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Einen zum Anderen. „Jetzt paffen Sie einmal auf, dann i „Der Verlobte von Fräulein Hertha!" sagte Lydia ruhig,
dürften Sie bald darauf kommen: Papa und seine Töchter i „Also dar ist der Auserwählte der Rose von Linden-
machten vor etwa vier Wochen die Bekanntschaft eines Herrn, I heim!" ergänzte Else, genau hinübersehend. —
der sich sehr bald als ein heiterer und lebenslustiger Mann j „Natürlich unwiderstehlich, bester von Walten — oder
entpuppte. Papa und dieser Herr wurden sehr bald befreundet I Jemand in den Weg gekommen, der Feld streitig macht?"
und lange haben wir unseren guten Papa nicht so vergnügt j sagte von Hartung, der neben ihm saß.
gesehen, wie an jenem Abend. Bald darauf kamen wir wieder I „Noch nicht — kann aber noch kommen!" erwiderte von zusammen und unser Jntereffe erwachte erst recht, als er I Walten und sein Gesicht verfinsterte sich. „Machte da neulich plötzlich von Ihnen sprach; aber wie hat dieser Mann von I nähere Bekanntschaft mit verflucht hübschem Kerl, scheint mich Ihnen gesprochen," sagte Else und blickte aus ihre Schwester, I aus dem Sattel heben zu wollen und noch dazu bei meiner die erröthend zur Erde niedersah, „er hat Sie ja förmlich in I Braut," sagte von Walten empört.
den Himmel gehoben, Herr Baumeister!" j „Donnerwetter, was sagst Du, Baron? Aber erzählen,
„O, o," sagte Heyd belustigt, „das scheint ja eine komische I erzählen!" riefen verschiedene Stimmen und Alle sahen über-
Verwechselung zu sein, denn von dem Wesen eines solchen 1 rascht auf Walten.
Menschen habe ich in mir noch nichts entdeckt. Jndeffen, ich | Der Baurath, dem kein Wort entgangen, sah verwundert bin auf den Schluß gespannt." | auf Heyd; auch Eise, die ganz Ohr gewesen, that dasselbe,
„Ach, Papachen, bitte, erzähle nur weiter," sagte Elsa | nur Lydia schien nichts gehört zu haben, aber ein tiefer
und streichelte dem neben ihr sitzenden Baurath die Wangen. | Schatten flog über ihr ernstes Gesicht.
„Na, Mädchen, das Andere hättest Du nun auch noch | „Nun, nun, mir kam es nur so vor, aber aus dem sagen können," entgegnete ihr Vater und sah freundlich auf j Sattel Heden, das geschieht nun und nimmermehr oder — es seinen Gast. I gibt ein Unglück!" entgegnete von Walten und schlug mit der
„Nun, ich will es Ihnen sagen, Herr Baumeister; unser 8 Faust auf den Tisch.
lieber Bekannter ist ein Doctor beider Rechte, sein Name ist I „Aber wer ist denn dieser sonderbare Heilige und der Lenzmann." I noch größere Don Juan?" fragten verschiedene Stimmen.
„Haha," sagte Heyd vergnügt, „das ist ja mein ewig I „Kinder, so ein simpler Baumensch — Heyd ist sein Name
heiterer Jugendfreund, der mir so nahe ist und ich suchte und ! — den Du übrigens auch kennen mußt, Hartung- Lernte
suchte in weiter Ferne. Nun, tausend Dank für seinen Gruß, j diesen Helden kürzlich beim Scheibenschießen erst würdigen;
leider hatte ich nur erst dreimal das Vergnügen, ihn nach j kam aus Californien oder sonst woher. Leute, dieser Kerl Jahren zu sehen." I schoß — war pyramidal — unheimlich — fabelhaft — aus
„Nun, wir hoffen ihn heute in Jeschkenthal zu finden, er I Taille, einfach zackig — mußte wohl drübev. Tag und Nacht
versprach es, dorthin zu kommen, wenn es ihm irgend möglich j mit Schießwaffen umgehen. Werde noch nicht klug aus diesem ist," sagte der Baurath. „Wir sind sehr oft mit ihm zu- I Menschen und seinem eigenthümlichen Wesen; wird aber gut
jammen, Herr Heyd. Gestern waren wir auf der Reunion | aufgepaßt — und wenn ich das Geringste höre oder sehe —
in Zoppot, nachdem er am Vormittage — um Elses Hand j dann wehe Dir, Du kalifornischer verkappter Abenteurer!" angehalten." I Heyd sprang auf.
„Ah — das nenne ich eine freudige Ueberraschung und I „Entschuldigen Sie mich einen Augenblick, Herr Rath, da gratulire ich Ihnen, Herr Rath, und nehmen auch Sie, I sagte er und trat an jenen Tisch.
gnädiges Fräulein, meinen herzlichen Glückwunsch. An der I „Mein Name ist Heyd," sagte der Baumeister, und wie Seite dieses lieben, braven Mannes wird Ihnen wohl der I auf Commando sprangen Alle in die Höhe.
Himmel immer voller Geigen hängen." I Unwillkürlich taumelte der Baron zurück beim Anblick
„Ich danke Ihnen, Herr Baumeister," sagte Else, erfreut I dieses Mannes, den er am allerwenigsten heute hier ver-
ihm die Hand reichend. — I muthete, der so plötzlich und wie aus der Erde gestampft et«
Nach beendetem Mittagsmahls fuhren sie nach dem freund- I schien gleich einem Blitz aus heiterem Himmel. ,
lichen Jeschkenthal. Auf der Fahrt unterhielt sich Heyd sehr I „Morgen früh wird mein Secundant bei Ihnen Jem,
viel mit der stillen Lydia, war dem Baurath und seiner ver» I Herr Baron von Walten, doch stelle ich es Ihnen anheim,
lobten Tochter sehr angenehm zu jein jchien. I eine Waffe zu wählen, mit der Sie sich besonders sicher
Als sie am Forsthause ankamen, hörten sie schon von I fühlen," sagte der Baumeister mit eisiger Ruhe und durch-
Weitem eine lustige Gesellschaft, die sie alsbald um einen j bohrendem Blick. Dann grüßte er kalt und ging,
runden Tisch erblickten. Diese Herren, die offenbar dem un- I Am runden Tisch standen noch Alle unter dem Eindruck sterblichen Bachus schon besondere Ehre erwiesen hatten, nahmen I des soeben Gehörten und ihnen war zu Muthe wie einem auf die Anwesenheit anderer Gäste so wenig Rücksicht, als I Taubenschwarm, der den Thurmfalken über sich erblickt. — hätte der Herrgott seine Erde nur eigens ihretwegen erschaffen. | Am andern Morgen empfing der Baumeister den In- Der Baurath wählte einen Platz, der ungefähr zehn I genieur auf dem Bahnhofe.
Schritte von jenem runden Tische entfernt war. I „Nimm persönlich noch meine Glückwünsche, mein guter
Hohles, blafirtes Lachen klang jetzt herüber, wohl der | Karl; ich wäre jo gern gestern bei Euch gewesen, doch thetlte
Beifall für einen „geistreichen Witz" oder ein Liebesabenteuer, I ich Dir schon meine Gründe mit."
das soeben ein junger Mann beendet, deffen dünne Schnurr- I „Tausend Dank, mein Bester, es war ein lustiger und bart-Enden so in die Höhe gedreht standen wie die Zähne eines I vergnügter Tag, aber Du, Arthur, Du fehltest uns an allen Ebers. | Ecken und Enden, und alle unsere lieben Bekannten haben
„Nun, was sagst Du dazu? Löwe des Tages mit ver- I Dich schmerzlich vermißt. Ich dachte mir's wohl, daß Du dämmt schöner Visage, unwiderstehlicher Liebling bei Weibern," | mich erwarten würdest, doch suchte ich Dich auf dem Bahnfragte einer mit gelblich-grauem Anzuge. I Hofe in Dirschau und bin eigentlich überrascht, Dich hier zu
„Ha — ha — ha! Unwiderstehlicher Liebling bei Wei- I sehen."
bern! Ha, ha, ha!" antwortete der Gefragte. j „Nun, ea hat auch seinen guten Grund," sagte Heyd mit
Heyd sah sich um, denn diese Stimme kannte er nur zu I Nachdruck, „doch jetzt komm' nur, Karl." Und Beide fuhren genau- 1 nach des Ingenieurs Wohnung.
„Wenn mich nicht Alles täuscht, ist jener Herr, der soeben | Durch die Morgenstille ertönte aus der Ferne Musik-
sprach und uns den Rücken kehrt, der Baron von Walten," I „Ha — mein Regiment rückt zur Hebung aus!" rief
jagte er zum Baurath gewandt. I Hellmuth begeistert. „Kutscher, fahren Sie zu und halten Sie
„Der Neffe des Oberförsters Steuer?" fragte der Bau- I an der Langgaffe." .
rath überrascht. I Mit klingendem Spiel zog nun das Militär vorüber in
„So ist es, Herr Rath," bestätigte Heyd. * dem bekannten festen gleichmäßigen Tritt.


