Ausgabe 
30.11.1895
 
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@s scblug mein Herz, geschwind zu Pferde! Es war gethan, fast eh' gedacht.

Der Abend wiegte schön die Erde Und an den Bergen hing die Nacht- Schon stand im Nebelkleid die Eiche, Ein aufgethürmter Riese, ka, Wo Finsterniß aus dem Gesträuche Mit hundert schwarzen Augen sah.

Der Mond von einem Wolkenhügel Sah kläglich aus dem Dunst hervor; Die Winde schwangen leis' die Flügel, Umsausten schauerlich mein Ohr. Die Nacht schuf tausend Ungeheuer, Doch frisch und fröhlich war mein Muth: In meinen Adern, welches Feuer, In meinem Herzen, welche Gluth!

Dich sah ich, und die milde Freude Floß von dem süßen Blick auf mich; Ganz war mein Herz an Deiner Seite Und jeder Athemzuq für Dich.

Ein rosenfarb'nes Frühlingswetter Umgab das liebliche Gesicht Und Zärtlichkeit, für mich, Ihr Götter, Ich hofft' e$, ich verdien' es nicht!

Friederike erklärte es ihm.Papa msmorirt seine Predigt trinft Sonntags den Kaffee in seinem Studier- Nubchen!

Goethe nickte; er verstand darin den alten Herrn wohl.

Der Vormittag verging schnell.

Zunächst saß Wolfgang an Friederikens Seite im hohen vergitterten Kirchstuhl neben Sophie und Georg, während Salomes der Mutter in der Küche zur Hand ging. Er hörte von der trockenen Predigt nicht viel, desto mehr blickte er Friederiken an und fand, daß ihr Gesicht noch denselben Reiz

*|It ausübte, wie zuerst. Wie seelisch konnten diese Grübchenwangenlächeln, diese Augen feucht schimmern! Welche Amnuth lag in jeder Bewegung dieses sylphidenhaften Wesen». Ja, er liebte, liebte mit der ganzen Gluth einer vollen Reigung. Friederike oder keine!

Nach dem Gottesdienst spazierten die Liebenden dann zum Dorf hinaus auf die Höhe, von wo sie in die schöne Winter» landschast blickten.

__ Bei Tische herrschte die heiterste Laune, welche einige Flaschen alten Buchsweilers noch erhöhten. Der alte Herr; ßttiett zuletzt selbst so in'S Feuer, daß er Schnurre» au» der - Studentenzeit zum Besten gab, bei denen die Hausfrau einige

«äär? rnan von Abschied und Abreise, die am nächsten Morgen um 5 Uhr angetreten werden sollte. Der aue Herr lobte da» und sagte unzweideutig:Das Sesen» s2-n d ^rhaus soll mir Keiner ängstlich und pedantisch Ordnung muß in allen Dingen sein und einen KW*« Herrn Amtmann kann e» nicht wohl ohne pünkt­lich besuchte Collegia geben!«

Das «ar deutlich und nun legte sich des Abschieds Schwere über die kleine, bis dahin so frohe Gesellschaft. Wolfgang mußte eine recht baldige Wiederholung seines lieben Besuche» versprechen; dann legte man sich schlafen.

äderen Morgen war es die Pfarrerin, die Wolf- gang tröstete und Friederiken Gelegenheit verschaffte, von WEa°ng unter vier Augen Abschied zu nehmen. Da gab's £r U9en »Nb der Freund fehlte Allen ohne Ausnahme. Selbst Salomes gestand: .Friederike, wenn er Dir treu bleibt, bist Du zu beneiden, Götterkind I" - '

. , Unterwegs kehrte Goethe dieses Mal in einem ihm von

P arrersfamilie empfohlenen Wirthshaufe ein, von wo er an Friederike folgende Verse sandte:

Nun sitzt der Ritter an dem Ort, Den Ihr ihm nanntet, liebe Kinder ' Jem Pferd ging nur sehr langsam fort Und seine Seele nicht geschwinder.

Da sitz' ich nun vergüügt bei Tisch Und endig« mein Abenteuer Mit einem Paar gesott'ner Eier Und einem Stück gebrat'nem Fisch.

Die Nacht schien wahrlich ziemlich düster.

Mem Falber stolperte rote blind

Und fand den Weg, rote ihn der Küster Des Sonntags früh zur Kirche find't."

Wir wollen von dem nächsten Briefs schweigen, sonder« nur des Gedichtes Erwähnung thun, welches Rtekchen durch ' die Fahrpost am nächsten Tage erhielt. Es lautete-

j "«rauf da«» Herr Johan« Jacob

| p^tzlich innehielt, um gleich yernach ebenso plötzlich l Ä^^r^heren Laune in's alte Fahrwasser zurückzusteuern.

^ lange beim Gamebraten und trank vornehm den s / 7 "** Die Dämmerung füllten allerlei Vorträge

? »7 Klavier aus, zu dessen Begleitung Friederike ihre besten f Lisdersang, bis die Mutter wieder den Tisch oeckte und die - Punschbowle mit dampfendem Inhalt aufsetzte.

. ®QS war ein heiterer Abend, der sich dem Mittag würdig ÄnfL1"1? °uf's höchste animirt, nahm die

Andeutung des alten Herrn auf den zukünftigen Herrn Amt­mann und dessen dermaleinstige Hrusehre gar nicht mehr übel 8te'L Friederiken einige Male verstohlen unter dem Tische die Hand zu drücken.

a herrlich, wunderbar!« riefen Georg und Sophie, kam auch die Pfarrerin in die Stube Man üS1eineö@ftoien^mhUhb S7ST9' ®oet§e abe$ berichtete und stiller 2rbP ^L?mer(te J,T' ba6 Friederike strller E E S ®"bIicb »ar es Zubettgehenszeit und Goethe ?ie%fMrerfSr Begrüßung in'» Fremdenzimmer hinauf, XälÄ? aber 809 ebenfalls in ihre Schlaft

die allein befanden, meinte

Riekchen?" M Du die Tendenz des Märchens verfolgt, n,r»ÄetS SS ??"e ihr schönes blondes Lockenhaar gelöst und betrachtete ihre kindlich-reinen Züge im Spiegel.

«3a, entgegnete sie,er verlangt Geist von seiner Vrin- nur^genüge? $ e nfö$e* Landmädchen ihm, dem Herrlichen, Salomes aber lachte bitter.Geist? - Sie soll ihm auch Hausfrau sein, die fleißig die Nadel führt, kocht und dem gestrengen Herrn Gemahl die Pantoffeln zurechtstellt!" er «IAH'' ®ß omea!# rks hier Friederike.Das fordert V* UlCyl I

. a'J.e£ ^rzte sie und meinte beruhigend:Thörich.

£nS ä&e8 R ia btt6 21068 nur Beforgniß für Dich und , Mfvlll vylUU I -

ge<>i.Mnr, vor mir stand wie vordem der Kaits» h.« *r*h<,r

Sftn uur so den Zuhörern von der Brust.

»Vs war also nur ein Traum?" fragte Frieder!?- a an ~ t c. r i »4 fliest l- meinte Äaffee'w*.

Damit besänftigte sie die Schwester und Beide schliefen ein. Sie träumten von Prinzeß Melusine. $ ' fiÄnh.Ä NlfeJine ruhige Nacht. Ihm träumte, er K». & ner Rosenhecke, an der eine wundervolle - Knospe eben zum Aufbruch kam. Aber jetzt überspann eine I grofee Kreuzspinne die Hecke und drohte, ihn selbst in ihee FrfAhfniUhr,«eM^» a6ec Popo Salzmann und

erschlug das häßliche Thier mit einer Fliegenklatsche und der kleine, boshafte Lenz sang ein Epigramm auf die Affaire.

PaJäuteten die L-onntagSglocken und Wolfgang erwachte, kleidete sich an und ging in die freundliche Wohnstube hinab, wo der Sonntagskoffee schon auf ihn wartete. Die Gespenster k c t waren vor dem Hellen Wintermorgen geflohen, so daß selbst die bedachtsame Salomea de« Freund des Hause» freundlich-vertrauend begrüßte.

Friederiken» Händedruck sagte mehr al» alle Worte, die |ra Poerin aber meinte:Sie erweisen doch meinem Gatten die Ehre, seine Adoentrpredigt zu hören?"

Wolfgang verbeugte sich und fragte:Wo bleibt denn der Herr Pfarrer?"