Ausgabe 
29.1.1895
 
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wie unfern Willibald in der denkbar ehrenvollsten Weise da­durch ausgezeichnet hat. Glaubst Du, weiblicher Thomas, daß dergleichen aus bloßer Laune geschieht?"

Nein, nein, es erscheint mir nur zu viel auf einmal," rief Elisabeth mit einem strahlenden Lächeln.Ich möchte wie der König von Samos den Göttern irgend etwas mir recht Werthvolles opfern, um das Glück zu versöhnen."M

Das wollen wir den Poeten überlassen, mein Kind! Jetzt rasch ins Zeug, um Tante Dorothea den Herzens-Balsam zu bringen, welcher auch bei mir zu Hause seine Wunder­kraft üben wird."

(Fortsetzung folgt.)

GeineiirnÄtziges.

Der Nährwerth des Fischfleisches, Er ist noch gar nicht lange her, daß Gerichte von Fischen, mit Aus­nahme des Herings und Bücklings, als eine Art Delicateffe, kurz als etwas seltenes betrachtet wurden. Erst seitdem der Seefisch die Binnenländer erobert, ist infolge seines Maffen- fanges und seiner daraus hervorgehenden Billigkeit das Fischfleisch zu einem Hauptnahrungsmittel für alle Stände geworden. Darum ist es auch von hohem Interesse, seinen Nährwerth kennen zu lernen, und zwar umsomehr, als der­selbe unter verschiedener Begründung, namentlich aber durch das Anführen der schweren Verdaulichkeit des Fischfleisches, von vielen Seiten bestritten oder herabgesetzt worden ist. Allen diesen Urtheilen wollen wir aber das nachfolgende Resultat entgegenhalten, das bet genauer wissenschaftlicher Untersuchung im physiologischen Institute de<Professor Voit in München von W. O. Atwater erzielt worden ist. Die große Aehnlichkeit in der chemischen Zusammensetzung des Fleisches der eßbaren Fische und des Murkelfleischcs der Hausthiere ließ von vornherein vermuthen, daß die Beiden fich in ihrem Nährwerth nicht wesentlich unterscheiden. At­waters Versuche wurden zum Theile am Hund, zum Theil am Menschen angestellt. Ein Hund wurde 6 Tage lang mit Schellfischfleisch und weitere 6 Tage mit magerem Rind­fleisch gefüttert; der Mann (ein Studierender der Medizin) erhielt die gleiche Kost mit einigen Zusätzen, doch wurde hier die Diät nur je vier Tage innegchalten. Die Untersuchung ergab, daß die Bestandtheile des Fischfleisches ebenso gut aus­genutzt wurden, wie die des Rindfleisches. Das Fischfleisch stellt mithin keine minderwerthe Nahrung dar. Es ist dabei nur zu berücksichtigen, daß das Fischfleisch im allgemeinen wasserreicher ist, als das Rindfleisch, so daß z. B. in den obigen Versuchen, auf 375 Gramm Rindfleisch 500 Gramm Schellfisch gegeben werden mußten. Wird aber das Fisch­fleisch in gleichen Mengen Trockensubstanz gereicht, so besitzt es denselben Nährwerth, wie das magere oder von Fett be­freite Rindfleisch; beide find in dieser Beziehung gleich- werthig. Es läßt sich daher das Fischfleish vortresflich als Eiweißträger in Verbindung mit den stickstoffarmen Nahrungs­stoffen, z. B. den Kartoffeln, zur Herstellung einer guten Nahrung für das Volk verwenden.

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Gute Talg- oder Nierenfett-Bereitung. Je fester das Nierenfett, desto besser und reichhaltiger ist es. Auf 2 Pfund in kleine Würfel gefchnitttenes Fett rechnet man etwa 3It Liter gute Milch. Mit dieser und etwas Salz werden die Fettwürfel unter zeitweiligem Umrühren so lange gekocht, bis die Milch sozusagen verdampft ist. Alsdann läßt man das Fett auf gelindem Feuer langsam ausbraten. Da es sich leicht ansetzt, versäume man nicht, mit einem eisernen Löffel fest über den Boden des Topfes zu reiben. Das ge­wonnene Fett füllt man in Steintöpfe, >. worin es mehrere Wochen bleibt.

VeviiMehtes.

Aus den Fliegenden Blättern. Richtig vermuthet. Mann (Mittags aus dem Geschäfte kommend, zu seiner jungen Frau):Es riecht so eigenthümlich im Hause; heute hast Du gewiß etwas ganz Besonderes anbrennen lassen!" Ab gelehnt . Du liebst mich nimmer, August, denn sogar wenn ich weine, frägst Du mich nicht einmal mehr warum!"Ja, weißt Du, liebe Amalie, diese Frage kommt mich immer zu theuer!" In der Sommerfrische. Herr:Donnerwetter, Sie haben mir )6 einen ganz guten Zahn geMen!" Landbader:Ent­schuldigen Sie vielmals, aber es geht halt in dem Jahr gar kein Geschäft!" Dilemna. Laura:Ich bin in einer furchtbaren Verlegenheit!" Klara:Wieso denn?" Laura:Karl hat mir versprochen, er hört mit dem Trinken aus-, wenn ich ihn heirathe, und Emil droht, er fängt es an, wenn ich .es thue!" Berichtigung.In der vorletzten Nummer Ihre» Blattes berichteten Sie, daß auf der Obertupfinger Markung von einem Jäger 65 Hasen ge­schossen wurden. Dies ist jedoch dahin richtig zu stellen, daß von fünfundsechzig Jägern ein Hase geschossen wurde und daß die Jagd nicht am Samstag, sondern am Sonntag statt­gesunden hat. Alles Andere stimmt. Das Bürgermeister­amt." Gutes Zeichen.Wie weit ist denn Deine Schwester mit ihrem Gesangunterricht?"Papa hat heute zum ersten Mal die Walte aus den Ohren gethan." Ein Feigling. Kunde:Von Ihrem Jungen lasse ich mich aber nicht mehr rastren!" Barbier (verächtlich): Und Sie wollen drei Feldzüge mitgemacht haben?" Nach dem Balle.Adieu, Herr Rath heute hoffe ich einmal recht gut zu schlafen!"Für Sie, Fräulein, muß aber das Schlafen eine arge Anstrengung sein!" Wieso?" So große Augen die ganze Nacht geschlossen zu halten!" Kasernenhofblüthen. Unteroffizier (zu einem Rekruten): Kerl, Sie stehen gerade so da, als ob Sie soeben von einem Luftballon überfahren worden wären!" Sergeant: Menschenkind, Sie wissen nicht, wie der Herr Oberst heißt? Stellen Sie sich doch nicht so 'ne Desdemona paupertatis aus!" Bescheidener Zweifel. Hausfrau:Anna, morgen speist ein Herr bei uns, der fünf Jahre unter den Menschenfressern gelebt hat!"Ach, gnä Frau, da wird ihm gewiß unser Kalbsbraten auch nicht mehr schmecken" Aus dem Gerichtssaal. Richter:Haben Sie den Dieb­stahl allein ausgeführt?" Angeklagter;Nein, unter gü­tiger Mitwirkung anderer Freunde!" Gesichert.Sie, ich glaube, der Mensch, mit dem Ihre Tochter jetzt verkehrt, hat keine reellen Absichten!"Na, er hat noch seinen Regenschirm bei uns stehen; wenn er meine Tochter nicht heirathet, kriegt er den einfach nicht wieder!" Voraus­setzung.Wer war denn der Herr, der diese unglücklichen Jagdgeschichten erzählte?"Der pensionierte Herr Ober­förster." Donnerwetter, muß der erst gelogen haben, als er noch actio war!" Schlau. Die neue Braut: Also morgen Abend treffen wir uns! Werden Sie mich auch wieder erkennen, Herr Sergeant?" Sergeant:Nun, Sie können ja meinetwegen als Erkennungszeichen ein Gansviertel in der Hand haltenI" Druckfehlerteufel. (Aus einem Polizeiberichte.) Seit der letzten Rauferei beim Hirfchen- wirth ist der dort beschäftigt gewesene Hausknecht Johann vollständig verschwollen. Ein Racheact scheint vorzuliegen. Rafsinirt. Jnspector:Wie kommt es, daß Sie ohne Prügelstrafe eine so gute Disziplin erzielen?" Lehrer: Sehr einsach jeder Schüler, der schwätzt ober Allotria treibt, bekommt nach der Schule einen Löffel Leberthran." Unmöglich. Lieutenant (im Dorswirthshaus):Wollen Sie auch einmal eine Cigarrette rauchen, Lammwirth?" Lammwirth:Nöi, dös Zeig kann i net rasche so weit bring' i 'S Maul net z'samme!"

fliebactipn: VL Hcheqda. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) tu .1,