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und Drang erkämpfen und nun bereiten Sie dem armen Mädchen ein gleiches Geschick!"
„Sie wird ihn vergessen und wird später einen Anderen finden, der fie glücklich machen kann. Nora ist auch zum Heirathen noch zu jung."
Baron Hohenthal antwortete auf diese Worte Stettens nicht mehr, sondern lenkte das Gespräch auf ein anderes Thema und schied eine halbe Stunde später mit traurigem Kopfschütteln von Stetten. (Schluß folgt.)
VermMehtes.
Rauchende Damen. Das Rauchen coram publico, auf der Promenade, in öffentlichen Localen, am Fenster selbst, ist bei anständigen Damen des gemäßigten Mitteleuropa noch immer verpönt. Aber andere Länder, andere Sitten. In Spanien und namentlich im spanischen Amerika, rauchen Damen der besten Gesellschaft auf dem Korso, ja selbst beim Tanze. Eine gluthäugige Sennorita mit dem sorgfältig gewickelten „Papelito" im Walzer dahinwirbeln zu sehen, ist nichts Ungewöhnliches. Damit die zarten Finger nicht beschmutzt werden, wird die Cigarette mit einem goldenen Züngelchen gefaßt. Nicht weniger verbreitet ist das Rauchen unter den türkischen Damen, die sich gerne eines Tschibuks oder des Nargileh (Wässerpfeife) bedienen. Der Türke, wie der Orientale überhaupt, schluckt den Rauch hinunter, er „trinkt Tabak" (tütün itschmeek). Noch heute gibt es Rauchhasser. Die Pariser Strafkammer beschäftigte sich vor Jahresfrist etwa mit einem merkwürdigen Falle von Kleptomanie. Die Angeklagte, eine Frau Bide, machte die Pfeifengeschäfte unsicher. Sie war eine leidenschaftliche Raucherin. Als sie auf frischem Pfeifenraube ertappt wurde, ergab die Haussuchung, daß sie 2600 Pfeifen zusammengestohlen hatte. Schön angeraucht hatte sie von diesem Vorrathe nur 39 Stück. Das Gericht verurtheilte sie zu acht Monaten Gefängniß. In vernünftigen Grenzen gehalten, kann aber das Rauchen den Damen nicht nachtheilig sein- Kaiserin Eugenie war eine „starke" Raucherin und befand sich sehr wohl dabei. Die englischen Aristokratinnen huldigen dem Tabak mit Begeisterung. Lady Campbell ist voll des Lobes über das Rauchen der Damen; sie sagt: „Eine elegante Europäerin, die das Unglück hat, während der letzten Jahre des 19. Jahrhunderts zu leben, ist gewöhnlich etwas nervös; das Tabakrauchen ist das beste Mittel, Nerven zu beruhigen. Kaum steigen die ersten Tabakwölkchen in die Höhe, so stellt sich auch ein allgemeines Wohlgefühl ein, die an den Haarwurzeln angesammelte Electricität vertheilt sich, die Oberhaut wird weniger empfindlich, und in dem Maße, als die künstlichen Wolken sich verdichten, tritt auch eine philosophische Ruhe des Gemüthes ein und der Humor tritt in seine Rechte."
Aus den Fliegenden Blättern. Angenehme Aussicht. „ . . > So, Karl,'nun laß uns einmal an Deine Schuldenzusammenstellung gehen!" — „Da will ich doch vorher, lieber Onkel, frische Tinte auffüllenI" — Sie auch! Verkäufer: . Und wohin darf ich Ihnen den Stoff schicken, gnädiges Fräulein?" — Backfisch (stolz): „Königstraße 112, an Fräulein Generalmajor von Pifikyj" — Variante. Dame (im Balletsaale): „Ooh . . .Sie haben mich auf den Fuß getreten!" — Herr: „Bedauere, Gnädige — aber in so einem Gedränge muß man schon ein Hühnerauge zudrücken!" — Unerwartete Wirkung. Gast (nachdem er die Hotelrechnung geprüft, zum Kellner): „Das sind aber doch erstaunlich hohe Preise! Lassen Sie die Rechnung nochmals durchsehen!" Kurz daraus erhält der Gast die Rechnung zurück mit der schriftlichen Bemerkung: „Alles richtig. Für Revision der Rechnung 3 Mark." — Besonderer Fall. Fritz: „Vater, der Lehrer hat gesagt, ■
man dürfe nicht lügen!" - Vater (Förster): „Na, weißt Du, das brauchst Du nicht so wörtlich zu nehmen — Du wirst ja doch auch 'mal Förster!"
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Der Grund. Fremder: „SagenSie mal, Dtenstmann, wozu sind denn auf dem Rathhausthurme da oben drei Uhren neben einander?" — Dienstmann: „Damit Keiner auf den Andern zu warten braucht, wenn Mehrere nachsehen."
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Was in der Pulverkammer ist? Feldwebel: „Was ist eine Pulverkammer?" — Soldat schweigt verlegen. — Feldwebel: „Was ist in einer Pulverkammer?" — Soldat schweigt wieder. — Feldwebel: „So ein Dummkopf! ... Was ist denn in Deiner Mutter ihrer Milchkammer?" - Soldat (erleichtert): „Millich." — Feldwebel: „Na also, was ist nun in der Pulverkammer?" — Soldat (triumphirend): „Millich!"
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Naturkunde der höher en Töchter. Onkel (an dem Lande): „Diese Kuh ist 2 Jahre alt." — Nichte (aus der Großstadt): „Woran siehst Du das denn, Onkel?' - Onkel: „An ihren Hörnern." — Nichte: „Richtig, sie hat nut zwei."
Literarisches
Dr. Ottos Universal'Haus Lexikon (Verlag von SD. Hemsler, Berlin C. 22) ist jetzt bis zum 8. Hefte zur Ausgabe gelangt, te dem überaus reichen Inhalt dieses Werkes, welches in keinem Haushill fehlen sollte, nennen wir folgende Artikel: Regeln bei Annahme tw Dienstboten, Diphtheritis, Diplomatenpudding, Disziplinarv ersah», Dominiksleisch, Dominospiel, Dompfaff, Doppelkümmel, Dorsch, Ä- wersches Pulver, Drachenwurz, Drahtseile, Drehkrankheit, Dreifuß, Dchl, Drucksachen, Duell, Düngung, Dunstfrüchte, Durchfall, DurchnP Kleidung, Durstlöschende Getränke, Dyskrasie, Eau de Ja veile, Eau te Lys de Lohse, Edelsteine, Edeltannen, Ehe, Ehehindernisse, Ehescheidung, Ehrenerklärung, Eiche, Eid, Eidesstattliche Versicherung, Eier, Eierpflanze, Eifersucht, Eigennutz, Eigenthumsklagen, Eilbestellung, Einjahrig-Freiwillige, Einkommensteuer, Einladung, Einlaufen von Stossen, Eimnachen der Früchte, Einpackungen, Einsalzen, Einschreibsendungen, Einsegnung, Einstweilige Verfügungen, Eis, Eisbein, Eisen kalt zu löthen, Ekeikm, Elderwein, Eleganz, Elfenbein, Empfehlungsbrief, Endiviengemift Engliche Krankheit, Englisches Pflaster, Englisches Riechsalz, Enten, fe lastungsmittel, Entmündigung, Entwöhnung, Entzündung, Epheu, P lepsie, Erbe, Erbrechen, Erbse, Erdbeere, Erfrierung, Erlaubniß Gewerbebetriebe, Erpressung, Ersatzleistung, Erstickung, Ertrinken, B ziehung, Essen, Essig, Etablierung, Exmission, Fälschung, Fahren, Fai! stoss, Farbenblindheit, Fasan, Federn, Fedcrviehzucht, Fehlgeburt, Feig» bäum, Fenchel, Fenster, Feriensachen, Fettleibigkeit, Feuer, Fieber, ginnt, Firnis, Fische, Fistel, Flechten, Fleck, Flecken rc. rc. Das Heft tofltl 20 Pfg.; zu beziehen durch alle Buchhandlungen.
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Die Nordlandsahrten des deutschen Kaisers haben dgS allgemeine Interesse für die pittoresken Schönheiten der einen Hälft dos skandinavischen Reiches, Norwegen, so sehr wachgerufen, daß n« die andere Hälfte beinahe darüber vergißt. Aber auch Schweden P seine Reize. Kklrl A. Tavaststjerna hat dieselben in der so schnell belicht gewordenen Zeitschrift „sfür Alle SBtlt* (Berlin W., Deutsches Ba lagshaus Bong & Co., Preis des Vierzehntagsheftes 40 Pfg.) in eil gehendster und fesselndster Weise geschildert, und sich nicht nur dar« beschränkt, uns die landschaftlichen Schönheiten vorzuführen. $ der ihm eigenen scharfen und kritischen Beobachtungsgabe und mit? nauer Kenntniß seines Vaterlandes erzählt er uns von den Sitten mi Gebräuchen, von den Einrichtungen und der Lebensweise seiner Lands leute, zwingt uns, mit ihm die historischen Stätten des schönen Könij1 reiches zu durchstreifen und erzählt uns so manche poetische Sage a« grauer Vorzeit, die mit jenen Stätten verknüpft ist. Die dazu geboten« reichhaltigen, buntfarbigen Illustrationen geben dem Artikel „Eine Reh durch Schweden" ein lebendiges Kolorit und zeugen wiederum von de« Kunstverständniß, mit welchem der Bong'sche Verlag geleitet wird.
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Universum, Jllustrirte Familienzeitschrift (Verlag des Universum- Dresden). Das soeben erschienene 15. Heft des XI. Jahrgangs enthält u. A. prächtige Kunstbeilagen und Vollbilder. Wir erwähnen nur in farbiger Lithographie vorzüglich ausgeführte Blatt: „Aufforderung zum Tanz", nach einem Originale von Prof. I. Wehle; ferner verdient das stimmungsvolle Osterbild nach dem Gemälde von K. Marr: „Fah" zur Communion" besondere Erwähnung. — Der Preis des Heftes beträgt nur 50 Pfg.
Utfcectien: A. Echehda. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniverfiläbS-Bnch- und Stcindruckerei (Pietsch Scheyda) in Ließen.


