Ausgabe 
26.10.1895
 
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konnte mir nicht versagen, das Kleid überzuwerfen; stolz er­hobenen Haupte, stand ich vor dem großen Spiegel, nicht rote e, sich geziemt für die im höchsten Glücke demüthige Braut, sondern wie eine regierende Fürstin.

.Barmherziger Himmel, Fräulein, das Brautkleid darf keine anziehen, bis sie darin zum Traualtar gehen wird, es gibt sonst Unglück I" rief rasch eintretend Brigitte, eine alte treue Dienerin der Hauses. Hastig riß sie es mir herunter

An meiner Thür lauschend, hört« ich endlich Schritte, da» Klirren eine» Säbel», es kam.näher, steif stand ich nun plötzlich da, er sollte fühlen, rote sehr er mich gekränkt!

Ich vernahm meines Bruders Stimme, dann die Ant­wort. Das war ein Fremder, nicht er selbst. Erschrocken verbarg ich mich hinter einer Trapperie, hörte Worte, welch« mir das Blut gerinnen ließen.

Es wird mir namenlos schwer, allein es ist leider kein Zweifel mehr - Schuldenlast - Entehrung - falsche Wechsel nur schleunige Flucht konnte ihn retten, so klang e» furchtbar an mein Ohr, dann vernahm ich nicht» mehr; ich fühlte nur noch, daß mein Herzschlag stockte-

Gott sei Dank, dar ist der Tod!« flüsterte ich leise, mein Bewußtsein schwand. Wie lange ich besinnungslos lag, weiß ich nicht. Ab und zu kam ich auf kurze Zeit zu mir, von jenen furchtbaren Beklemmungen gequält. Allein ich ve-

mich furchtbar an, allein die Ruhe that mir gut nach dem Lärm der Großstadt.Billa Glück« leuchtete mir im Sonnen-

«t mir an, bet ihm mein« Hochzeit zu feiern, allein die Ver­wandten in der Hauptstadt, in deren Haufe wir uns gefunden,

und zagend I

verlor ich riete. Eine h, wie Alle i Jahre in freuden der Hauptstadt, irathet, lud t in ihrem t die Tante, :änkte Mittel Mein Leben roßen Reihe

Sohn einer Aufmerksam- Erscheinung, mit welcher nete, und er ien, riß mich ße» Fest noch -imkehren zu leinstädtische» ! hindurch zu schlafen; oft zu sein oder [leiten.

: Toilette zu -in Kleid vo« rze und kost« und schlangen rubert, o, et gewinnen mit ürfel gefallen, )er Tante be> urchaus nicht; zemeinschaftlich »äst fortführe, sließltch keinen ließ er nicht re Hochzeit be­im eine große hlte mich voll- -önsten Zukunft [ würde schnell Glückes, mußt! rter starb nch in den beste» Meins Gefell- klammerte i$ m oft mieden Mutter, M mbte ich feinen -ante, während oder vielnB künftiger Gck hren ein W ut, nach fein® ahre« Glück I«'- die erblindete» erzen gefproW :gte, fo gab E auf da« prÄ ,1-, f*«* trafen alle», rathet mar,»

und bekreuzte und segnete es.

Ich konnte mich des Schrecken« nicht erwehren und be- durfte längerer Zett, ehe ich die Ruhe meiner Seele wieder

Tags vor der Hochzeit kam mein Bruder mit seiner Frau, mein Vormund und mehrere meiner Jugendfr^ndinnen; mein Bräutigam hatte mir versprochen, zu uns zur Begrüßung zu kommen, ebenso wartete ich vergeben» auf da» Bouquet, er pflegte täglich Blumen zu schicken, nur an dem Tage blieben Re au» Der Mittag ging vorüber, Nachmittag» suchte mein B.L' q- d°r B«I4- h-tt- % «*»» °": geräumt, verschiedene Koffer gepackt, zum Theil sür den Auf enthalt in der Villa, die andern für unsere nme Wohnung in der Hauptstadt, rote sein Herr bestimmt; von ihm selbst wußte

O, diese» qualvolle Warten I Der Abend nahte, man zog Rfi »urück. für den Abend Toilette zu machen.

Für mich war e» eine kleine Erleichterung, mich nicht mehr von fragenden, neugierigen Augen beobachtet zu wissen, nicht mehr dasselbe unerschöpfliche Thema zu hören. wo er blieb. Ich beeilte mich gegen sonstige Gewohnheit, im duftigen weißen Gazekleid, reich mit Spitzen verziert, zarte Rosen aus dem Anzug verstreut und in einemKranzrusammengefügtus dem Kopfe, stand ich und - wartete, wartete in Verzweiflung

ließen «» sich nicht nehmen.

An einem schönen Herbsttage reiste ich mit meiner Gesell- schasterin zu ihnen, sofort nach unserer Vermählung anstatt der üblichen Hochzeitsreise wollten wir meines Gatten Urlaub in Villa Glück verleben, dann den Winter hindurch dis Ge- selligkeit der Residenz genießen; sein Adel gestattete mir, war ich heiß ersehnt«, den Zutritt am Hof. Mein Glückesübermuth kannte keine Grenzen mehr. _ , L

Zwei Tags vor unserer Hochzeit kehrten wir gegen Abend von einem Spaziergang zurück; mein Bräutigam verabschiedete sich sogleich, er habe noch viel zu erledigen, bis morgen der ersehnte Urlaub beginne.Dafür gehöre ich Dir sodann voll­ständig an," versicherte er mir.

Er erschien mir an dem Tage so erregt, sah bald tobten» yuH ,utu,luuttu ______________ ------- -, ,

bleich aus, glühte dann wieder wie im Fieber, daß ich besorgt I ftanb* darauf, die volle Wahrheit zu hören. Sie klang traurig nach seinem Befinden srug. Er lachte über meine Angst, be- I ' fo man stch auch bemühte, sie mir schonend 6ei- hauptete, die Sehnsucht nach mir habe ihn in der letzten Zeit I Ebringen. Erst wehrte ich mich dagegen, hätte eher alle f° °^Welch'' ein Glück, wenn der letzte Abschied vorbei ist, I doch Einsehen, daß er mich von Anfang

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entschwand und begriff nicht, daß mir urplötzlich der beängsti | m betret (Stete Seine Rechnung trog, einem seiner

gmde Gedanke kam, ich sähe ihn nicht wieder, -in Gedanke, * al» darum,

so furchtbar, so verzweifelnd, daß mir der- Athem stockte. - ®Wubi0er « ^mger^u^^ ^nute hatte er sich Minutenlang kämpfte ich mit einer schrecklichen Beklemmung, I J J,x 6eit " bti2n gewußt/ich hörte nie wieder von mein Herzschlag stockte, dann war er vorbei, ich athmete tief y

w a8*"0',S ** im S siX ich »-«-«r-n! lag ich M bo, immer n.» $ ^^Unter mir hörte ich hämmern, pochen, hin und wieder I grübelnd, immer dasselbe denkend, bis meine Gedanken sich «eben man bereitete in einem der groben Gesellschaftsräume ! verwirrten. Mein Kopf brannte, ich wußte nur noch, daß Alles'für den Polterabend vor, meine Gegenwart wäre störend I Entsetzliches geschehen sei; ich sann nach und f Z gewesen. Träumend von der Zukunft, faß ich in meinem | sammenhang nicht.

Zimmer allein. Der Mond schien hell durch da« Fenster, | Bald sah ich einen Arzt, eine schwarz ^letdetePflegerin feine Strahlen beleuchteten magisch dar weiße Atlasgewand, | ober einen Verwanbten an meinem Lager, ich wechselte nte mein Brautkleid, im Nebenzimmer hatte man e« auf einem ein Wort mit ihnen.

Ruhebett ausgebreitet, weithin lag die Schleppe auf dem Als die Genesung kam, waren viele Wochen verstrichen, Teppich auegebreitet, sie erschien mir wie glänzende« Silber, jch fe^te mich glühend heim. Endlich wagte man m ch hier- als durch die weitgeöffnete Thür mein Blick darausfiel. Jch | bringen in Begleitung de« Arzte«. Die Reise griff

schein golden entgegen.

Vierzig Jahre sind verfloffen seit meinem traurigen Ein­züge. Lange Zeit verging, ehe ich wieder lernte zu begreifen, daß e» noch viel Liebe und Theilnahme fücmich gab auf der Erde, daß ich Frieden fand und ruhiger über ihn dachte, der mir alle» Erdenglück geraubt. Von seinem ferneren Schicksal weiß ich nichts, Gott möge ihm barmherzig sein.

Tiefe Stille herrschte nun im Zimmer, der volle Mond beleuchtete mit seinem milden Licht die beiden Frauen ; er schien auf das weiße Haar, auf das bleiche Gesicht der Einen, es sprach von tiefem Leid, von Kummer, Müdigkeit, welche dort erst des schweren Räthsels Lösung finden wird, und auf da« jugendliche Antlitz der Anderen, sie steht noch drinnen im Kampfe, da« Auge blickt sehnend nach oben, ganz leise bricht ein schwacher Hoffnungsstrahl sich Bahn, ob ihr doch noch ein wenig des Glückes beschieden sei ober ihr bestimmt et vom Senler der Schicksale auf des Lebens Schattenseite die steile, dornenvolle Straße zu wandeln.

Nun gute Nacht, meine liebe junge Freundin, möge guter Rath Ihnen kommen, daß Sie da» Rechte wählen, mich suchte man ost zu überreden, daß ich nur ein neue» Glück gründen möge, ich vermochte e» nicht, doch wir Menschen­kinder sind eben verschieden geartet."

Die alte Dame verließ geräuschlos das Zimmer.

Elisabeth blieb allein und legte in Gottes Vaterhand die "* 8,e- csortsttzM- folgt)