UnLerZMungsblaLL zum Gießener Anzeiger (General-Anzeiger).
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Ium neuen Jahre?
Ein neuer Herrscher hat bestiegen Nunmehr den ew'gen Thron der Zeit — Es forscht die Welt in seinen Zügen, Zu welchem Thun er sei bereit . . . Doch will sein Antlitz noch nicht künden, Wie er dar Ecepter führen wird; Es läßt sein Blick noch nicht empfinden, Ob mild, ob streng er wohl regiert.
Und dennoch jauchzen wir entgegen So frohbewegt dir, neuer Jahr — Wir Alle hoffen ja, daß Segen Aus dir wird sprießen wunderbar, — Daß du mit Rosen nur bekränzen Wirst unser Wirken früh und spat, Und wirst mit mildem Licht beglänzen Run unser aller Pilgerpfad!
Wohlan, so sei uns denn willkommen, O neues Jahr, in deinem Schein; Was du auch bringst, es möge frommen Uns stets in unserm Erdensein. — So mög' die Hoffnung uns beleben, Daß gnädig unser Al? Geschick — D'rurn sei die Losung auszegeben: Ein neues Jahr, ein neues Glück!
B. Neuendorff.
Sturmfluth.
Roman von Em. Heinrichs.
———■ (Nachdruck verboten.)
I.
Da draußen war's unangenehm kalt. Der Novemberwind blies scharf aus Nordost, einzelne Regentropfen mit Hagel vermischt schlugen geräuschvoll an die Fensterscheiben.
„Daß Dich der Kuckuck!" schimpfte der Hauptmann a. D-
Max Ehrhard, unwirsch nach seinem Bein greifend. „Dies vermaledeite Wetter reißt und zwickt mich zum Ausderhaut- fahren. Dabei hat die dumme Gans, die alte Trina, ein- geheizt, daß der Ofen schon roth ist und die Kohlen zum Vergnügen aus dem Schornstein dampfen. Elisabeth, Mädchen, wo steckst Du?"
„Hier, Papa!" tönte e» links herüber. „Ich bin gleich fertig."
„Ach so, Du kleidest Dich für den großen Empfangsabend bei Tante Dorothea an," brummte der Hauptmann mit einem kurzen spöttischen Lachen. „Ist auch wirklich der Mühe werth für ein junges Mädchen, sich dafür extra schön zu machen.— Verflixt," fuhr er ingrimmig auf, „nun fängt der Spektakel auch fchon an. Herein!"
Hauptmann Ehrhard blickte zornig nach der Thür. Von der Seite von oben stürmte in diesem Augenblick ein wahre» Pelotonfeuer von Clavierspiel auf ihn ein, worüber er die Corridorthür überhört haben mußte. Auf sein Herein trat ein alter, kleiner, sehr dürrer Herr mit spärlichem Haar, faltigem Gesicht und freundlich-offenem Blick in's Zimmer. Er war peinlich sauber gekleidet und trat mit linkischer Bewegung auf den Hauptmann zu, ihm die erstarrte Hand zum Gruß darreichend.
„Guten Abend, lieber Ehrhard!"
„Zum Henker noch einmal, Du bist es, Sandtdat!" rief der Hauptmann, ihm so kräftig die Hand schüttelnd, daß der kleine Herr eine schmerzhafte Miene dazu machte, „es wird so früh schon dunkel, daß man sich bankerott an Petroleum brennt. Und dabei diese Thranlampe von Trina, welche nicht so viel Discivlin besitzt, um rechtzeitig die Lampe hereinzubringen. Da soll doch gleich ein —"
„Aber Hauptmann," unterbrach ihn der Candidat Melchior sanft, „Du verwickelst Dich ja stets in Widersprüche — schelte mir die brave Trina nicht, welche in Deinem Jntereffe die Lampe noch nicht hereingedracht hat. Wir können noch sehr gut sehen, was wir sprechen."
„Natürlich, alter Duckmäuser!" knurrte Hauptmann Ehrhard. „Aber ob wir auch hören können, was wir mit einander sprechen, das ist eine andere Frage, oder was meinst Du zu diesrm Spektakel im Hause, Melchior? Unten Ton-


