Vielleicht vertrauen Sre sich meinem Vater an, der weiß wahrscheinlich Ihnen zu öu helfen," entgegnete Edith mit zartfühlender Theilnahme.

In holdseliger Verwirrung zeigte Edith ihr schönes - Haupt, ihr Herz klopfte saft hörbar und ihre Brust wogte. I Ja, sie liebte Curt von Pleffen mit der ganzen Innigkeit einer echten, edeln Frauenliebe und wollte ihn retten und er- lösen aus seinem Unglücke. Dies sah Messen an Ediths rosigem Antlitz und das fühlte er an dem leisen Drucke ihrer zarten Hand.