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Alsbald wurde auch die Verlobung gefeiert, aber sie war wie ein Feuer, das nicht recht brennen wollte, sie war ein Ereigniß wie so viele im Leben, wo das Herz nicht mitspricht.
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Ein Jahr später saß der Oberförster eines Abends am Ofen und blickte unverwandt auf die Uhr, deren langer Pendel im Gehäuse langsam hin- und herging.
„Der Zug scheint sich verspätet zu haben," sagte er zu feiner Cousine, die gerade den Strumpf, an dem sie strickte, auf den anderen legte, um zu messen, ob er bald bis zur Hacke sei.
„Curt wird vielleicht auf Walten sein und Hertha kommt dann mit dem Nachtzuge," bemerkte Frau Doctor Weiler, ohne aufzusehen.
„Ich kann mir das kaum denken," erwiderte der Oberförster, „denn sonst wäre wohl eine Depesche gekommen."
(Fortsetzung folgt.)
Madame Sans Gtzne.
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(Schluß.)
„Ich habe die Todesurtheile unterzeichnet, ohne sie zu lesen, so wie Robespierre meine Angriffspläne unterzeichnete, ohne einen Blick darauf zu werfen. Wir haben Jeder der Revolution gedient. Die Nachwelt wird uns richten," bemerkte Carnot.
„Geh', Blutdürstiger!" rief Barras.
„Adieu, Du, der Du Dich in Ueppigkeit und Gold berauschest," antwortete Carnot. „Ich wiederhole, ich fürchte den Ehrgeiz Bonaparte», aber ich widersetze mich nicht, daß Du ihn zum General in Italien ernennst. Eigentlich war er ja auch ein Terrorist, ein Schützling der Jakobiner, ein Königsmörder wie Du und ich. Belohne ihn, das ist Deine Sache! Aber ich glaube nicht, daß er so tugendhafte Ansichten hat, wie Du annimmst. Am 13. Vendsmiaire hat er nicht Rom gerettet, sondern Byzanz."
Und das ehemalige Mitglied des Wohlfahrtsausschusses entfernte sich, indem es heftig die Thür zuschlug.
Barras hob die Portiöre und sagte lächelnd zu Josefine: „Schöne Vicomteffe, welche glücklichen Umstände halten Sie von dem Feste ab und was verschafft mir die angenehme Ueberraschung dieser geheimen Unterredung?"
Etwas beunruhigt, gestand ihm Josefine den Zweck ihres Kommens.
„Mein lieber Director, ich soll mich wieder verheirathen! Was halten Sie davon?"
„Ich denke, daß Sie Einen glücklich machen werden. Darf ich wissen, wer der Mann ist, auf den Sie Ihren Blick geworfen haben?"
„Sie kennen ihn, es ist der General Vendsmiaire," sagte Josefine lächelnd.
„Bonaparte ist ein Mann der Zukunft, ein Artillerist »fier Klaffe — wenn Sie ihn, so wie ich, zu Pferde gesehen hätten, wie er auf den Stufen von St. Roch seine Kanonen gegen die Sectionisten ausfuhr, wären Sie überzeugt, daß ein so tapferer Mann ein ausgezeichneter Gatte sein muß. O, er ist unerschrocken. Ich war an seiner Sette und die Sectionisten unterhielten ein teufliches Feuer," sagte Barras, als spreche er mit sich selbst.
„Es ist gut," meinte Josefine, „er will den Waisen Alexander von Beauharnais ein Vater sein und seiner Wittwe ein Gatte."
„Das ist sehr lobenswerth; aber lieben Sie ihn?"
„Ich will offen gegen Sie sein- Nein, Liebe empfinde ich nicht sür ihn."
„Empfinden Sie Widerwillen gegen ihn? Freilich, hübsch ist er nicht."
„Ich empfinde gegen ihn weder Widerwillen noch Zuneigung. Ich befinde mich in einem Zustande der Lauheit, der mir mißfällt. Diesen Zustand erachten die Frommen — Sie wissen, in Martinique, meiner Heimath, hängt man sehr an der Religion — sür den schlimmsten. Die Liebe ist auch ein Cultus, Barras! Sie erfordert Glauben und bedarf der Rathschläge, der Aneiferung, um zu glauben, um inbrünstig zu sein. Aus diesem Grunde bitte ich um Ihren Rath. Meiner nachlässigen Natur war es immer ermüdend, einen Entschluß zu faffen, ich habe es mein ganzes Leben bequemer gefunden, dem Willen Anderer zu folgen."
„Dann muß ich Ihnen also befehlen, den General zu
eine Frau machen
heirathen?"
„Rathen Sie mir es nur. Ich bewundere den Muth Bonapartes, er hat am 13. Vendsmiaire die Gesellschaft gerettet. Aber ich fürchte mich ein wenig vor ihm."
„Sie sind nicht die Einzige, alle meine Collegen scheuen ihn, Carnot, ein Terrorist, ein Blutdürstiger, ein Mitschuldiger Roberpierres, verabscheut ihn, weil er aus ihn eifersüchtig ist
und ihn fürchtet."
„Wenn er die Directoren einschüchtert, können Sie sich denken, was für einen Eindruck er auf
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„Sie werden sich daran gewöhnen und außerdem — sagten Sie nicht, daß er Sie liebt?"
„Ich glaube, daß er sehr in mich verliebt ist, aber, Barras, unter Freunden kann man sich solche Geständnisse macken: Kann ich, nachdem ich die erste Jugend hinter mir habe, hoffen, diese heftige Zärtlichkeit lange zu bewahren?"
„Sorgen Sie nicht um die Zukunft! Sie werden mit ihm den Ruhm theilen können, welcher den Obercommandanten der schönsten Armee der Republik krönen wird."
„Mein lieber Barras, was wollen Sie damit sagen," fragte Josefine überrascht, sich des Streites mit Carnot er- innernd, den sie angehört hatte und dessen Gegenstand der General Bonaparte gewesen-
„Ich will sagen, daß Sie, wenn Sie Bonaparte heirathen, die glücklichste der Frauen sein werden, so wie Sie jetzt eine der schönsten Königinnen der Schönheit unserer Republik sind — und als Hochzettsgeschenk werde ich, Ihr alter Freund, auch als Dank gegen den General, weil er mir die Aufständischen so gut niedergefeuert hat, in Ihren Hochzeitskorb einen schönen Schmuck legen."
„Wirklich? Was denn? Eine goldene Agraffe mit Diamanten, wie die schöne Madame Tallien sie trägt?"
„Etwas Besseres — das Obercommando der italienischen Armee I — Aber man muß sich über meine Abwesenheit vom Feste wundern," sagte Barras, sich an dem Erstaunen Josefine«» weidend. „Nehmen Sie meinen Arm und kehren wir in die Salons zurück. Ich will der Erste sein, der Bonaparte zu seiner Heirath und zu seinem neuen Commando gratulirt."
Und die Wittwe Beauharnais mit sich ziehend, die über die ihr aufgedrängte Entscheidung und die unschätzbare Gunst, die der allmächtige Director ihrem künftigen Gatten gewährte, ganz erstaunt war, kehrte Barras majestätisch in die lichtfunkelnden, mit Blumen und schönen Frauen geschmückten Salons zurück.
Bonaparte 'wurde am 23. Februar 1796 zum General en chef der italienischen Armee ernannt. Carnot hatte stch in den Rath Barras gefügt.
Am 9. März, also wenige Tage später, wurde die Hochzeit des Generals und der Wittwe Beauharnais gefeiert.
Die ganze Periode des Lebens Bonapartes war nur ein Fieber der Liebe, man steht ihn buchstäblich in Anbetung seiner Josefine versunken. Er überhäufte sie mit seinen Liebkosungen, er vergaß die Sehnsucht nach dem Kriege, nach dem Ruhme, nach der Macht, welche seine Nerven das ganze Leben überreizten. Er war nicht mehr derselbe Mann. Er zitterte, stammelte, lachte und weinte. In dieser Besitzergreifung Josestnens lag etwas wie Wahnsinn und Bezauberung.


