150
ebenfalls zurück. Aber — es ist ja gar nicht möglich, Sie wollen mich nur quälen."
„Daß ich wiederkehre, Melanie, ist, so Gott will, sicher, aber ob Sie mich dann ebenso jubelnd empfangen werden, wie heute, wie jetzt, das ist die Frage. Wollen Sie mir treu bleiben?"
Sie legte bedeutsam beide Hände auf die Brust und sagte: „Natürlich und Sie sollen sehen, daß ich kein solches Kind bin, als Sie denken."
„Auf Wiedersehen dmn, Melanie," flüsterte er, sich zu ihr neigend und ihre Hand küssend.
„Auf Wiedersehen, Rudolf," hauchte das Mädchen, dann eilte sie fort und der Graf bedeckte seufzend die Augen mit der Hand.
„Liebt sie mich wirklich oder hat die Mutter Recht, daß Melanie nur ehrgeizig und berechnend ist und sie nur meinen Stand und Namen erringen will?"
Als sich die Herrschaften dann zur Ruhe begeben hatten, stand Therese noch droben in ihrem Zimmer, um den Brief ihres Verlobten zu lesen; es waren vier eng beschriebene Seiten voll treuer Liebe und sie seufzte leise, als sie dieselben überflog- „O, Eduard, Deine Liebe beschämt mich tief. Ich kann sie nicht so erwidern, al« ich sollte."
Und ihre Gedanken flogen zurück in die Bergschänke zu jener Gewitterstunde, da sie dem schönen fremden Manne gegenüber geseffen und seiner tiefen Stimme gelauscht hatte. Wer war er? Weshalb betonte er den gesellschaftlichen Rang- unterschied so bedeutsam?
Der Brief sank zur Erde, nachdenklich stützte sie das Köpfchen mit der Hand und sann nach. So waren alle die stolzen Grafen Wildenstein, besonder« Rudolf; eher hätte er sich, ohne mit der Wimper zu zucken, die rechte Hand abgehauen, al« daß er ein Mädchen ohne Namen heimgeführt, auch wenn er sie wirklich lieben sollte. Und auch der Vater, die Mutter, sie lebten in den Grenzen ihrer Stellung, und sie selbst, Therese, hatte bisher ebenfalls nie ander« gedacht. Und nun kam ein Fremder, von dem sie nichts wußte, und sein Blick, der Ton seiner Stimme wälzte diese Anschauungen um! Thränen traten in ihre schönen Augen, sehnsüchtig breitete sie beide Arme au« — aber umsonst, er war fort, sie wußte nicht einmal seinen vollen Namen, um ihn in stiller Stunde vor sich hin zu murmeln Und nun zog in dieser lauen Augustnacht Bild auf Bild an ihrer Seele vorüber; eine andere Männergestalt trat vor sie hin mit ernstem, vorwurfsvollem Blick — Eduard, Baron Hohenthal. Er war groß, breitschulterig und nicht schön, aber seinem bartlosen Gesicht war der Stempel zuverlässiger Gutmüthigkett und treuer Beständigkeit ausgeprägt, so daß Jedermann darüber vergaß, wie häßlich er aussah.
Und auch Therese hatte nicht daran gedacht, daß der Baron häßlich war, al« er im Frühjahr sie gefragt, ob sie die Seine werden wolle. Es war an einem lauen Apriltag gewesen, sie ging am Waldesrand spazieren und athmete mit vollen Zügen die milde Frühling-luft; um sie her sproßten Anemonen und Leberblümchen, auch Gänseblumen blickten zwischen durch und in mädchenhaftem Uebermuth bückte sie sich, um ein« derselben zu pflücken.
„Er liebt mich — von Herzen," klang e« halblaut von ihren frischen Lippen, sie war so vertieft in ihre Beschäftigung, daß sie hinter sich Männertritte im weichen Boden überhörte. Plötzlich endlich fragte eine freundliche Stimme: „Nun, Comteß, wem gilt da« Orakel?" daß sie tief erschrocken herumfuhr.
„Ah, Baron Hohenthal," lächelte sie dann unbefangen, „Sie haben mich fast in die Flucht getrieben, aber nun sollen Sie auch da« Resultat meiner Mühe wissen! Er liebt mich — über alle Maßen, kann'« gar nicht lassen —"
„Wer soll der Glückliche sein?" hatte er gefragt, so ernst, daß sie ihn verwundert angeschaut.
„Ja, da« weiß ich noch nicht," antwortete sie ganz harmlos, „das muß die Zeit erst lehren, wenn er kommt."
Da strahlte sein gute«, breite« Gesicht wieder fröhlich
auf und er nahm ihre Hand in die seine. „Da« freut nM Gräfin, freut mich von Herzen."
„Sie sind immer so gut zu uns Zwillingen gewssi, lieber Baron," sagte sie harmlos, „fast wie ein Onkel uni Rudolf und ich werden'« nie vergessen."
„Ich will gar nicht ein Onkel fein, Comteß Therese/ fuhr er empor, „mein Sinn steht ganz ander« und Sie solle, hier unter Gotte« freiem Himmel zum ersten — vielleicht einzigen Male — hören, daß da» Orakel mich meint, der $|| über alle Maßen liebt."
Sie war jedenfalls völlig aus dem Stegreif, diese E, klärung, und alle Beide wurden sehr verlegen. HoheW kämpfte und rang noch immer mit sich, al« Therese ihn Fassung schon wieder erlangt hatte.
„O, Herr Baron, was meinen Sie? Sie können des unmöglich daran denken, mich junge«, zwanzigjähriges Ä chen zu heirathen?"
„Und weshalb nicht, Comteß? Ich bin fünfunddreiß Jahre alt und noch immer allein; vielleicht ist'« unbescheidei die Hand nach solch' lieblichem Rosenknöspchen auszustrecki aber ich denke — Sie werden mich auch lieb gewinn« meinen Sie nicht, Therese?"
»Ich — ich weiß es gar nicht," stammelte sie besang« und blickte auf das am Boden liegende Gänseblümchen- HM es denn in der That Eduard von Hohenthal gemeint, als ei verkündete: „lieber alle Maßen, kann's gar nicht lassen?"
Es war der erste Mann, welcher so zu ihr redete, er that ihr so leid, als er da vor ihr stand und sie mit fam treuen Augen bittend ansah, und dann kam auch ein mch mädchenhafter Stolz dazu, daß sie, gerade sie, die Erwählt! diese« reichen, allbeliebten und geschätzten Manne« sei- Uni dann wußte Therese eigentlich selbst nicht mehr, wie Alle« gekommen, wie sie Ja gesagt und versprochen hatte, Hohen, thals Weib zu werden. Sie war nach Hause gelaufen uni zur Mutter, um ihr Alle« zu erzählen; diese hatte zuerst ete tiefe, wahre Herzensfreude empfunden, ihr Kind an der 8# eines Mannes wie Hohenthal zu wissen, doch allmälig fara auch ernste Bedenken, sie faltete die Hand der Tochter in'« ihren und fragte dringend: „Liebst Du ihn auch, mell! Therese? Wirst Du das ganze lange Leben, sei es hell ob« trübe, an seiner Seite ausharren mögen?"
„Da« hat er mich auch gefragt, Mama," lachte sie sich lich, „und es wird schon gehen; er meinte, er werde mich lehren, ihn zu lieben."
Das Mutterherz hatte noch viel fragen mögen, es wm nicht zufrieden, daß die Tochter noch nichts von der Siebt wußte und konnte doch gar nichts thun, als deren Geschlil dem Allerhöchsten, dem Herrn aller Herren, zu empfehlen, welcher Alles herrlich hinausführt.
Am nässten Morgen kam Baron von Hohenthal, um von Graf Wildenstein die Hand feiner Tochter zu erbitten. Dai war ein Freudenfest für das ganze Schloß, Bruder Rudolf der in der Residenz bei den Husaren diente, wurde telegraphisch benachrichtigt und Therese kam aus dem Freudenräusche gai nicht heraus.
Freilich, am Abend, als der Bräutigam fortgefahren wai und als sie allein in ihrem Stübchen am offenen Fenst« stand, da kamen urplötzlich Thränen, heiße, bittere Thränen, die gar nicht enden wollten und die doch eigentlich keim« Grund hatten. Es war, als sänge und klänge eine Wunden melodie tief drinnen in der Seele, als könne sie aber nii heraufdringen; und das pochende Herz that so weh, es hw zerspringen mögen und wußte doch nicht, weshalb.
Heute nun rannen die Thränen ebenso heiß, heller klotz die Melodie herauf au» der Tiefe de» Herzen» — aber ein anderes Bild stand vor Therefens Seele, männlich-schön, stattlich und doch so unerreichbar fern.
Droben schimmerten die Sterne, sie fanden einen Abglanz in des Mädchens blauen Augen und leise, so leise, daß e wie ein Hauch in der warmen Nachtluft verwehte, flüstam sie vor sich hin: „Auf Wiedersehen!"
Sch< Wildenst' Hau« in gesucht, i vor Weis Alten ge sammte |
Heu regnete i welche fi in’« The, der Lam; tief übe: Rudolfs er ein, I Fräulein so gewoi litt unfi flimmern Freier d
„N> abholen;
»31 singt ein gierig, tl
z/31 Oper w können."
»T Diner a
»3 darf ich
»V rückte f „Du wk
„U Wie steh
Er schwer-
„3 thun, ur
»B umschwä
»F Dame i
„O laß Dick sie hat
„D Er ging'» t
„B sparen,
„0 ob ich'» ich liebe
Di, Therese Vater; und moi „<$
Gräfin
Do Wildenfl am Pros eine Da Haarfle, Neben i der sehr lich ung
Tl sodann


