Ausgabe 
29.6.1895
 
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gekommen, eine Frage an Sie zu richten und etwas zu er­fahren, das Diejenigen am meisten betrifft, die mich zu Ihnen geschickt haben."

Aber obgleich Ponsford denn es war kein Anderer als er mit allen Kräften bemüht war, jede Furcht zu ver­scheuchen, die sein plötzliches Erscheinen verursachen konnte, war es doch ein zu neue« Ereigniß, aus dem die Frau des Hauses auch vielleicht zu viel Verdacht schöpfte, als daß ihre Besorgniß sich so rasch beruhigen ließ.

So, bitte, richten Sie Ihren Auftrag sofort aus," sprach sie schnell.

Es wäre beffer, wenn wir allein wären," entgegnete Ponsford.Was ich Ihnen zu sagen habe, paßt nicht für fremde Ohren, oder," sprach er mit einem Blick auf Adeles hübsches Gesicht weiter,diese junge Dame ist vielleicht keine Fremde, sondern Ihre Tochter? Doch auch dann ist er beffer, wenn die Sache geheim bleibt."

Frau Falkner warf ihrer Nichte einen halb bittenden Blick zu.

Verlaß uns, mein liebes Kind!" sagte sie-Er wird nicht lange währen."

Adele wagte nicht, ungehorsam zu sein, und ging hinaus.

Nun, mein Herr," Hub Frau Falkner in strengem Tone an, sobald die Thür sich hinter Adele geschloffen hatte,haben Sie die Güte, sich kurz zu faffen."

Standen Sie einst in sehr nahen Beziehungen zu einem Herrn, der sich seiner Zeit Ernst Faro nannte, obwohl er jetzt vielleicht unter einem anderen Namen bekannt ist?"

Und wenn ich ihn kenne, was bann ?/' fragte die alte Dame erregt und eine leichte Röths ergoß sich über ihr Gesicht.

Er hat mich beauftragt, mich nach den Erfolgen seines Uebereinkommens zu erkundigen, das Sie einst mit ihm ge­troffen haben," versetzte der Diener.Er verlangt nicht- weiter von Ihnen, meine liebe Dame, als volle Wahrheit, die er Ihnen reichlich lohnen will. Er möchte nur gern Ge­wißheit über das Schicksal Derer haben, die er einst liebte, und die ihm am meisten am Herzen liegen. Ich bin über­zeugt, daß Sie mir eine so väterliche Bitte nicht abschlagen werden."

Erst muß ich Genaueres über die Gründe erfahren, aus welchen Sie hierhergeschickt wurden und was Sie zu wissen wünschen," entgegnete Frau Falkner fest.Ich kann keine Mittheilungen machen, wenn ich nicht weiß, daß sie in sicheren Händen sind. Wenn Sie von dem Herrn abgeschickt worden sind, den Sie soeben nannten, so hat er Ihnen wohl auch Einige» über das, was Sie fragen sollen, mitgetheilt. Stellen ^ie mir Ihre Fragen deutlich und ich will sehen, ob ich sie wahrheitsgemäß beantworten kann- Seien Sie versichert, daß ich keine Unwahrheit sage," sügte sie, stolz den Kops erhebend,

hinzu-

So haben Sie vielleicht die Güte, mir erstens zu sagen, wo sich die Dame befindet, die Sie einst unter Ihren Schutz nahmen?" fragte Ponsford ruhig.

Die ist schon lange tobt . . . wenn Sie von bet schönen Spanierin neben, bie zu pflegen mich Ihr Herr bezahlte," ver­setzte bie Frau.Und lassen Sie sich sagen, baß bas Mitleib mit ihr mich unb meinen Gatten ebensoviel bazu bewog, auf ben Vorschlag einzugehen, als bie Freube an bent Golde, bas Ihr Herr uns dafür bot."

Unb bas Kind ... man weiß, baß fie ein Kinb hatte! Was ist aus biesem geworben?" fragte Ponrforb.

Seine Augen ruhten forschenb auf Frau Falkner, wäh­rend et sprach unb er glaubte ein gewisses Gefühl bet Schulb in ihren Zügen arbeiten zu sehen.

Und was ist au» dem Kinds geworden?" wiederholte bet Diener bringenb.Würbe bet Unglücklichen ein Knabe ober Mädchen geboten? Und was wurde aus dem Kinde? Sie find gut bezahlt worden für seine einstige Pflege; ebenso gut soll es Ihnen bezahlt werden, wenn Sie dem Grafen mit­theilen, wie und wo das Kind sich jetzt befindet."

Dem Grafen! So ist er nun zu einem Titel und Reichthum gelangt? Ja, es ist so, wie ich erwartete. Für

einen Mann wie er ist es doppelt schmachvoll, seine Stellung und seine Geburt durch eine Mißheirath so zu entehren."

Aber das an was Sie denken, das will er ja nicht. Er ist bereit, Alles zu thun, was in seiner Macht steht, um sein Unrecht wieder gut zu machen," antwortete Ponsford. Lassen Sie uns keine Zeit verlieren, Frau Falkner. Wo das Kind? Ist es ein Knabe oder ein Mädchen?"

Das gerade ist es, was ich Ihnen nicht eher mittheile« werde, als bis ich genügenden Grund dazu habe," sagte fii mit Entschiedenheit.Soviel will ich sagen und nichts weiter. Das Kind lebt, aber momentan nicht unter meiner Obhut, und selbst wenn ich wollte, könnte ich Ihnen nicht sagen , wo es sich jetzt befindet. Vielleicht kommt die Zeit noch einmal, wo ich es für wichtig Halts, Ihrem Herrn die Stellung unb das Geschlecht des Kindes mitzuthsilen, aber jetzt noch nicht . . . noch nicht."

Auch nicht für eine ansehnliche Summe, die Ihnen eine unabhängige Zukunft sichern würde?" fragte Ponsford schmeichelnd.

Rein. Ich habe das Geheimniß in meiner eigenen Hand, und ich werde meine Zeit abwarten," erwiderte sie fest.

Vielleicht geht es ohne Ihre Hilfs," meinte der Diener. Ich habe meine guten Gründe zu der Vermuthung, daß Sie einen Sohn und eine Tochter in ihrer Obhut haben, von denen Eines nicht Ihr eigenes Kind ist, obgleich ich für den Augenblick nicht zu sagen wüßte, welches bas Kinb bet un­glücklichen Spanierin unb welches Ihr eigenes ist."

Frau Falkner lachte.

Wenn Sie auf Alles achten, was Sie vielleicht hören, so haben Sie vielleicht auch erfahren, baß auch bas junge Mäbchen, bas sie soeben sahen, unter meinem Schutze steht- Sie nennt mich Tante. Ich sage, sie ist meine Nichte- Der junge Mann nennt mich Mutter unb ich sage, er ist mein Sohn. Nun gab es noch ein unglückliches Mädchen, das miijj auch Mutter nannte, doch habe ich nie gesagt, baß sis meine Tochter sei "

Ponsford konnte feinen Aerger kaum verhehlen.

So trotzen Sie mir unb meinem Herrn?" sagte et.

Durchaus nicht. Ich gehöre nicht zu Denen, bie gern mit Jemand auf feindlichem Fuße stehen, aber Sie können Ihrem Herrn sagen, daß er weder durch Schmeicheleien noch durch Drohungen erfahren wird, was zu wissen er jedes Recht schon vor langer Zeit selbst aufgegeben hat. Sehr wahrschein- lich ist e», daß die Zeit einst kommen wird, wo ich ihm an« freien Stücken sage, was er zu wissen wünscht ... und ohne meine Hilfe ist sein Suchen und Forschen völlig hoffnungslos. Das ist meine Antwort und wenn Sie mir tausend Pfund anböten, ich würbe Ihnen nichts weiter sagen. Jetzt haben Sie wohl bie Güte, mich in Ruhs zu lassen, da Ihr fernere« Hierbleiben nicht ben geringsten Nutzen für Sie haben würde."

Ponsford zögerte, aber die Ruhs und Entschlossenheit bet Frau ließen ihn nichts von einem Widerstand hoffen, und nach einer kurzen Pause stand er auf, um zu gehen.

Wundern Sie sich nicht, wenn ich wiederkomme," sagte er.Mein Herr wird sich schwerlich durch eine so seltsame Antwort auf seine Fragen befriedigen lassen."

Sie können thun, was Sie wollen, und ich werde thun, was ich will," lautete die Antwort.

XXXVI.

Triffa, mein Liebling, ist es möglich, baß Du geret! bist?" rief Frau Digby, als die Kranke au» dem Wagen $ hoben und in bas Haus geführt würbe.

Ja, ja, Nichte! So mache boch nicht so viel Wesen bttrum . . . sonst hält sich bas Mäbchen für viel kränker, al es wirklich ist," unterbrach sie Sir Fulks.Ich sagte l» schon, bas Unglück ist nicht so groß ... ein tüchtiges M als sie es am wenigsten erwartete. Bringe sie in ein warmes Bett und sie wird morgen so frisch und munter sein immer." ,

Fran Digby warf ihrem alten Onkel einen zormgen -o»