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I.
„Durch Feld und Wald zu schweifen, Mein Liedchen froh zu pfeifen, So geht's von Ort zu Ort!
Und nach dem Taete reget Und nach dem Maß beweget Sich Alles an mir fort.
Ich kann sie kaum erwarten, Die erste Blum' im Garten, Die erste Blüth' am Baum. Sie grüßen meine Lieder Und kommt der Winter wieder, Sing ich noch jenen Traum!
Ich sing ihn in der Weite Auf Elses Läng' und Breite, Da blüht der Winter schön! Auch diese Blüthe schwindet Und meine Freude findet Sich auf bebauten Höh'n!
Wenn dann ich Bei der Linde Die jungen Leute finde, Sogleich erreg' ich sie.
Der stumpfe Bursche bläht sich, Das steife Mädchen dreht sich Nach meiner Melodie!
Sie gibt den Sohlen Flügel Und treibt durch Thal und Hügel Den Liebling weit von Haus. Ihr lieben, holden Musen, Wann ruh' an eurem Busen Ich endlich wieder aus?"
„Via Sunset Route.“
Eine Reise um die Welt.
SBon Hamburg nach dem Stillen Ocean in 13 Tagen.
Von Heinrich Lemcke.
einem Koffer, der reichlich mit Sommer, und Wint rgarderobe sowie Wäsche versehen war, und einer Handtasche ausgerüstet, begab ich mich nach der Abschieds- Föte bet Pfordts am nächsten Morgen an Bord de» Dovvsl. schrauben.Schnelldampsers „Normannia" derH-mburg-Amenka- Lmte, der bei Cuxhaven am Ausgang der Elbe lag, wohm un» Passagiere ein Extrazug von Hamburg brachte. *
lieber die Einrichtung, Pracht und Grobartigkeit der Schnelldampfer die er Linie Nähere» hier zu sagen, dürfte überflüssig sein, da ste weltberühmt sind. Auchdie Küche
Lautes Bravorufen und Händeklatschen lohnte dem Dich, ter, Viele aber schrieen: „Aufschreiben, aufschreiben!"
^doch erhob sich und sagte: „Sie entschuldigen mich, diese Arbeitwird mir Herr Jung abnehmen, nicht wahr? Darf ich Ihnen die Strophen einbändigen?"
Jung erwiderte: „Es ist mir eine Ehre, Herr Goethe!"
Wolfgang nickte und eilte hinaus. Er nahm seinen Weg nach der Rodertsau, jenen von Lenötre eingerichteten Garien« anlagen, die, obwohl von Schnee bedeckt, doch dank der Für- sorge der Stadtverwaltung schöne Spaziergangstrecken auf. wiesen. Hier mäßigte der Spaziergänger da» Tempo seiner Schritte, zog die Brieftafel hervor und begann laut declamirend zu schreiben:
„Ich denke Dein, wenn mir her Sonne Schimmer
Vom Meere strahlt;
Ich denke Dein, wenn sich de8 Mondes Flimmer In Quellen malt!
Ich sehe Dich, wenn auf dem schmalen We«e Der Staub sich hebt,
In tiefer Nacht, wenn auf dem fernen Steas Der Wand'rer bebt.
Ich höre Dich, wenn dort im dumpfen Rauschen
Die Welle steigt;
Im stillen Haine geh' ich oft, zu lauschen, Wenn Alles schweigt!
Ich bin bei Dir, Du seist auch noch so ferne
Du bist mir nah! '
Die Sonne sinkt, bald leuchten mir die Sterne.
O, wärst Du da!"
(Fortsetzung folgt.)
»Zudem täuscht man sich oft über die wahre Siebe 1" selben"^ " Welche» sind denn die Kennzeichen der-
Herder lächelte fein und fuhr dann fort: Man sank alle» bie Wiedergeburt der Seele" die über
allen Erdenwust emporhebt und uns zum Ewigschönen und lÄTn eine Gotteskraft, welche uns zum
Höchsten anspornt und un»Unglaubliche« dulden hilft' sie ist LL ft °ll-- Guten, da- Perpetuum Ls d» flüfleIkObSÖr.S?e S bie Gluth des Kamins und K.® m n 1 le‘ »3®' bM ist Liebe!" — Laut fuhr er mMf/^h°Den ro r wieder beginnen, mein Lieber? Ich möchte Ihnen nun gern den Schluß de» Vicars vorlesen!»
Als'""Er leichthin. »Mir ist'« recht. Achtung also!" ?°^fung zu Ende, griff Goethe nach dem Hut.
'^7 » mi$9e 66 Sbnen auch gut schmecken,
mem Freund. Heute will ich noch fleißig repetiren denn ick muß on mein juristisches Examen denken!» '
„So plötzlich?" fragte Herder lachend.
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Ä©ie Specht!" lachte Herder. „Auf Wiedersehen!" ging lächelnd und murmelte unterweg»: „Wenn WmZin bm-i” ”“*» r,e Keine S'““ betrat er da» Hau» der „Gorgonen", wie ein Wölb vom Pensionstische längst die Schwestern genannt
speisten gegen zwei Dutzend Musensöhne an der ä e ^" ^haltung wogte hin und her und Stichwörter
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P ötzltch tief ein Theologe Goethen, der die ganze Zeit über sinnend dagesessen, zu: „Nun, Dichter von Gotte» Gnaden, steht'»°damtt?" UnS "^lich schon ein Studentenlied; wie . f Hier bemächtigte sich der Livländer Lenz de» Worte» und
5.ies in die Stille hinein: „Laßt Goethe in Ruh, der ist ver- liebt und denkt nicht an Studentenlieder I Hat Apoll ihm denn allein die Leier gestimmt?" y v
Da warf ihm Goethe einen strengen Blick zu, erhob sich dann und declamirte in vorzüglichster Weise:
~ (Nachdruck verboten.)
, »Glückliche Reise um die Welt und auf frohe» Wieder, seh u nach drei Monaten hier in Hamburg!" so lautete der
" b,en? weltbekannten Pfordte'schen Restaurant ^„^ihhaurmarkt in der prächtigen Hansestadt, inmitten von Freunden mir und meinem Vorhaben galt.
In unserem Zeitalter de» Weltverkehrs ist das Reisen bereits eine Modesache geworden, und nicht nur den Reichen" sondern auch den mit weniger Glücksgütern gesegneten Menschen ist e» vergönnt, heutzutage gleichsam im Fluge um die Erde zu reifen und nach der vielgewanderten Odysseus Reise« prinzip: „Vieler Menschen Stätten zu schauen und ihre Sitten kennen zu lernen.» Spielt doch schon da» vielgerühmte und vielgelästerte Fahrrad im Weltreise-Verkehr die H/»vt. rolle, und wo der Fahrrädler aufhöct, ist noch immer der typische Parsocegänger da.
Ich verzichtete sowohl auf Fahrrad als auf Dauerlauf und loste mir ein „Um bie Welt'-Reissbillet, das, beiläusia gesagt, für erste Klosse Dampfschiff, und Eisenbahnfahrt in.
tl0^er ^^ölllgung auf den Dampfern, 2562 Mark 50 Pfennige kostete, bei dem europäischen Repräsentanten der South^n Pacific Company Herrn Rudolph Falck in Ham" ?ur<m??e Southern Pacific Company ist da« größte Unternehmen rm Weltoeikehr; ihr Eisenbahn.Sysiern umfaßt 7900 Meilen ihre verschiedene Damofschiffslinien unterhalten directeste Ve> bmdungen zwischen dem Occident und Orient, und nickt weniger als vier verschiedene Welt-Rundreisen hat sie in ihrem Programm. * '


