thum. Könnte ich Ihnen einer Lager alle Zärtlichkeit beweisen, die ich für Sie hege/
Bonaparte blieb taub gegen diese Klagen. Der Tochter des Wirther blieb die Thür seines Herzens verschlossen.
Er träumte übrigens von einer Verbindung für sich selbst, welche seiner Eigenliebe schmeichelte, und es fiel ihm gar nicht ein, der großen Dame, die er heirathen wollte, die unwissende und bäuerische Christine vorzustellen.
Die Er^gnifle hatten stch für Bonaparte beschleunigt.
Er hatte seine Beschützer verloren. Nachdem die beiden Roberpierre guillotinirt waren, setzten die Thermidorier» ihre Rache fort. Bonaparte hatte einen Augenblick, als er den 9. Thermidor erfuhr, die Idee, den Repräsentanten vorzu- schlagen, mit seinen Truppen auf Paris zu marschiren. Er verzichtete auf dieses Project, aber seine Anhängerschaft zu den Revolutionären wurde ihm nie verziehen. Dubois-Crancö, Mitglied des Wohlfahrtsausschusses, der die Jacobiner zerstreuen wollte, die, den Rapporten der Polizei nach, in der italienischen Armee zahlreich waren, destgnirte Bonaparte zum Artillerie- General in der Vendse.
Verblüfft und durch diesen Streich bestürzt, reiste Bonaparte, von feinen zwei Adjutanten Junot und Marmont begleitet, nach Paris.
Ein Artillerie-Capitän ohne Verdienste, Aubry, der damals Kriegsminister war, war sehr eifersüchtig auf die Offiziere seiner Waffe, die so rapid avaneirten. Obendrein noch Girondist, rächte sich Aubry an dem Freunde Robespierres, dem Strategen von Toulon, indem er ihn als Infanterie- General zur Ostarmee sandte. Das hieß dis Ungnade Dubots- Craneös noch steigern.
Als man versuchte, den Kriegsminister zu erweichen, wunderte sich dieser traurige Nachfolger Carnots darüber, daß man einen Terroristen so warm unterstützte. Bonaparte wollte seine Sache selbst verfechten, doch Aubry sagte trocken zu ihm: „Sie sind zu jung, um die Artillerie einer Armee zu commandiren."
„Man altert rasch auf den Schlachtfeldern und von dort komme ich," antwortete der General.
Aubry war unbeugsam und Bonaparte wurde, da er sich weigerte, nach der Vendäe zu gehen, aus der Armee gestrichen.
Er versuchte nun, beim Sultan Dienste zu nehmen und wäre in das Elend seiner früheren Jahre zurückgefallen, wenn sein Bruder Josef ihm nicht zu Hilfe gekommen wäre. Einer der Directoren des Kriegsministeriums, Doulcet de Poutä- coulant, erinnerte sich plötzlich seiner und ließ ihn in den Loealdienst eintreten, gerade als er stch nach Constantinopel einschiffen wollte.
Der Orient lockte ihn stets. Er träumte von Glück und Ruhm unter einem fremden Himmel. Ein ganz muselmanischer Fanatismus beherrschte bereits seine Seele.
„Alles läßt mich dem Schicksal trotzen," schrieb er seinem Bruder Josef, „und wenn das so weiter geht, mein Freund, werde ich dahin kommen, daß ich mich nicht mehr umwenden «erde, wenn ein Wagen vorüberfährt."
Zugleich mit den Wunderländern des Islam fesselte und fascinirte ein anderes Bild feine Gedanken; er sah, glänzend geschmückt, voll Eleganz, eine Frau der alten Gesellschaft vor sich, der er sein Herz, seinen Namen geben würde und die ihm zum Tausche dafür das häusliche Glück, auch Wohlhabenheit und den Eintritt in die sich neu bildende Gesellschaft zu- brachte.
Ein lärinendes Ereigniß ließ diese Träumereien wirklich werben.
Der Convent hatte seine arbeitsame und fruchtbare Laufbahn beendet, die Constitution des Jahres III war fein ueberrest. Als der Convent stch zurückzog, hatte er entschieden, baß zwei Drittel der Conventmitglieder auf ihren Sitzen bleiben sollten. Dieses Decret erregte in Paris einen Aufstand. r Am 11. Vendömiaire (3. October 1795) versammelten ich die Wähler der verschiedenen Sectionen im Odeon und am 12. griffen die Wähler der Seetion Lepelletier zu den Waffen. General Menou, der den Befehl empfing, die See-
tionen zu entwaffnen, ließ sich überrumpeln. Er verließ das Kloster der Filles St. Thomas, heute der Bauplatz der Rue du 4 Septembre und der Rue Vivienne, als Parlamentär. Die Insurgenten triumphirten. Es war 8 Uhr abends.
Bonaparte befand sich im Theater Feydeau. Von den Ereignissen überrascht, begab er sich in die Versammlung. Man besprach die zu ergreifenden Maßregeln und suchte einen General zum Ersatz» für Menou.
Varras, der designirt war, die Ordnung äufrecht zu erhalten, erinnerte sich wieder au Bonaparte, den er von Toulon kennen und schätzen gelernt hatte.
Am Morgen de» 13. Vendömiaire fegte Bonaparte die Sectiontsteu vor der Kirche St. Roche hinweg und ward zum General des Innern ernannt.
Diesmal hielt er das Glück fest und lies es nicht mehr los. Am Abend vorher mittellos und ohne Hilfsquellen, sah er stch plötzlich als Herrn von Paris und bald der Nation. Sein Stern, abwechselnd strahlend und erbleichend, glänzte endlich klar und fest am 'Firmament. Zwanzig Jahre lang sollte er der Pharus des geblendeten Frankreichs sein.
XXII. , $
Aeyette.
Blitzschnell wie die Prinzesstnnen der Feenmärchen, deren Paläste aus Kürbissen auftauchen, metamorphostrte sich Bonaparte und änderten sich die Dinge um ihn.
Er installirte sich im Hauptquartier in der Rüe de Capueines, Junot und Lemarvis befanden .sich neben ihm. Sein Onkel wird nach Paris berufen, um ihm als Secretär zu dienen. Das erste Geld, welches ihm der Schatzmeister aursetzt, verwendet er, um seiner Familie beizuspringen. kEr schickt fünfzigtausend Franks seiner Mutter, indem er sich begnügt, sich ein paar schöne neue Stiefel zu kaufen, auf die er schon lange Lust hatte, und sich eine glänzende Goldstickerei an den Anzug nähen zu lassen, den er der Fürsprache Madame Talliens dankte.
Er beeilte sich, den Einfluß zu benützen, um seine Brüder unterzubringen.
Lucien nimmt er mit dem Grade eines Kapitäns zum Flügeladjutanten und erbittet ein Confulat für Josef; ins College, wo Jerome sich befindet, schickt er Geld, ordnet den Rückstand und befiehlt, daß man ihn dis H schönen Künste, Zeichnen, Mustk lehre.
Beruhigt über das Schicksal der Seinen und der eigenen Zukunft sicher, wieder General geworden und vor die Wahl gestellt, ein vortheilhaftes Commando zu haben, denn der Convent kann seinem Retter nichts verweigern und das Directorat, das seine Functionen antritt, seinen Degen nicht entbehren, kehrt er wieder zu seinen Heirathrplänen zurück.
Eine reiche Heirath mit einer Frau, die ihm Vermögen, Einfluß, das sociale Gewicht, die ihm mangelten, gaben, die Spur des einstigen Elends auslöschen und Helsen würde, seinen Rang zu behaupten — das war das Ziel seines Ehrgeizes.
Aber Bonaparte, dieser unbeugsame Mathematiker, dieser mächtige und unfehlbare Geist, sollte wie der naivste junge Mann die Herrschermacht jenes stürmischen Muskels kennen lernen, der die Handlungen der Menschen regelt und ost in Regellostgkeit versetzt.
Er verliebte stch.
Mit dem Leichtsinne eines Schulknaben ließ er sich in der Falle einer Koketten in abnehmendem Alter fangen, jener Creolin, die ihn erst an dem Tage liebte, da der Kaiser ihr da» Kaiserinndiadem abnahm, das er thörichterweise auf ihre Stirne gesetzt hatte.
Bei Madame Tallien, welcher der General vom Vends- miaire den Dank für die Aufnahme abstatten kam, die sie dem mittellosen Offizier vom vorigen Monate gewährt hatte, begegnete Bonaparte der Wittwe Beauharnais.
Diese Wittwe Beauharnais war eine Creolin von den Antillen.
Sie nannte sich Marie Josephe Rose Lascher de la Pagerie und war am 23. JuliZ1763 in sder Pfarre Rotte


