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„So! Das wußte ich nicht! Aber es scheint nicht, als rühme sich Wildenstein dieser Leuts, denn noch neulich beim Bazar hat er die hübsche Kleine nur ganz förmlich angeredet."
„Du hast Deine Sache nicht gut gemacht, mein Lieber," unterbrach die Fürstin ihren hoffnungsvollen Neffen streng, „es wäre mir sehr lieb gewesen, wenn Du auf eine feinere, geschicktere Art Fräulein Nora dazu bestimmt hättest, Deine Frau zu werden. Sie hat Geld und Du nicht. Zudem würdest Du die ehelichen Fesseln Dir nicht allzuschwer gemacht
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„O nein," lachte der Prinz selbstgefällig, „dazu habe ich mehr als ein gutes Beispiel um mich her. Aber ich habe mit dem Grafen böse Worte gewechselt und — diese fatale Duellsache ist störend. Ich hätte sonst jedenfalls noch versucht, Fräulein Nora umzusttmmen; so aber reise ich mit dem Einuhrzuge ab."
„Hm, entschuldige Dich brieflich bei dem Grafen. Das Ganze war ja nur eine Bagatelle, ein Scherz."
„Das meine ich auch. Keine andere Schauspielerin würde aus der Sache solch' Aufhebens gemacht haben; sondern es ist übrigens für dieses kleine Fräulein doch eine ganz besondere Ehre, Fürstin Porscu zu werden."
„Das fragt sich noch," tönte von der Thüre her eine zornbebende Stimme, und zwischen der halboffenen Pottiöre stand Graf Wildenstein, drohend, bleich wie ein Gespenst. Tante und Neffe fuhren erschrocken zurück. Dann wollte die erstere vermittelnd dazwischen treten, doch Graf Wildenstein beachtete sie gar nicht.
„Es fragt sich sehr," fuhr er verächtlich fort, „ob ein anständiges Mädchen gewillt ist, die Gattin eines solchen Rouö, eines ehrlosen Buben zu werden, dem der Ruf eines Weibes nur eine Bagatelle scheint."
„Herr Graf, ich ahnte nicht Ihre Anwesenheit," stotterte Gregor blutroth, „es ist nicht ehrenhaft, Menschen zu be-
lauschen."
„Die von ehrlosen Angelegenheiten sprechen, sollten Sre sagen, mein Bester. Drß ich Sie noch einmal zu sprechen bekomme, ist mir lieb, denn Sie scheinen durchaus nicht gewillt, die Waffen mit mir zu kreuzen."
„Ich bin — ein principieller Gegner des Duells."
„Weil dasselbe Ihr kostbares Leben gefährdet- Und diesen Menschen, Durchlaucht, wollten Sie für die Tochter Derjenigen haben, welche Sie einstmals Freundin nannten?"
„In dem Punkte, lieber Graf, stehe ich völlig auf Ihrer Seite; wer seinen Namen, seine Familie nicht achtet, der existirt für mich nicht!"
„Sonderbare Logik! Und dabei wollten Sie den Prinzen Porscu mit einer bürgerlichen Schauspielerin verheirathen! Daß aber jener niedere Plan, Nora zu überrumpeln, von Ihnen ausging, Melanie, hätte ich doch nicht für möglich gehalten."
»Ich — ich liebe — diese beiden Kinder und — da ich um Gregors Leidenschaft für Nora wußte erklärte die
Fürstin zitternd.
„Leidenschaft beglückt niemals, besonders eine so elende, gemeine, wie die Ihres liebenswürdigen Neffen "
„Geh' hinaus, Gregor," befahl die Fürstin erregt, „ich habe mit Graf Wildenstein zu reden."
„Mit Nichten, Durchlaucht. Wenn der Prinz nicht Fräulein zur Stetten in meiner und ihres Vaters Gegenwart um Verzeihung bittet, so erkläre ich ihn für ehrlos, mag daraus entstehen, was immer will. Solch' einen Bubenstreich verzeiht ein ehrlicher Mann nicht."
Der Prinz wollte auffahren, er zitterte wie Espenlaub, aber die Fürstin legte ihre Hand auf seinen Arm und antwortete hastig an seiner Stelle: „Vergeben Sie dem armen Gregor, liebster Graf! Er wird noch heute Ihrem Wunsche nachkommen und sich entschuldigen."
„Es soll mich freuen," sagte Wildenstein finster, ,,ich aber, Frau Fürstin, habe zum letzten Male die Schwelle eines Hauses betreten, in dem so niedere Gesinnungen herrschen und ohne Scheu ausgeführt werden."
Er ging dröhnenden Schrittes, die Thür fiel hinter ihm zu und die beiden Zurückbleibenden sahen sich erstaunt, verblüfft in's Gesicht. — —
Eins Stunde später fuhr die Fürstin Porscu zu Fräulein zur Stetten; als sie einstieg, griff sie boshaft lächelnd noch einmal in die Tasche und murmelte vor sich hin: „Daß ich nur mein kostbares Billet nicht vergesse, es soll den Ausschlag geben, denn seit vorhin ist eine Ahnung in mir aufgestiegen. Dieser wunderliche Graf sprach so eigenthttmlich von der Schauspielerin, seiner „Nichte", hahaha! daß nur eine Erklärung denkbar ist: er hat sich in sie verliebt I Seine Ansichten haben eine völlige Umwälzung seit früher erfahren und vielleicht steht er es wie eine Buße an Theresens Andenken an, wem i er das Mädchen — aber nein, das will ich wohl Hintertreiben! ? Ich gebe die Hoffnung, ihn zu gewinnen, noch nicht auf, wenn ; schon Gregors dummes Benehmen Alles erschwert hat. Alse ■ vorwärts! Mit solchem Schauspielervolk will ich schon fertig I6 werden."
Verwundert und beunruhigt hörte Nora den Namen der Besuches und beeilte sich, die im Wohnzimmer harrende Fürstin sogleich aufzusuchen. Zur Stetten, der sich heute gar nicht ; wohl fühlte und über heftige Kopf- und Gliederschmerzen ! klagte, rief ihr von der Chaiselongue, auf welche er sich ge- i streckt, noch nach: „Wenn Du mit der Dame allein nicht i fertig wirst, so rufe mich, Kind; ich komme, um ihr über den * Neffen die Wahrheit zu sagen."
„Ach, mein liebes, gutes Fräulein Nora!" Mit diesem l zärtlichen Ausrufe eilte die Fürstin auf das eintretende junge । Mädchen zu, das sich refervirt verneigte. „Ich komme heute sehr, sehr bedrückt zu Ihnen und baue ganz auf Ihr gute« Herzchen, welches einem Tollkühnen vergeben soll."
„Ich weiß, wen und was Euer Durchlaucht meirm" antwortete Nora kühl und zurückhaltend, „und denke, es wohl besser, die ganze Sache mit Stillschweigen zu übergehen- Ein Ehrenmann hätte niemals so gehandelt — und mit un> mündigen Knaben bin ich nicht gewohnt, in Berührung zu kommen."
Sie warf den Kopf stolz zurück und bot der Fürstin einen Platz auf dem Sopha an, so entging ihr deren feindseliger Blick.
„Nun, nun, nicht so schroff und hart, mein Kind," b- gütigte Fürstin Melanie, als sie in die Kiffen gesunken roat, „bedenken Sie nur immer Eines, daß Gregor Sie liebt und für sein Leben gern Sie gewinnen will."
„Ich bedaure lebhaft, doch ist es mir völlig unmöglich, diese Gefühle ru erwidern."
„Gras Wildenstein ging zu schroff vor. Uebrigens, war hatte er eigentlich in jener Gegend zu suchen? Es war sehr spät und durchaus nicht mehr Zeit zum Spazierengehen. Vielleicht führte ihn irgend ein Stelldichein dorthin."
„Der Graf handelte wie ein Mann und Cavalier- Sie geben übrigens zu, Durchlaucht, daß Ihr Neffe sehr tactlor gehandelt hat. Wie konnte es der Prinz wagen, mich heimlich in eine Weinstube fahren zu lassen. Eine solche Beleidigung würde ich kaum dem Manne vergeben, den ich liebte, nie aber einem, der mir völlig gleichgiltig war — nun verachte ich ihn natürlich."
„Mein armer Neffe! Er wird untröstlich sein und die Kugel Wildensteins. bei dem noch heute stattfindenden Duelle suchen."
Der Versuch des intriguanten Weibes gelang völlig, Nora schnellte geisterbleich von ihrem Stuhl empor, sie bebte am ganzen Körper.
„Das Duell; also findet es doch statt! O, ich bin untröstlich ! Durchlaucht, seien Sie barmherzig, suchen Sie es z» verhindern!"
Boshaft lächelnd neigte sich die Fürstin vorwärts, ihr stechender Blick suchte den des jungen Mädchens.
„Für wen zittern Sie, meine Liebe? Doch nicht für den Grafen? Das wäre vergebliche Mühe; glauben Sie mir, er ■ denkt nicht an Sie, trotz jenes ritterlichen Meisterstücks -


