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UiitcrhaUungsblaU zum Gießener Anzeiger (Ornrrnl-Anzeiger).
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Unebenbürtig.
Roman von H. von Ziegler-
(Fortsetzung.)
Am nächsten Mittag erzählte Rudolf, er sei Herrn zur Stetten begegnet und habe mit ihm g-sprochen.
„Es ist wirklich ein liebenswürdiger, feingebilder Mann; schade, daß er nur ein Sänger ist," berichtete er in seltsamer Weise, seinen Adelsstolz hervorkehrend.
Therese sah auf ihren Teller, endlich überwand sie sich, leichthin zu sagen: „Run, vielleicht ist er ganz zufrieden, nur ein Sänger zu sein; solche Stimmen gibt es ganz sicher nicht oft/'
„Gewiß, das berühmte Zarenlied sang er meisterhaft und auch auf dem vorüberziehenden Schiffe war er völlig ein ge< borener Herrscher/'
»O, ich muß ihn doch auch hören," lächelte die Gräfin, welche sich heute wieder viel wohler fühlte, „wann singt er wohl wieder?"
„Morgen, Mama, und zwar den Wolffram von Eschen« bach im Tannhäuser; ich fragte ihn danach, wir haben zu« sammen gefrühstückt."
„Hm, so ist also Friedrich sein Bühnenname?"
„Sein Vorname, den er dazu benutzt, allerdings."
„Nun, Therese, wir müssen ihn morgen hören; jenes Lied an den Abendstern ist ebenso berühmt, als der Zarengesang Lortzings."
„Gewiß, Mama," erwiderte das schöne Mädchen, leicht erröthend, „wenn für morgen keine Einladung kommt."
Therese verstand es, ihre Bewegung zu verbergen; erst als sie allein war, gab sie derselben Raum.
„Friedrich," flüsterte sie, beide Arme ausbreitend, „ich komme, ich lausche Deiner Stimme, Du mein Ideal und mein Traumbild 1 Unter Blitz und Donner grub sich Dein Bild in meine Seele — unauslöschlich, für immer und ewige Zeiten."
Gleich nach dem Essen begab sich Therese in die Stadt zum Photographen; sie wollte die Eltern und Rudolf mit einem Silbe zu Weihnachten überraschen unb machte beshalb
Welcher, schwarzer Atlas fiel In leichter Schleppe an der schlanken Gestalt zu Boden; Haar unb Brust zierten einige köstliche Theerofen unb zusr eden nickte sie ihrem Spiegel« bllbe zu.
Im Atelier bes Photographen mußte sie warten, ei« Herr ließ sich soeben aufnehmen unb ruhig setzte sie sich itt eine Causeuse, ein Album mit Bildern besehend. Es dauerte auch eine ganze Weile, ehe der Photograph die Thür bes Ateliers öffnete unb jenen Herrn hinausbegleitete.
„Darf ich bitten, einen Moment zu warten, mein Herr, ich will gleich sehen, ob bie Aufnahme gelungen ist."
»Ich hoffe boch. Zweimal habe ich mich noch nie auf« nehmen lassen."
Beim Ton bieser Stimme entsank Theresen« Händen bas Buch wie gestern Abenb ber Theaterzettel, ihr Athem flog unb tief brinnen im Herzen erklang heller, jauchzenber bie wunderbare Melodie der wahren, edlen Liebe. Friedrich zur Stetten war's ja, der jetzt mit einem Laut der Ueber« raschung sie erkannte und auf sie zueilte.
„Eomteß Wildenstein, Sie hier, welch' ein Glück, welch' eine Freude für mich I" rief er.
Ihre Hände fanden sich, ihre Augen senkten sich Ineinander, einen Moment schien ihnen bie Welt still zu stehen vor Seligkeit unb erst nach einer Pause trat ber stattliche Man» ernst einen Schritt zurück.
„Verzeihen Sie mir, gnädigste Gräfin, daß Ich mich hin« relßen ließ," sagte er verlegen.
„Herr zur Stetten," stammelte das schöne Mädchen, „wie freue ich mich über unser Wiedersehen; schon gestern Abend —"
„Ich habe Sie gesehen," sprach er tief bewegt, „Ihre Augen leuchteten und Sie schämten sich nicht, mich wiederzuerkennen."
„Nein, wir hatten uns ja auf Wiedersehen gesagt," entgegnete sie, aber sie senkte das Köpfchen vor seinem glühenden Blicke.
„Und dennoch wagte ich nicht, an ein solches zu denken; die chinesische Mauer der Welt trennt uns."
„Sie sehen, daß ich dieselbe niederreiße, indem ich Ihnen herzlich bie Hanb reiche."
Er hielt bie schlanken Finger wie damals in bett seinen, bann zog er sie langsam an bie heißen Lippen unb flüsterte:


