- M
bte längere Abwesenheit des jungen Mannes und begab sich nach einer abgelegeneren und weniger belebten Stelle des Eises.
Cora hätte unmöglich sagen können, was sie trieb, sich ebenfalls der Seite zu nähern, der sich die junge Dame zu- gewendet hatte . . . entweder war es das außergewöhnliche Interesse, das sie an der guten Schlittschuhläuferin nahm, öder sie war der Menschenmenge müde.
Die schöne junge Dame lief entweder aus Aerger oder Uebermuth dem grau aussehenden dünnen Eise zu, ohne der drohenden Gefahr zu achten-
Und in demselben Augenblicke, als Cora sich mit ihren Zöglingen der Stelle näherte, wo die junge Dame endlich in ihrem Lause zum einem Stillstand kam, stolperte dieselbe und fiel . - . dann folgte ein Krach, ein Schrei... und ehe die entfernten Schlittschuhläufer auch nur die Gefahr erkannten, war die junge Dame mit ihren schweren Kleidern unter dem Eise verschwunden.
Coras erschreckte Begleiterinnen schrieen laut auf, aber Cora selbst raffte sich nach dem ersten lähmenden Schrecken zu rascher Thättgkeit auf.
Sie warf Muff und Schirm auf die Erde und flog mehr als sie lief der Stelle zu, an welcher die junge Dame verschwunden war.
Da bemerkte sie, daß sich ein dunkler Gegenstand wieder der Oberfläche näherte und rasch griff sie darnach.
Ihre Füße verloren den Halt, ihre Hände erstarrten in dem eiskalten Wasser, aber doch wollte sie die Untergesunkene noch nicht loslassen. Sie fühlte, wie sie selbst sank und dennoch hielt sie die Dame fest ... mit der einen Hand, während sie mit der andern einen schwachen Versuch machte, in dem durch das Lorbrechen des Eises immer größer werdenden Raume zu schwimmen- In krampfhafter Verzweiflung umklammerte sie die Last, die sie hielt-
Im nächsten Moment hatte sie ein schwaches Gefühl von einem festen Griff, aber Alles war dunkel und verschleiert- Sie wußte nicht, was weiter geschah, bis laute Fremdenrufe sie aus ihrer Betäubung weckten.
sie gerettet . • . lebt sie?" hauchte sie.
„Ja, ja ... sie wird sich bald erholt haben," entgegnete ein derber Fischer. „Sie sind ja eine wahre Heldin," fuhr er fort. „Sie sind zur Frau eine« Admirals wie geschaffen, junge Dame. Meinen Sie nicht?" wandte er sich an einen Herrn, der neben ihm stand.
„In Bezug auf das Alter nicht gerade, mein braver Bursche," läutete die Antwort. „Man müßte denn jetzt schneller avanciren, als in meinen jungen Jahren. Aber komm', Granville. Was wollen wir jetzt zunächst thun? Soll ich gehen und es Deiner Mutter sagen?" fuhr er zu dem jungen Mann gewendet fort, dessen Unhöflichkeit die ursprüngliche Ursache des ganzen Unglücks gewesen war.
„Das wäre mir allerdings lieb, Onkel Fulke," versetzte der junge Mann mit verlegener Miene. „Meine Mutter wird halb von Sinnen sein, wird nicht an Trissas Rettung glauben, bevor sie dieselbe vor stch erblickt."
„Ich will mein Möglichstes thun und inzwischen thätest Du gut, Dich um diese junge Heldin zu kümmern und sie zu veranlassen, Deine Schwester nach Hause zu begleiten."
„Aber sie kann ja nicht," schluchzte eine der Schülerinnen. „Sie muß mit uns zu Miß Minchin zurückkehren. Ohne sie finden wir den Weg nicht."
„Wer ist Miß Minchin und wer ist diese junge Dame?" fragte Sir Fulke, während Granville Digby mit schlecht verhehltem Interesse auf die Antwort wartete.
,Miß Minchin ist unsere Schulvorsteherin und hier ist Mrß Cora vom Meere, unsere deutsche Lehrerin," entgegnete die Gefragte- ärgerlich.
„3$ werde Ihnen Jemand zur Begleitung mitgeben und Miß Cora wird Ihnen folgen, sobald ste sich erholt haben wird, erwiderte Sir Fulke ruhig. „Ich werde morgen Ihrer Vorsteherin einen Besuch machen und ihr Alles erzählen. Geben sre ihr diese Karte und ste wird beruhigt sein."
Mit diesen Worten reichte er der Schülerin seine iarte, besprach sich mit dem Fischer, der um Cora« willen so viel Eifer zeigte und bewog ihn, die jungen Dämchen nach Hause zu begleiten, sprang dann in seinen Wagen und fuhr so schnell als möglich Fräulein Digbys Wohnort zu.
Inzwischen war Cora rasch wieder zu sich gekommen. Sie war kein so zartes, gebrechliches Geschöpf, da« unter den Folgen eines unfreiwilligen Bades oder auch nur des Schrecken« zusammenbrechen konnte. Und lange bevor Trifla Digby ihre schmachtenden Augen geöffnet und hin und wieder tiefe, schmerzvolle Athemzüge gethan hatte, stand ihre Retterin besorgt neben ihr, beobachtete, wie ste wieder zu stch kam und beruhigte sie durch den warmen Druck ihrer Hände und den ermuthigenden freundlichen Ton ihrer Stimme.
Abgesehen von dem nassen Kleide und dem verwirrten Haar hätte man nicht ahnen können, daß die junge Trösterin in fast ebenso großer Gefahr geschwebt hatte, wie die Kranke. Und al« Granville Digby sie endlich sehen konnte, zog die Fremde ihn vielleicht mehr an, al« seine eigene Schwester.
„Triffa, kannst Du mir verzeihen, daß ich Dich verließ?" sagte der junge Mann, indem er sich dem Stuhle näherte, in welchem die Angeredete zurückgelehnt lag, stch zu ihr niederbog und sie auf die weiche Wange küßte.
„Ja," erwiderte sie ziemlich kühl, „wenn Mama Dir verzeihen kann, will auch ich Dir vergeben. Aber, bitte, laß uns jetzt nach Hause gehen. Ich muß ruhen . . . muß mich zu Bette legen."
„Und diese junge Dame wird uns begleiten?" sprach Granville mit einem schüchternen Blick auf Cora. „Hast Du ihr gedankt, wie ste es verdient, Trifla?"
„Ich kann Sie nicht begleiten," erwiderte Cora rasch. „Ich muß jetzt nach Hause gehen, sonst habe ich Unannehmlichkeiten."
„Rein! Das werden Sie nichtI" antwortete Granville entschieden. „Mein Onkel hat schon Alle« für Sie besorgt. Die Kinder sind nach Hause geschickt worden und der Bote wird schon dafür Sorge tragen, daß Sie kein Tadel trifft. Liebe Triffa, fühlst Du Dich wohl genug, um jetzt nach Hause zu kommen?" wandte er sich zu seiner Schwester, die eben versuchte, sich von dem Stuhle zu erheben.
„Ja, ja . . . bringe mich gleich nach Hause," lautete die klägliche Antwort.
Und langsam, von ihrem Bruder und einigen Fischern unterstützt, ging Triffa Digby auf den Wagen zu, der auf sie wartete.
Cora folgte ihr und nach kurzem Aufenthalt fuhren ste nach Park Crercent, der Wohnung von Frau Digby, der ver- wittweten Mutter der Beiden, die auf so seltsame Weise mit Cora bekannt wurden. (Fortsetzung folgt.)
Madame Sans GAe.
Roman «ach Bictorten Sardou und F. Morr«««.
Deutsch von Ldel« Verger.
(Fortsetzung-)
„Du hast Dich also anwerben lassen, Junge?" sagte der Wächter. „Sehr gut, sehr gut, Du machst es also wie die Andern. Brav! Ich hoffe, Du wirst ein paar von diesen Feinden tödten, nur schade, daß Du nie einen Schuß abgeben konntest! Du bist nicht wie Renöe, die gäbe einen famosen Soldaten ab. Aber es wird schon kommen, Du wirst e« schon lernen. Muth Marcel!"
Rense war schwankend, mit plötzlich erblaßtem Gesicht aufgestanden.
„Ich verlasse das Land, weil ich nicht mehr unter den Drohungen der Einen und den Beleidigungen der Anderen leben will," fuhr Marcel in wachsender Bewegung fort. - Vater Brisee, ich gehe mit meinen Eltern, die ebenfalls verjagt wurden, nach Amerika."
„Wie!" rief Brisse erstaunt, indem er seine Flinte


