Ausgabe 
30.3.1895
 
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Herrn zur Stetten und unterhalte mich gern mit ihm, wenn Du auch sagst, daß er nur ein Sänger sei?

Unselige," fuhr der Graf auf,nimm Dich in Acht, denn Du bist Hohenthals Braut; wie darfst Du's wagen, an einem anderen Manne Interesse zu finden!"

Mein Verhältniß zu Hohenthal, lieber Rudolf, überlaß mir; er soll und wird jeden Gedanken »on mir wissen und ich bin sicher, daß er mir recht gibt."

(Fortsetzung folgt.)

KochzeiLsgebräuche.

Dieses nicht uninteressante Thema erörtert ein gründ­licher und umfassender Artikel in der soeben erscheinenden fünften Auflage vonMeyersConversationr-Lexikon." Wir entnehmen daraus das Folgende:

Hochzeit (mittelhochd. hochgezit), ursprünglich jede hohe oder Festzeit des Jahres, später ein Galatag und Gast­gelage bei Hof, zuletzt, wie noch jetzt, vorzugsweise die Ver­mählung mit den damit verbundenen seterlichen Gebräuchen und Festlichkeiten. Bei den Naturvölkern, bei denen die Frau metft durch Kauf erworben wird (s. Frauenkauf), besteht die Hochzeitscerewonie meist in einer gewaltsamen Entführung der Braut aus dem elterlichen Hause (s. Frauenraub), auf welche ein Gelage folgt. Die feierliche Einsegnung des ge­schlossenen Bundes durch Priester kam erst auf höher« Cultur- stufen hinzu. Bei den alten Hebräern wurde, nach bib­lischen Berichten, die Ehe von den Vätern oder den nächsten Verwandten geschloffen, nicht selten in Abwesenheit der Braut­leute. Von dem Bräutigam (chatan) wurde für die Braut (kalla) ein Preis (mohar) entrichtet, der bei unvermögenden Bewerbern, z. B. bei Jakob, durch längere Dienstzeit ausge­glichen wurde. Der Ehevertrag ward vor Zeugen mündlich geschloffen; erst nach der Zeit der Babylonischen Gefangenschaft kommen Eheverschreibungen (ketuboth) in Anwendung. Am Tage der Hochzeit (chatunna) begab sich der geschmückte Bräutigam, von Freunden begleitet, in das Brauthaus und führte von dort die tiefverschleierte Braut, von Festgenossinnen umgeben, unter Musik und Gesang in das väterliche Haus. Da» Hochzeitsmahl, vom Bräutigam ausgerüstet, dauerte je nach den Verhältniffen bis zu sieben Tagen. Am Hochzeits­tag begleitete man die Brautleute in das Schlafgemach (schuppa, jetzt der Trauhimmel). In nachbiblischer Zeit trat die volle eheliche Gemeinschaft erst ein durch Chuppa und Kid- duschin, d. h. nachdem der Bräutigam der Braut unter dem Trauhimmel einen Ring mit den Worten:Durch diesen Rmg seiest du mir geheiligt (als Weib) nach dem Gesetz Most» und Israels" übergeben hatte, der Ehecontract von dem Trauenden vollzogen und vorgelesen und die Segens­sprüche der Anverlobung und Anvermählung gesprochen worden waren.

Bei den alten Griechen wurden die Gattmnen anfangs entweder geraubt oder gekauft, weshalb sie auch ihren Männern leibeigen unterworfen waren. Am Vortrage der Hochzeit wurde den ehefetndltchen Gottheiten, namentlich der Artemis, sodann den Schutzgöltern der Ehe, Zeus, Hera, Aphrodite, Hymen rc., geopfert und ein geweihtes Bad genommen. Die Hochzeit (gamos) selbst fand am häufigsten im Winter, be­sonders im Januar (Hochzeltsmonat, Gamelion) statt. Am Hochzeitstag schmückte sich das Brautpaar mit bunten Kleidern, Kränzen und Blumen. Abends holte der Bräutigam die verschleierte Braut aus dem Elternhause ab und führte sie, meist auf einem mit Maulthieren oder Ochsen bespannten Wagen, in da» {einige. Ein vertrauter Freund oder ein Verwandter der Braut begleitete sie (paranymphos oder parochos, weil er neben der Braut auf dem Wagen saß). Auch andere Verwandte und Freunde nahmen, bekränzt und festlich gekleidet, vor und hinter dem Wagen schreitend, unter

Redactwn: Ä. Schehda.

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Begleitung von Flöten und Saiteninstrument»« Hochzeitslieder (Hymenäen) singend und Fackeln tragend, welche die Mutter der Braut anzündete, an dem Zuge Theil. Auch Mädchen mit Sieb, Rocken und Spindel, den Symbolen der Häuslichkeit, schritten voraus. Die Braut selbst aber hatte ein Gefäß mit Gerste (phrygetron) in der Hand, um anzudeuten, daß sie Brod mit ins Haus bringe. Wittwer durften die Braut nicht selbst abholen, sondern erhielten sie durch einen Verwandten (nymphagogos) zugeführt. Beim Eintritt in da» bekränzte Haus wurde das Brautpaar mit Feigen und andren Früchten als Symbol de« künftigen Ueberfluffes überschüttet, die Achse de» Brautwagens aber wurde verbrannt, damit die Braut nie an Rückkehr in das väterliche Hauk denken möge. Daraus folgte das Hochzeitsmahl, an dem die nächsten Verwandten und Freunde und, der sonstigen Sitte zuwider, auch die Frauen Anthetl nahmen, und welches später als Beweis und Kundmachung der Verheirathung galt. Rach dem Mahl wurde die Braut, ins Brautgemach geleitet. Im Schlafgemach angelangt, mußte die Braut, von einem Knaben au« der nächsten Verwandtschaft bedient, die Füße waschen und (it Athen) mit ihrem Bräutigam eine Quitte essen. Dann fand eine Opferhandlung statt, und unter Fackelschein wurde nun die Braut von den Müttern zn Bett gebracht. Am Morgen der nächsten Tage« begrüßte die Neuvermählten wieder Gesang, worauf gewöhnlich die Hochzeitsfeier noch einige Tage fortdauerte. Nun schickte auch der Vater der Braut seine Geschenke (meist Hausgeräthe), ebenso die Verwandten und Freunde, und der Mann selbst brachte seiner Frau eine Art Morgengabe bat- Die Geschenke, die die Braut erhielt, hießen Anakalypteüa, weil sie sich jetzt zum ersten Mal ihrem Mann unverschleiert zeigte, und wurden bei Vornehmen in feierlichem Aufzug über­reicht. Einfacher blieben die Hochzeitsfeierlichkeiten der Spartaner, die streng darüber wachten, daß der Mann nicht vor dem 30., das Mädchen nicht vor dem 20. Lebens­jahre heirathete, und die alte Sitte, die Frau zu raube», wenigstens der Form nach beibehielten. In PlutarchsSebs des Lykurgos" finden sich hierüber nähere Nachrichten. Einzck Hochzeitrfcenen stellen auch uns erhaltene Bildwerke btt, namentlich das berühmte Wandgemälde derAldobrandischm Hochzeit." (f. d.) im Vatikan. Vgl. Hermann-Blümner Griechische Privatalterthümer (Freiburg 1882); Becke r-G ö ll, Charikles (Berl. 1877.) (Fortsetzung folgt.)

Vermmehtes.

Wenn wir den Dieb fangen wollen, so wird e» doch gut sein, noch einen beherzten Mann mitzunehmen!" Dann hol' ich den Schuster von drüben. Der hat Muth. Er hat gestern zum dritten Male geheirathet!"

Unangenehm. Pferdebahnschaffner:Welches von den zwei Kindern ist denn noch nicht sechs Jahre alt, bet Knabe ober da» München?" Mädchen:Mama laß mich doch diesmal noch nicht sechs Jahre alt fein."

Gute Umschreibung. Mutter:Aber Richard, wie schaut denn Deine Hose auSl Bist wohl in« Gras gi' sollen!" Knabe:Ja, wie'« schon die Kuh gefreflen gl' habt hat."

Zweierlei Briefe. A>:Nach ihren Briesen ji urtheilen, scheint Deine Braut ein sehr gebildete« Mädchen zu sein!" B. (schwärmerisch):Ach, und ihre Pfandbriefe solltest Du mal sehen."

Der Vorsichtige. Notar:Sie sehen so bleich aist, Ihnen scheint unwohl geworden zu sein. Darf ich 3|ncn ein Glas Wasser kommen lassen?" Client:Was berechnen Sie dafür?"

Druck und Verlag der Brühl'schon UniwrMtS-B«h. trat Stainvrmkerei (Pirsch *, Gchehda) in