Ausgabe 
27.6.1895
 
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faßen ließ,Du gehst nicht zur Armee? Guter Gott, was willst Du denn in Amerika thun?"

Ich will, daß Ihr mir gestattet, Renöe, Eure Tochter, als meine Gattin mitzunehmen," sagte der junge Mann mit Energie.Dort drüben werden wir eine Familie gründen, dort drüben werden wir unter den großen Bäumen in der Einsamkeit glücklich werden."

Renöe war auf Brisöe zugeeilt und rief:Ja, Vater, komm' mit uns nach diesem Amerika, das ich nicht kenne, das aber sehr schön sein muß und das ich schon liebe, weil Marcel sagt, daß es sich dort so gut leben lasse I"

Der Forstwart war erregt aufgesprungen und apostro» phirte seine Frau, die unbeweglich, als hätte sie nichts gehört, fortfuhr, ihre Nadel mechanisch durch den Stoff zu ziehen.

Das sind schöne Sachen I Renöe nach Amerika führen! Heiräthen! Nun, was sagst Du dazu, Alte?"

Ich sage, daß das Dummheiten sind," antwortete sie mit scharfer Stimme.Es ist Zeit, daß das ein Ende nimmt. Brtsöe, Du mußt den beiden Turteltauben erklären, wie die Sache steht. Sie wissen nicht, daß sie nicht zusammen» paffen. An Dir ist's, sie aufzuklären."

Brisöe enthüllte nun Renöe, daß sie die Tochter des Grafen von Surgöres sei und . nicht die Frau eines Müllersohnes werden könne.

Ueberrascht und bestürzt verwünschte Renöe diese adelige Abstammung, die ihrem Glücke ein Hinderntß wurde, aber sie sagte sich auch, daß ihr Vater, der sie der Sorge fremder Leute anvertraut hatte, weder über sie verfügen, noch sie hindern könne, sich dem Manne, den sie liebe, hinzugeben. Durch ihre unregelmäßige Geburt stand sie außerhalb der Gesellschaft warum sollte sie die Grenze nicht endgiltig überschreiten?

Damals wehte der Athem der Revolution überall und legte die Keime von Freiheit und Unabhängigkeit in die ruhigsten Geister, selbst in die Seele eines so jungen Mädchens wie Renöe.

Marcel jedoch überlegte. Die neue Lage Renörs warf alle seine Pläne über den Haufen und brachte ihn außer Fassung. Der Adel, dem Rerwe angehörte, erschien ihm zwar ebenfalls als kein ernstes Hinderniß, denn die Revolution hatte alle Privilegien abgeschafft und alle Menschen für gleich erklärt. Aber Renöe war reich, sie durfte nicht, wie sie e» wollte, dem Sohne eines ruinirten Müllers folgen: was in ihren Augen nur Liebe und Jugendfeuer war, mußte für schlaue Berechnung von seiner Seite gelten. Rein, er durfte das Opfer Renöes nicht annehmen, er mußte allein nach Amerika.

Sein Entschluß war rasch gefaßt und er wollte seine Absicht, aurzuwandern, erklären, al« an die Thür geklopft ward.

Mutter Brisse ging öffnen. Bertrand Le Goöz erschien. Er war mit der Schärpe umgürtet und von zwei Com- miflären begleitet, die Hüte mit trikoloren Federn und die Abzeichen von Municipaldelegirten trugen. Als Brisse sein Erstaunen über den Anblick der drei Personen ausdrückte, wandte sich Le Goöz zu einem der Commiffäre und sagte, indem er auf den jungen Mann deutete:Bürger, das ist Marcel! Thut Eure Pflicht!"

Ihr wollt mich verhaften?" sagte Marcel erstaunt. Was habe ich gethan?"

Wir wollen Dich einfach fragen, Bürger, ob es wahr ist, daß Du im Begriffe bist, auszuwandern, Dein Vater­land und Deine Fahne zu verlaffen, so wie Dein Vater erklärte?"

In der That, ich hatte diese Absicht."

Ihr hört es!" sagte Le Goöz triumphirend und die Commiffäre zu Zeugen nehmend.

Du willst also auswandern? Die Waffen gegen Dein Vaterland ergreifen? Weißt Du nicht, daß das Gesetz

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alle bestraft, die in einem solchen Augenblicke desertiren? Antworte!" '

ixx desertire nicht, ich emigriere nicht, ich kann blei nicht länger hier leben. Die Armuth verjagt mich und di Meinigen. Ich will unter einer anderen Sonne Arbeit und Freiheit suchen!"

Die Freiheit ist unter der Fahne der Nation zu finden- fuhr der erste Commiffär fort.Was Arbeit anbelangt, i, wird die Nation Dir welche geben. Du bist Arzt,ß hat v uns gesagt?"

Ich werde es bald sein, nur ein Diplom fehlt * noch . . .

»Du wirst es erhalten im Regiment."

Im Regiment? Was wollt Ihr damit sagen?"

Wir haben eine Requisitionsordre für Dich," fprai oer zweite Commiffär.Unseren Armeen mangelt es Aerzten, und ich und mein College sind beauftragt, solch herbeizuschaffen." w

Er reichte dem überraschten Marcel ein Papier.

Unterschreibe, und in vierundzwanzig Stunden hast

in Anger» zu sein. Im Depot wird man Dir sagen, welchen!

Corps Du zugetheilt bist." !

Und wenn ich nicht unterschreibe?"

Verhaften wir Dich sofort als Widersetzlichen, ch Auswanderungsagenten, und schicken Dich nach Anger«, M ins Gefängniß. Vorwärts, unterschreibe."

Marcel zögerte. Goöz wandte sich blinzelnd m ta Commiffäre» und sagte halblaut:Ihr hättet mir N« folgen und ihn gleich verhaften sollen. Er wird nicht * schreiben, das ist ein Aristokrat, ein Feind des Volkes!"

Renöe trat mittlerweile auf Marcel zu, ergriff die geb«, A<hte sie ihm und flüsterte leise:Unterschreiben SV Marcel, e« muß sein ich wünsche er!"

Sie wollen also, daß ich Sie verlasse - damit ®i ^r?heidigungrlos allen Versuchungen dieses Elenden auegefejl stud, sagte er, auf Le Goöz deutend.

Unterschreibe ich folge Dir, ich schwöre er!" Wirt Rense.

Marcel machte eine Bewegung.

Du unter den Soldaten, Du im Heer!" rief et mit leiser Stimme.

Warum nicht? Ich bin ein Knabe, ich weiß eilt Gewehr zu handhaben, frag' nur den Vater! Vorwäiü unterschreibe!"

Marcel ergriff die Feder und unterschrieb mit nervb!« Hand, dann wandte er sich zu den Commissären:WO habe ich zu gehen? '

Nach Angers, wo das Bataillon von Mayenne-et-Lck gebildet wird. Glück auf, Bürger Arzt!"

Ich danke Euch, Bürger Commiffäre."

Und zu mir sagst Du nichts?" fragte Ls Gosz!» spöttischem Ton.

Marcel wie« ihm die Thür. (Fortsetzung folgt)

Vermischtes.

Sie kennt ihn. Arzt:Nach Ihrer Beschreibung!» das Leiden Ihres Mannes noch nicht schlimm; ich gebe ID ein Recept mit und sagen Sie Ihrem Mann, er soll mal »I« Wochen lang das Bier meiden!" Frau:Möchten mtr das nicht auch schriftlich geben, Herr Doctor, mir glaubt er's net!"

Ein guter Kerl.. . . Du erinnerst Dich doch, Männchen, wie ich vor drei Monaten so stark Migräne hatte?" Gewiß I . . . Das war ja damals, als ich Dir das feibene Kleid kaufte!" -Denk' Dir, dieselben Schmerzen habe ich auch heute wieder gehabt aber lange nicht so schlimm, da» letzte Mal!" -Nun, das Kattunkleid sollst Du auch haben!"

«edaction: A. Vcheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen UniverflMk-Buch- und Cteindruckerei (Pietsch & Schehda) in «eßen.