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„Im Ernst, Papa, ich habe die Rolle des Klärchen im „Egmont" zu lernen und das geht am besten in der Nacht, wenn es recht still ist."
„Mein Liebling! Mein geliebtes Kind! Auf Wiedersehen!" (Fortsetzung folgt.)
Gsin-innUtziges.
Vertilgung der Engerlinge. Man macht an verschiedenen Stellen im Garten Löcher und füllt dieselben mit Stallmist. Das Ungeziefer sammelt sich in denselben, so daß man es leicht vertilgen kann. Im Frühjahre suchen auch die Maikäfer solche auf und legen ihre Eier hinein. Man muß dieselben dann später mit siedenden Wasser brühen oder den Hühnern vorwerfen.
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Gegen Engerlinge auf Erdbeerbeeten wird empfohlen, Salat zwischen die Erdbeeren zu pflanzen; die Engerlinge sollen diesen vorziehen. Sobald eine Salatpflanze anfängt, welk zu werden, was ein Zeichen ist, daß ein Engerling an der Wurzel nagt, ist sie herauszunehmen und der betreffende Engerling zu fangen.
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Um eine besonders gute Gurrenernte zu erzielen, ist es empfehlenswerth — namentlich für einen leichten, sandigen Boden — die Rillen, in die man die Gurkenkerne legen will, recht tief zu ziehen, und sie zur Hälfte mit Com- post zu füllen. Etwa 14 Tage lang lasse man sie mit dieser Füllung ruhig liegen, erst dann stecke man die Gurkenkerne hinein und bedecke dieselben völlig mit Erde.
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Die Mistbeete und Glashäuser sind fleißig zu lüften; die im Keller oder Zimmer untergebrachten harten Pflanzen können ins Freie, die weicheren Pflanzen dagegen müssen an’S Licht gebracht werden. Die verdorrten oder faulen Blätter werden von den Pflanzen entfernt. Bei dieser Gelegenheit nimmt man die alte Erde in den Töpfen bis auf die obere Wurzelschicht hinweg und ersetzt sie durch eine gute nahrhafte Mistbeeterde. Von Fuchsien, Pelargonien, Heliotropen, Zantaneu und anderen krautigen und holzigen Pflanzen werden Stecklinge gemacht; die Begonienknollen werden heraus» genommen, abgeschüttelt und in gute, frische, fette Erde neu eingepflanzt und warm gestellt; desgleichen die seit Herbst aufbewahrten Knollen und Zwiebeln von Gloxinien, Gesnerien, Canna und Lilien.
Wer in nicht günstigem Boden schöne Rosen ziehen will, legt am besten einen Composthaufen an, worin milder Lehm, Rasenerbe und Dungstoffe reichlich vertreten sind, so daß die Pflanzenerde nicht erst gemischt zu werden braucht. Im Sommer wird derselbe öfters mit Mtstjauche begossen und mit Superphosphat überstreut. Wird Abtrittsdünger immer stark mit Erde vermischt, so gibt er einen außerordentlich wirksamen Rosendünger.
Der Gummibaum wird durch Stecklinge vervielfältigt. Man schneidet Triebe von 4 bis 6 Blättern vom Mutterstock und läßt sie nach Entfernung der untersten zwei Blätter einige Tage trocknen. Darauf steckt man sie in Weinflaschen, die mit Regenwaffer gefüllt sind und zwar so, daß die Schnittfläche 2 bi? 5 Centimeter im Wasser zu stehen kommt. So werden sie an das Fenster gestellt. Rach einigen Wochen sind dem Stengel entlang einige Wurzeln erschienen. Jetzt erst werden sie gepflanzt und ihnen wiederum ein Platz am Fenster angewiesen.
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Gelernten Dompfaffen muß man während und nach der Mauser die erlernte Melodie öfters in der gleichen Tonlage, als wie sie vom Vogel in gleicher Weife vorgetragen wird, vorpfeifen, da er dieselbe leicht vergißt oder wenigstens zu stümpern anfängt.
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V-rmMcht-s.
Mißverstanden. Frau: „Jean, mein Mann fühlt sich heute nicht recht wohl — bringen Sie ihm eine Wärmflasche!" — Jean: „Sofort, Rum oder Cognak?" £ *
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Aus der Schule- Lehrer: „Wie hieß der germanische Kriegsgott?" — Schüler: „Donner!" — Lehrer: „Richtig! . . Und sein Weib?" Schüler: „Doria."
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Zart ausgedrückt. Durchlaucht (bei strömendem Regen): „Run, Herr Bürgermeister, was sagen Sie zu diesem Wetter?" — Bürgermeister „Durchlaucht — ’s ist ’n Borsten, thierwetter."
Literarisches
Alphonse Daudet schien in seinen letzten Werken, durch geistige . und körperliche Leiden gehemmt, ein Nachlassen seiner künstlerischen Kraft I zu verrathen; in seinem neuesten Roman, „La petite Paroisse“, zeigt i sich dieser feinste und am meisten französische unter allen modernen l franzvschen Erzählern wiederum auf der vollen Höhe seiner Kunst und seines unvergleichlichen Talentes. Unter d-m Titel „Die kleine Kirche" veröffentlicht jetzt die bekannte Halbmonatsschrift fremden (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt) eine Uebersetzung dieses ebenso unterhaltenden als künstlerisch vollendeten Romans, die, soweit man nach dem Vorliegenden urtheilen darf, den ganzen pikanten Reiz des Originals meisterhaft wiedergibt. Das überaus farbige, frische und anmuthige Charakterbild aus Japan, „Madame Fchrysanthöme" von Pierre Loti, mit dem die genannte Zeitschrift den laufenden Jahrgang eröffnete, ist inzwischen zuEnde gegangen ; die beiden großen Romane „Wassili Tjorkin" von P. Boborykin und „Teß" von Thomas Hardy entwickeln sich zu breit angelegten, überaus fesselnden Culturgemälden, die sich wirkungsvoll von einander abheben. Die kleinen Erzählungen, von denen jedes Heft bekanntlich eine bringt, zeichnen sich durch OriginalWt und Mannigfaltigkeit aus; den Preis verdienen: „Ein Frühlingstraum', aus dem Neuisländischen, von Gestur PÄsson, die „Stria", aus dem Italienischen von.Antonie Fogazzaro, der „Tscherkeß", aus dem Russischen von Korolenko und „Im Frühling", aus dem Französischen von Guide Maupassant. Die Feuilletonrubrik „Aus Diesem und Jenem" enthält eine Reihe ungewöhnlich geistvoller und origineller Aufsätze erster Autoren wie: „Der Selbstmord aus Liebe" von Lombroso, „Dichtkunst und Dichter in China" von Barthölemy Saint-Hilaire, „Der Journalismus in Japan" von Motoyosi-Saiso, „Das dritte Geschlecht" von Guglielmo Ferrero u. s. w.
„Weibliche Anziehungkraft", das prächtige Bild von Hans Dahl, auf dem drei prächtige norwegische Mädchen einen Burschen im Kahn vermittelst eines Seiles an's Ufer zu ziehen suchen, bildet den Hauptschmuck der soeben erschienenen Nummer 16 der „Moder««« Kunst" (Verlag von Rich Bong, Berlin, ä Heft 60 Pfg.). Das Heft ist eine jener Künstlernunrmern, in denen die Eigenart eines Künstlers an einer Reihe seiner Werke gewürdigt wird. Georg Malkowsky benützt die Gelegenheit, an den Werken Hans Dahls zu zeigen, daß es auch nach gesunde, daseinfreudige Künstler gibt, denen das Leben nicht durchaus als ein Jammerthal erscheint. Neber den sonstigen reichen Inhalt der Nummer möchten wir noch besonders die „Augenblicksbilder aus dem Reichstage" von Paul Liman hervorheben. Die bekannten Parlamentarier werden da in zwanglosen Gruppen portraitirt vorgeführt und in kurzen treffenden Worten ohne Rücksicht auf ihre Parteistellung characterisirt. In längerer Ausführung bespricht Georg Buß die Anwendung der Farbe in der Plastik und erläutert unter Hinweis auf ältere und neuere Bildwerke die prunkvolle Verwendung von Metall und Elfenbein in der Sculptur.
„Der Dtein der Wei tu“ eröffnet sein diesmaliges (9.) Heft mit einer gediegenen Studie über „Die Formen der Erdoberfläche," an welche sich eine umfassende Abhandlung über „Hypnose und Suggestion" (mit interessanten Abbildungen nach der Natur) «»schließt. Weiter folgt eine anziehende Skizze über „Farbe und Duft der Blumen", sodann eine Biographie des berühmten deutschen Astrophysikers „Prof. Dr. H. C. Vogel" (mit Porträt), schließlich „Die Einrichtung von Brod- fabriken" (mit Abbildungen) und eine sehr instruetive naturwissenschaftliche Plauderei über „Staub". Eine ansehnliche Zahl kleinerer Mittheilungen (illustrirt mit 17 Abbildungen) vervollständigen den reichen Inhalt des vorliegenden Heftes. Wir haben es wohl nicht nöthig, auf die lobens- werthen Leistungen dieser Zeitschrift (3t. Hartlebens Verlag, Wien), welche sich mit Recht großer Beliebtheit erfreut, hinzuweisen. Jedes Heft bringt Neues und Gediegenes und in Bezug aus die Fülle der Abbildungen scheint die Leitung der Revue über unerschöpfliche Vorräthe zu verfügen.
Hetadien: A. Echetzda. — Druck und Beriog der Brühl'schen UmurrfitätS-Buch- und Gteindruckerei (Pietsch & Schehda) in Gießen.
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