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„Warum sollte Sie das zur Flucht veranlassen?' fragte Lady Marian spöttisch.
Cora machte eine ungeduldige Bewegung.
„Wenn Sie nur die Wahrheit von mir wissen wollen," sprach sie, „so thäten Sie besser, mir gleich zu sagen, daß Sie Ihr Anerbieten bereuen und lassen Sie mich in Frieden von hier gehen. Ich habe nichts weiter zu sagen . . . nichts, als daß ich in Schloß Faro nicht mehr bleiben kann, nicht mehr bleiben darf. ... Gott ist mein Zeuge, ich habe nichts Unrechtes gethan. Mein Gewissen ist so rein wie das Ihrige."
„Also Sie wollen mir nicht vertrauen? Und doch ver- langen Sie Hilfe und Schutz von mir?" erwiderte des Lords
„Frau Aston, das ist Wahnsinn," sagte Lady Marian Z ernst. „Wer es auch sei, der Zutritt zu mir wünscht, der- selbe soll ihm zu einer Zeit wie die jetzige nicht versagt i werden." _ t
Aber ehe Frau Aston gehorchen konnte, wurde schon in der halboffenen Thür die Gestalt Coras sichtbar.
XIV.
Es wäre eine Studie für einen Künstler gewesen, die Begegnung der beiden jungen Damen zu beobachten, die bis in jede Einzelheit so verschieden waren, nur daß sie Schönheit und Kummer gemeinsam hatten.
Lady Marian schrack unwillkürlich vor der Erscheinung zurück, die sie so lebhaft an Alles das erinnerte, was sie gefürchtet und gelitten hatte.
Auch der geringe Unterschied zwischen dieser kaum der Kindhdit entwichenen Jugendsrtsche und ihrer eigenen reiferen Schönheit übte in diesem Augenblick einen erkältenden Einfluß auf ihre eifersüchtige Niedergeschlagenheit aus.
In der Unerfahrenheit des jungen, schönen, fremden \ Mädchens lag ein Reiz, gegen den ihr eigener feiner Taet ihr i langweilig und uninteressant vorkam. Sogar ihre hohe Stellung, ihr Reichthum und feine Bildung erschien ihr werthlos im Vergleich mit diesem seltsamen Zauber, den die Flüchtige aus Schloß Faro um sich verbreitete.
Cora hielt sich ruhig und würdevoll, wie nur die Verzweiflung es in einer solchen Lage sein kann. Stolz und doch bescheiden stand sie da und wartete auf eine Aufforderung, näher treten zu dürfen. rr"^ . k ,
Dieselbe ward ihr für den Augenblick iedoch nicht zu Theil, weil Lady Marian momentan zu bestürzt war.
„Lady Marian, darf ich einige wenige Worte mit Ihnen sprechen?" sragte die sanfte, klare Stimme endlich.
Da war der Zauber gebrochen und des stolzen Lords Tochter raffte sich auf. „
„Frau Aston, lassen Sie uns allein," sagte sie in be- fehlendem Tone.
Die Haushälterin gehorchte nur widerwillig und nicht ohne einen mißtrauischen Blick auf die Fremde zu werfen.
Als die Thür sich geschlossen hatte, lud Lady Marian durch eine Handbewegung ihren Gast ein, auf einem Stuhl in ihrer Nähe Platz zu nehmen. e
Aber Cora trat nur etwas näher und behielt dieselbe unterwürfige, aber würdige Stellung bei.
„Lady Marian, Sie forderten mich auf, in der Zeit der Noth zu Ihnen zu kommen," sagte sie einfach. „Ich weiß nicht, wie viel derartige Versprechungen sagen wollen. Sie können mich von sich weisen, wenn es nichts weiter war, als eine vorübergehende Laune. Nur, bitte, ersparen Sie mir weitere Ungewißheit!"
Diese stolzen Worte gaben Marian ihre ruhige Besonnen-
^Jch täusche nie Jemanden!" versetzte sie ruhig. „Ihr plötzliches Erscheinen überraschte mich nur einigermaßen und ich möchte wissen, was Sie zur Flucht aus dem Schlosse ver- anlaßte."
Cora machte eine ungeduldige, halb verächtliche Bewegung.
„Sie sagten soeben, daß Sie nie Jemanden täuschen," bemerkte sie, „und Sie geben sich doch den Anschein, als
Tochter unruhig.
„Allerdings!" lautete die ruhige Antwort. „Ich bitte darum, weil Sie ein Mädchen sind wie ich, jung und dem Kummer ausgesetzt ... ach, und auch dem Verdacht, weil Sie Hilfe und Beistand boten. Warum zögern Sie jetzt?"
„Weil ich meinerseits Vertrauen wünsche," erwiderte Lady Marian kalt. „Sie verlangen Alles und geben nichts. . . . Sind Sie die Ursache von Lord Faros gefährlichem Zustand und von seines Gegners Gewissensbissen, Unglückliche?"
Coras Wangen bedeckten sich mit einem tiefen Roth.
„Ich sehe ... ich sehe Alles!" antwortete sie erreg! „Wohin ich komme, überall bin ich die Veranlassung zu Kummer und Elend. . . . Beruhigen Sie sich, Lady Marian ...
| ich habe meine Antwort und will Sie nicht länger belästigen." Sie wandte sich bei diesen Worten rasch ab und hatte die Thür erreicht, ehe Marian ihre Absicht gewahrte.
Coras Hand lag schon auf dem Thürschloß — noch ein i Moment und der Lauf von mehr als einem Menschenleben wäre ein ganz anderer geworden, als Marian an ihre Seite foW"2öalt! Halt!" sagte sie in fast befehlendem Tone. „Sie sollen nicht fort. Und wäre es nur um seinetwillen, den Sir in eine so gefährliche Lage gebracht haben. Sie müssen bleiben, gleichviel, ob Sie schuldig oder unschuldig sind. Er soll nicht geopfert werden!" „
Ein spöttisches Lächeln spielte jetzt um Coras schönen Mund. ,, . ,,
„Das heißt, daß ich eine Gefangene bin und kein will- kommener Gast," sagte sie stolz. „Nun, das hätte ich ja er- warten sollen. Gut! Wie Sie wollen, Lady Marian! Bis diese Gefahr vorüber ist, werde ich hier unter Ihrer Aussicht bleiben. Darf ich dagegen auf Schutz von Ihnen rechnen?'
„Schutz? Vor was? Vor wem?" fragte Lady Marian streng. „Sie sind doch nicht mit in das entsetzliche Drama verwickelt? Sie haben doch nicht die Strafe des Gerichtes ebenso zu fürchten, wie Ihre eigenen Gewissensbisse?"
„Eines so wenig wie das Andere," erwiderte Cora stolz „Lady Marian, wie können Sie gegen eine einsame Verbannte so grausam sein! Sie sagten soeben noch, daß Lord Belfor! meinetwegen nicht geopfert werden solle und ich sage Ihne« dagegen, daß ich mit Freuden mein eigenes Leben hingeben würde, wenn ich dadurch ihn und Lord Faro aus der Gefahr retten könnte. Ja, ich würde gern sterben, wenn ich Lord Faro dadurch Gesundheit und seinem unglücklichen Mörder Sicherheit und Unschuld wiedergeben könnte."
„Wie können Sie wagen, von Ernst Belfort solche Worte zu gebrauchen?" rief Lady Marian. „Er ist kein Mörder, sein Leben stand ebenso auf dem Spiel, er war demselben Schicksal ausgesetzt, wie Lord Faro und Beide sind gleich verantwortlich, wenn es ein Unrecht ist, seine Ehre zu verthet- digen. Aber ich spreche von etwas, das Sie nicht verstehen können," fuhr sie fort und verbesserte sich durch ein verächtliches Lächeln über ihre eigene Thorheit, mit einem namenlosen Findelkind über solche Dinge gesprochen zu haben. „Es genügt, Sie davor zu warnen, daß Sie nicht Jenebeleidigen, die Sie nicht zu schützen wissen. Sonst sehe ich mich 9*'
von Vergangenem und Gegenwärtigen den Kopf," sagte Lady i wüßten Sie nicht, was mich zu Ihnen führt. Haben Sie
Marian, bemüht, ihre Ruhe zu bewahren, obgleich sie sich einer z nichts von dem Schrecklichen gehört, das geschehen ist? . .
ungewöhnlichen Aufregung ihrer eigenen Nerven bewußt war. i Daß Lord Faro verwundet ist . . . daß er fast ermordet
„Was meinen Sie? Wer ist denn da? . . . .Jemand von | wordenwäre? fl.^
Schloß Faro?" setzte sie, ein Unglück ahnend, hinzu.
„Der Himmel weiß, woher sie gekommen ist und wer sie geschickt hat," sagte die Haushälterin düster. „Ich weiß nichts weiter, als daß es mir ist, als wäre Miß Ida Merrick wieder aus ihrem Grabe auferstanden, und es ist ein böses Omen, daß sie gerade hierher gekommen ist. Empfangen Sie sie gar nicht, Lady Marian, wenn Sie dem Fluch entgehen wollen, und befehlen Sie ihr, nie wieder in die Nähe dieses Ortes
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