Ausgabe 
27.8.1895
 
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Dame de la Purification zu Martinique geboren. Der Vater dieser Josephe, genannt Josephine, namens Joseph Gaspard, bewirthschaftete Pflanzungen, welche ihm seine 1726 aus Frank­reich herübergekommene Familie hinterlassen hatte. Ein ehe­maliger Dragonerkapitän, Ritter des heiligen Ludwig und Page der Dauphine, besaß er wenig Vermögen und gab fich große Mühe, seine älteste Tochter paffend zu oerheirathen, denn Josephine besaß noch zwei Schwestern: Catherine Marie Desiree und Marie Franroise.

Eine gewiffe Frau Renandin, Tante des jungen Mädchen, verschaffte ihr den gewünschten Gatten. Sie hatte ihn bei der Hand: der jüngere Sohn des Marquis von Beauharnais, einstens Gouverneur der Jsles du Vent. Die Beauharuais kamen aus Orleans. Tante Remudin war die Geliebte des Marquis. Die Heirath wurde aus der Ferne beschloflen, denn der junge Beauharnais befand sich in Frankreich und seine Braut schiffte sich im September 1779 ein. Sie ge­langte nach Bordeaux und heirathete eine Zeit darauf den Vicomte Alexandre von Beauharnais, der bet Gelegenheit seiner Heirath zum Capitän im Regiment de la Sarre er­nannt wurde. Er war achtzehn, sie sechzehn Jahre alt. Bona­parte war zur Zeit, als seine künftige Kaiserin sich verhei- rathete, zehn Jahre alt und trat in die Militärschule von Briennes ein.

Die Gatten logirten sich in der Rus Thsvenet in Paris ein. Am 2. September 1780 ward Eugen, der künftige Vice­könig von Italien, geboren. Das Ehepaar blieb nicht lange vereint. Bald verließ der junge Vicomte seine Frau, um nach Amerika unter das Commando von Bonille zu gehen.

Der Wunsch, den Amerikanern die Unabhängigkeit zu verschaffen und an der Seite Lafayettes und Rochambeaus unsterblich zu werden, vereinte sich bei dem zu jungen Gatten mit dem Wunsche, sich von seiner koketten Frau zu entfernen. Er ließ Josestne zurück, als sie ein zweites Kind erwartete. Am 10. April 1787 brachte sie die künftige Königin Hortense, die Mutter Napoleons III., zur Welt.

Zu jener Zeit hatte Josefine ihrem Gatten keinen Grund zur Klage gegeben. Dieser, zu jung verheirathet, gab fich dem Wunsche nach neuer Liebe und dem Zauber flüchtiger Zerstreuungen hin. Seine Abreise betrübte die Leichtstnnige nur mäßig, fie schenkte ihr eine Freiheit, nach der sie schon längst brannte.

Beauharnais kehrte nach Frankreich zurück und klagte auf Scheidung. Das Parlament sprach fie ihm zu, aber da die Schuld beiderseitig war, gestand es Josefine eine Penston von zehntausend Livres zu. Die Geschiedene hielt es für gut, eine Reise in das Hetmathland zu unternehmen. Sie begab sich nach Martinique, kehrte aber 1791 wieder zurück.

Sie fand ihren Gatten in sehr hoher Stellung wieder. Vicomte de Beauharnais, Deputirter des Adels, war eines der einflußreichsten Mitglieder der Constituante geworden- Ihm gebührt die Ehre, in der berühmten Nacht des 4. August die Zulässigkeit aller Bürger zu Civil-, Militär- und geistlichen Anstellungen und die Gleichheit der Strafen für alle Klaffen der Bürger vorgeschlagen zu haben, also die Absetzung des alten Regimes in zwei Artikeln. Er war mehrmals zum Präsidenten der Nationalversammlung gewählt worden und empfing in seinem Hotel der Rue de l'Universttö eine große Anzahl von Deputirten, deren Anführer er war.

'Josefine, von dem Ehrgeiz erfüllt, einem politischen Salon vorzusiehen, wo Alles verkehrte, was die Versammlung an hervorragenden Männern besaß, wollte sich mit ihrem Gatten wieder versöhnen. Sie gab sich demüthig, sanft, reuig, schmei­chelnd. Es gelang ihr und während einiger Zeit glänzte sie in diesem Hotel. der Rue de l'Universitö, deffen Königin sie war.

Aber die Tage wurden trüber. Die Schreckenszeit hatte die Salons geschlossen; Beauharnais war bei der Armee, als General en ohef der Rheinarmee belagerte er Mainz. Nach seiner Demission wrzxde er 1794 als Generalmajor der Armee

Condäs verhaftet; obwohl ein Republikaner und Patriot wie General Beauharnais mit den Verräthern, trotz der Anwesen­heit seines Bruders in ihrem Generalstab, nicht pactiren konnte, wurde er am 5. Thermidor guillotinirt. Vier Tage später öffneten sich die Gefängniffe und er wäre gerettet gewesen.

Sein Tod war die Folge eines Jrrthums und der lieber* eilung, mit der in jenen schrecklichen Momenten die Todes* urtheile ausgeführt wurden.

(Fortsetzung folgt.)

Literarisches

In neuem Gewände stellen sich uns mit dem soeben ausgegebenen ersten Heste des zwölften Jahrganges die Jllustrirten Oktav-Hefte von »tUfrtr Satt8 Uttb dar. Sie erscheinen in buntfarbigem Umschläge nach einem ebenso originellen wie künstlerisch-geistvollen Ent­würfe von Professor Paul Höcker in München. Aber nicht nur aus die äußere Einkleidung erstreckt sich die Neuerung, welche dem altbe­währten Unternehmen zu Theil geworden ist. Durfte die Leitung der Octav-Hefte von jeher das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, an Gediegenheit, Reichhaltigkeit und Mannigfaltigkeit der von ihr gebotenen literarischen wie künstlerischen Gaben mehr zu leisten als irgend eine andere mit ihr in Wettbewerb tretende Zeitschrift ähnlichen Characters, so zeigt sie nunmehr, daß es ihr in der That Ernst ist, bei dem Er­reichten nicht stehen zu bleiben, -sondern fort und fort an der Vervoll­kommnung ihres Werkes zu arbeiten. Hiervon überzeugt uns schon ein flüchtiger Blick auf den Inhalt des vorliegenden ersten Heftes. Es eröffnet dasselbe in glanzvoller Weise seinen neuen Jahrgang und er­weist sich auf's Neue als die vornehmste, am reichsten illustrirte Monats­schrift, die nicht nur den seither eingenommenen Rang unter allen ähnlichen Unternehmungen mit Bravour behauptet, sondern ihrem Ziele der Vervollkommnung mit Riesenschritten näher kommt. Das erste Heft (Preis 1 Mark) ist in jeder Sortiments- und Kolportage-Buch­handlung zur Ansicht zu erhalten, fr »

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Fesselnde Bilder aus dem Offiziersleben entwirft der bekannte Militärschriststeller Hans Nagel von Brawe in dem neuesten (24.) Hefte der trefflichen Halbmonatsschrift KelS $ttm M-tr* (Stuttgart, Verlag der Union Deutsche Verlagsgesellfchaft. Preis deS Heftes 75 Psg.) unter dem TitelGesuchte und ungesuchte Commandos", in anregender Weise von der vielseitigen Verwendung deS Lieutenants plaudernd. Aus dem sonstigen reichen Inhalt deS Heftes erwähnen wir eine Plauderei über eine Dampferfahrt auf der Havel:Von Berlin nach Potsdam," von Hugo Herold, mit Bildern von E. Thiel, ein in­teressantes SaisonbildAm Strande von Boulogne s. M.," modernes französisches Badeleben schildernd, sowie die in der RubrikAus deutschen Gauen" aufgenommenenBilder aus der Pfalz." Zu den trefflichen Romanen des Heftes gesellt sich eine humoristische Touristeunovelle Flitterwochen im Gebirg" von I. V. Widmann, die gerade jetzt, wo die Schweizerreisen stattfinden, allseitiges Interesse erregen wird. Sehr fesselnd sind ferner die Beiträge imSammler", wo neben Porträts und anderen actuellen Bildern in der neu eingerichteten RubrikDie Carson" eine reich illustrirte Schilderung von Karsbad sich vorfindet.

Ständchen.

Ich steh' vor Deinem Fenster Es weht so kühl der Wind.

Dein Stübchen ist noch helle, Du betest wohl, mein Kind?

O, ahntest Du, welch' Sehnen Mein Herz zu Dir erhebt. Wie mich Dein holdes Bildniß Bezaubernd stets umschwebt!

Im Lied will ich Dir klagen, Was mir das Herz bewegt, Das treu in stiller Liebe Rur Dir entgegenschlägt.

Noch einmal neig' herunter

Dein liebliches Gesicht, Noch einmal laß mir leuchten Der blauen Augen Licht!

Dann will im Traum ich fliegen Auf zu des Himmels Höh'n Und Gott zu Füßen legen Für Dich mein heißes Fleh'n.

Redaetion: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen UniversttStS-Buch- und Cteindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.