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Untrrhaltimgsbtelt pim Gießener Anzeiger (General-Anzeiger).
Die Tochter des Meeres.
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(Sortsetznng.)
XXXIII.
Graf Treville blieb seinem Worte treu. Alles, was er angeordnet, wurde so genau beobachtet wie in einem Kloster. Doch war eine Veränderung mit ihm vorgegangen. Alle seine Diener sahen cs und einige der älteren und bevorzugteren sprachen untereinander davon oder zeigten es durch Zeichen, Worte und Blicke, die vielleicht eine doppelte Bedeutung hatten. Und unter diesen war der kühnste und doch auch der vorsichtigste der alte Diener des Grafen, der ihn in früheren Jahren auf seinen Reisen begleitet hatte. Dieser Diener Namens Ponsford war wohl einer der wenigen seiner Klasse, dis sich so lange und ununterbrochen de« Grafen Gunst erfreuten. Er war schweigsam, zurückhaltend und, wie die Erfahrung lehrte, seinem Herrn in allen Lagen treu und ergeben.
Einige Wochen nach der Ankunft der beiden Damen war er eben dabei, die Toilette seines Herrn für das Mittagessen zurechtzulegen, als der Graf so plötzlich und doch so geräusch- los eintrat, daß der Diener heftig erschrack- ,U11 «dVas ist Ihnen, Ponsford? Man sollte meinen, Sie hätten ein Geheimniß zu verbergen," bemerkte Graf Treville «nli*? Kacheln, das man nur selten auf seinem strengen Gesichte sah.
„Vielleicht ist es auch wirklich so, Mylord, und ich werde es so lange als möglich verbergen," lautete die bedeutungs. bannte^ntwort' welche die Heiterkeit von des Grafen Antlitz
. »24 kenne Ihre Treue recht gut, Ponsford," erwiderte
der Graf, indem er sich auf seinen gewöhnlichen Platz setzte, ebensogut, daß ich sie zu schätzen weiß, denn Sie sind da» einzige menschliche Wesen, das mein Vertrauen hat und das ohne eigennützige Gründe Interesse an mir nimmt." h-ben recht, gnädiger Herr," erwiderte der alte ^treuherzig „doch wenn Miß Retta Sie liebgewönne, Ihnen ein ^ost, könnte sie wie eine Tochter zu
„Nie! Ich glaube, wenn sie vernünftiger erzogen worden wäre, hätte sie vielleicht ihr eigenes Interesse besser wahrgenommen. Doch so ist sie hart wie ein Kieselstein und flatterhaft wie eine Feder. Sie kann mir stets nur ein Aerger- niß sein, bis irgend ein unglücklicher Thor, von ihrer Schönheit und ihrem Reichthum geblendet, sie heirathet. Doch, Ponsford," fuhr er fort, „ich würde die Hälfte meines Ver» mögens für ein Kind hingeben, wenn ich ein solches besitzen könnte. Durch Nettas Hiersein hat sich das ruhelose Sehnen vergrößert, daß es mich noch tausendmal mehr nach Liebe und Gesellschaft verlangt."
„Es ist schade, jammerschade!" sagte der Diener nachdenklich.
„Was ist schade, Ponsford?"
„Daß der gnädige Herr keinen Sohn hat," lautete die Antwort.
„Einen Sohn! Ich würde mit viel weniger zufrieden sein: Ich würde mit größter Liebe an einer Tochter hängen, wenn mir dieses Glück zu Theil geworden wäre- Ponsford, während ich Anderen kalt, hart und gefühllos erscheine, quält sich mein Herz mit der Erinnerung an die Vergangenheit."
„Das ist nutzlos, Mylord. Genießen Sie lieber die Gegenwart nach besten Kräften," lautete die Antwort. „Es ist unmöglich, die Vergangenheit zurückzurufen, und auch wenn dies möglich wäre, würden Sie es vielleicht bereuen-"
„Ponsford, es ist nicht unmöglich! Warum sollte ich nicht die Verbannte wiederfinden und meinen Fehler wieder gut machen können?"
Ponsford sah seinen Herrn an, al» fürchte er, derselbe habe den Verstand verloren, und sagte dann leise: „Der gnädige Herr vergißt gewiß, daß sie ... ich meine ... Sie wissen, daß Ihnen nicht nur ihr Tod angezeigt wurde, sondern Sie sind auch im Besitze ihres Todtenscheins. Sie können doch nicht an der Echtheit dieses Documentes zweifeln?"
„Nein, nein," versetzte der Graf. „Doch es war ein Kind vorhanden ... das können Sie doch nicht bezweifeln, Ponsford . . . obwohl ich nichts Näheres weiß. Ich weiß gar nicht, ob es ein Knabe oder Mädchen war und was später aus ihm wurde . . . Ponsford," fuhr er in leisem, erregtem Tone fort, „ich habe ein nicht zu unterdrückende« Verlangen, mehr darüber zu erfahren. Können und wollen Sie e« über-


