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In dem Trauungrschein hatte Bonaparte aus Galanterie, um den Altersunterschied auszugleichen, sich um zwei Jahre älter gemacht und Josefine aus Koketterie in ihrem Heimaths- schein, da ein regulärer Geburtsschein fehlte, sich um vier Jahrs verjüngt. Diese List einer hübschen Frau, die neben dem jungen Gatten nicht zu alt erscheinen mochte, sollte für Josefine zur Zett der Scheidung, um die Gesetzlichkeit dieses Vorganges einigermaßen zu rechtfertigen, furchtbare Folgen haben.

Bonaparte nahm das Fieber feiner Leidenschaft mit sich, als er nach Italien eilte, wo die wunderbarsten Triumphe ihn erwarteten.

Josefine aber weigerte sich lange, sich nach Italien zu begeben, wohin er sie unablässig berief. Bonaparte, durch die Abwesenheit der Geliebten überreizt, kam auf die tollsten Gedanken: Er sprach davon, sein Commando niederzulegen, seine Demission zu geben und nach Paris zu seiner Josefine zu eilen, wenn sie sich nicht entschließen wolle, zu ihm zu kommen.

Sie willigte endlich schweren Herzens ein, jenes Paris zu verlassen, das ihr so am Herzen lag, und sich auf den Weg zu machen.

Es ist bekannt, daß Napoleon in Italien und dann in Egypten märchenhafte Waffenthaten vollführte und 1799 als ein sieggekrönter Heros nach Frankreich zurückkehrte.

Hier bereitete er den ersten Staatsstreich vor, welcher ihn am 18. Brumaire zum ersten Conful machte, eine Würde, die nur eine Staffel zum Kaiserthron bildete.

An jenem denkwürdigen 18. Brumaire (dem 9. Novem­ber 1799) waren schon um 6 Uhr früh die getreuen Generäle um Bonaparte versammelt. Sie waren unentbehrlich zur Ausführung des Staatsstreiches. Napoleon wandte sich mit besonderer Wärme an Lefebvre, dessen republikanische Gesinnung er kannte, und schenkte ihm einen herrlichen, mit Edelsteinen besetzten orientalischen Säbel, eine Trophäe vom egyptischen Feldzug.

Der geschmeichelte Lefebvre nahm das Geschenk an.

Und der Staatsstreich am 18. Brumaire wurde voll­zogen. ...

Catherine war entzückt über den herrlichen Säbel.

Es ist nur ein Paradestück," sagte der General,für die Schlacht behalte ich meinen alten Säbel I Wir Zwei Du und ich bleiben, was wir sind. Wir werden keine Höflinge! Bonaparte ist auch nur ein Emporkömmling wie wir."

Donnerwetter," sagte Sans'GSne,wir werden uns nicht geniren nicht einmal, wenn Du Marschall wirst."

Der General Lefebvre, entzückt von ihrem resoluten Wesen, gab ihr einen derben und zärtlichen Kuß. Ganz so zärtlich und derb hatte er sie geküßt, als sie noch Wäscherin war die nunmehrige Generalin Sans-Gene!

Hygienische Bedeutung des Obstes.

Von Dr. Hans Fröhlich.

(Nachdruck verboten).

Die zahlreichen wohlduftenden und wohlschmeckenden Obstarten, welche jetzt in Gärten und Wäldern -das Auge erfreuen und den Appetit reizen, sind von der medizinischen Wissenschaft schon frühzeitig in ihren ehemals so überfüllten Arzneischatz aufgenommen worden. Namentlich im Fieber wandten die Aerzte das Obst häufig zur Stillung des Durstes an, ferner bei Verstopfung und zur Regelung der Diät. Im Jahre 1778 schrieb Stolbertus, ein pfälzischer Arzt:Wie sehr wäre es zu wünschen, daß die Apotheker ihr roth Edelsteinpulver re. aus ihren Offizinen auskehreten, und statt dieser Arlane weißgeflochtene Körbchen mit zeitigem Obst hin­setzten, und auf solche Weise den halben Theil ihrer Apotheken in einen Obstmarkt verwandelten."

Die eigentliche Kur mit Obst war bis vor einigen Jahrzenten fast gar nicht gebräuchlich. In neuerer Zeit allerdings hat man den Werth des Obstes immer mehr kennen-und schätzen gelernt, aber doch wird es in manchen Kreisen noch nicht so geachtet, wie es seiner Natur nach ver­dient; denn ganz entschieden ist es unserem Organismus höchst zuträglich und gesund.

Von Nahrungsstoffen enthält das Obst fast nur Zucker und organische Salze, während die Säuren ihm den charakteristischen Geschmack und das eigenthümliche Aroma verleihen. Sehr gering aber sind in den Obst­sorten die eiweißhaltigen Stoffe enthalten, also diejenigen, welche bei der Ernährung hauptsächlich zur Bildung der Organe unseres Körpers dienen. Somit läßt sich eine Ernährung mit Obst allein nicht wohl denken, da man eine zu große Menge genießen müßte, z. B. statt eines Hühnereies von ungefähr 45 Gramm mit 5 Gramm Eiweißsubstan<: 550 Gramm Kirschen, 620 Gramm Zwetschen, 1260 Gramm Aepfel, 2000 Gramm Birnen (also 4 Pfund). Es dienen daher die Obstsorten mehr zur Er­quickung und Labe, sowie zur Erhaltung der Gesundheit, als zur Er­nährung. Wir fragen beim Obste vor allem nach seinem Wohlgeschmack, und schätzen und bezahlen es mehr nach diesem als nach seinem Rahrungs- werthe. Der Wohlgeschmack aber wird bedingt durch das Verhältniß zwischen löslichen und unlöslichen Substanzen. So zergeht einem förmlich auf der Zunge der Pfirsich und die Reineklaude, weil diese Früchte verhältnißmäßig arm sind an unlöslicher Cellulose, während z. B. die daran reiche Heidelbeere ein entgegengesetztes Verhalten zeigt.

Von den physiologischen Wirkungen des Obstes auf unseren Orga­nismus gilt im Allgemeinen, daß die saueren und säuerlichen Arten, rote Johannisbeeren und Pflaumen, eine eröffnende, abführende Eigenschaft besitzen, während die süßen, wie die Erdbeeren, Birnen und die süßen, aufklaffenden Weinbeeren leicht verstopfen. Wir besitzen also in den säuer­lichen Früchten ein höchst angenehmes, sehr milde wirkendes Abführmittel. Wohl merke man sich aber, daß Obst um so schwerer zu verdauen ist, je mehr Hülsen, Kerne und Zellstoff mit demselben genossen werden. Da diese Stoffe fast ganz unverdaulich sind, so ist es nicht rathsam, sie zu verschlucken, weil sie nicht nur einen unnützen Ballast für Magen und Darmkanal bilden, sondern auch schlimme Verstopfungen veranlassen können. Namentlich sehr gefährlich ist es, wenn die Hülsen und Kerne sich im Blinddarm (und dessen wurmförmigen Fortsatz) einkeilen, wo dann zu ihrer Entfernung schwere Darmoperationen vorgenommen werden müssen. Daher sind besonders die Kinder zu ermahnen, alle Fruchtkerne und Schalen hübsch auszuspeien.

Von den Aerzten hat namentlich Professor Uffelmann immer wieder darauf hingewiesen, welchen günstigen Einfluß die Obstkuren haben bei hochgradig darniederliegender Verdauung, bei chronischem Magenkatarrh, bei Hämorrhoiden, bei Blutandrang zum Gehirn, bei Skorbut und bei gewissen Erkrankungen der Leber und der Milz. In allen diesen Fällen sind die organischen Säuren der Früchte mit ihrer gelind abführenden Wirkung von sehr günstigen! Einfluß. Namentlich guten Erfolg hat die Obstkur bei den Hämorrhoidariern, die bei sitzender Lebensweise an ge­störter Verdauung, Congestionen und hypochondrischer Gemüthsstimntung leiden. Schon der vorhin erwähnte Arzt Stolbertus sagt:Van Swieten heilste den schwarzen Milzbruder mit häufigen Kirschen." Für fiebernde Kranke ist die kalte Brühe von gekochtem Obst ein wahres Labsal, und für Jedermann bilden Obstkaltschalen, oder Wasser mit Fruchtsast ein erquickendes und angenehmes Getränk. Auch Apfelwein sollte viel mehr Anerkennung finden, besonders bei Vieltrinkern und Vielessern. Geradezu medizinische Wirkung hat er bei Steinkranken. Zn ärztlichen Kreisen ist es allgemein bekannt, daß in Apfelweingegenden Steinoperationen sehr selten sind. Dr. Denis - Dumont, Arzt in der obstreichen französisch« Normandie, hat mit zuerst hierauf hingewiesen und als Grund angegeben, daß durch den regelmäßigen Genuß dieses Cider (Obstwein) kohlensaures Alkali im Organismus gebildet werde und er daher in gleicher Weise wirke wie die kurgemäße Anwendung der Mineralwasser von Vichy, Vals re.

Eine regelmäßige Obstkur wird fast nur mit Weintrauben durchge­führt; denn einerseits wird hartes Obst, wie Aepfel und Birnen, nur in geringer Menge vertragen, anderseits sind die weichen Früchte, z. B alle Beerenarten, nur für die kurze Zeit ihrer Reise verwendbar. Es ist nicht rathsam, die Trauben frisch von den Stöcken zum Essen zu nehmen. Namentlich Morgens sind die Weinberge zu feucht und die Trauben zu kalt. Zudem weiß man dann nicht genau die Menge, die man ißt. Die Trauben, welche ein bis zwei Tage liegen, sind besser temperirt und nachgereift als die frischen.

Die Diät, welche bei der Traubenkur zu beobachten ist, richtet sich besonders nach dem Zwecke, den man zu erreichen strebt, d. h. danach, «6 die Kur eine nährende oder eine die Ernährung schmälernde sein Im ersten Falle sind zu empfehlen süße Trauben und viel mageres Fleisch, im letzten Falle saure Trauben und wenig Fleisch. Ganz zu vermeiden sind aber stets alle Substanzen, welche den Magen irgendwie beschweren, z B. harte, fette, dichte oder rohe Speisen (Schweinefleisch, Käse, schweres Backwerk, fette Mehlspeisen, Schwarzbrod). Wassergenuß ist einzuschränken, etwas Wein erlaubt. Milch kurz vor oder bald nach dem Traubengenuh ist nicht zuträglich. Bewegung im Freien trägt bedeutend zur schnel­leren Verdaung bei.

Wir können also mit Recht sagen, daß wir im Obste das beste und angenehmste Raturhellmittel besitzen. Möge das immer mehr anerkannt und gewürdigt werden. Zur Reisezeit sollte in jedem Hause auf dem Tisch von früh bis spät ein Teller frischen Obstes stehen zu Nutz und Frommen für Jung und Alt. Denn stets wird wahr bleiben, was schon vor zweiundeinhalb Jahrhundert der Breslauer Dichter Logau sang:

Wie ist es doch gesund, auf Speisen, die da nähren, Zu Zeiten frisches Obst erquicklich zu verzehren!"

Redaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Univerfikäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen-