Ausgabe 
26.9.1895
 
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Nr. 114

1895

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Ihr Vermächtniß.

«omon von Maximilian Moegeli»

(Fortsetzung.)

Als die Frau Müller dann so eiligst angestürzt kam, als stehe das Haus in Flammen, sagte er:Frau Müller, Sie müssen ganz schnell einmal zum Hutmacher, meinen neuen Cylinder aufbügeln lassen."

Die Frau, die noch ganz außer Athem war, fragte über­rascht und verwundert:Den neuen Hut, Herr Ingenieur?"

»Ja, ja, Frau Müller, den neuen."

Aber den haben Sie doch erst einmal höchstens eine Stunde lang aufgehabt!"

»Ist ganz egal, ganz egal, lassen Sie ihn nur recht fein machen und warten Sie auch gleich darauf. Hier fahren Sie Pferdebahn, aber recht schnell."

Und die Frau schloß die Spindthür und eilte von dannen.

Frau Müller, Frau Müller," rief er ihr nach, als sie bereits die Treppe herunter war,Frau Müller, ich verreise morgen mit dem ersten Zuge. Legen Sie, bitte, meinen Frackanzug und und was drum und dranbaumelt heraus, aber Alles recht sauber, recht sauber, hören Sie wohl!"

Dann eilte er in das Zimmer zurück. Er breitete seine Arme aus, pfiff den Lagunenwalzer und tanzte regelrecht durch die Stube.Donnerwetter," sagte er sich, dar Haar streichend und vor dem Spiegel stehen bleibend,wenn diese Stimmung so weiter geht na, ich danke schön!"

An der nächsten Straßenecke stand Frau Müller und öffnete jetzt erst ihre Hand.Zwanzig Mark!" rief sie ganz überrascht, so daß sich ein Vorübergehender umsah.Zwanzig Mark! Wie ist e» blos möglich! Und mein Herr! Was ist denn mit dem nur los? Hat der schon wieder geerbt; er ist doch ohnehin schon reich genug! Aber zwanzig Mark von der Seite habe ich ihn denn doch noch nicht kennen gelernt."

Der Ingenieur ging zu Tisch und fuhr dann mit dem Dampfer nach der Westerplatte, wo heute die Musik vom 1. Leib-Husaren'Regiment spielte. Viel lieber wäre er frei­lich heute zu Hause geblieben, aber er hatte es dem Doctor «enzmann und einigen befreundeten Ingenieuren, die mit ihren

Familien dort waren, versprochen. Hellmuth hielt sich jedoch nicht lange dort auf. Er fuhr zur Stadt zurück und ließ in einem Blumenladen einen Strauß nach seiner Angabe binden, dann ging er vorsichtig mit den Blumen nach Hause.

So, meine liebe Gertrud, das wäre für Dich," sagte der Ingenieur lachend und stellte den Strauß in ein Glas Wasser.Aber was wird nun blos der alte Herr sagen, der schneidige Herr Rittmeister; in dieser Situation kann ich ihn mir bei Gott nicht vorstellen! Werde kleine Attaque machen, dann Gurre commandiren und schließlich Halt blasen wird dem Alten imponiren."

Am anderen Morgen fuhr der Ingenieur wohlgemuth zu seiner Braut. Auf der kleinen Station, auf der er ausstieg, blickte er vorsichtig nach allen Seiten, denn er mochte seinem lieben Baumeister heute nicht in die Arme laufen. Hellmuth nahm einen Wagen und fuhr nach Wildenau.

Als der Ausstchtsthurm, der an der Nordseite de» Herren­hauses angebaut war, über den hohen Platanen sichtbar wurde, ließ Hellmuth halten, gab dem Kutscher ein Extra-Trinkgeld und sandte ihn zurück.

Ungesehen kam der Ingenieur an die lange Mauer. Vor­sichtig ging er entlang und am äußersten Ende derselben er­blickte er seine Gertrud unter dem buschigen Fliederstrauch.

Guten Morgen, meine Herzenstrude." Und er eilte in ihre Arme.

Ach, wie gut, daß Du da bist, mein guter, guter Karl."

Aber was wird nur der Papa sagen, meine Herzens­trude?"

O, Schatz, von dem kannst Du heute verlangen, was Du willst, denn denke Dir nur, heute in aller Herrgottsfrühe hatte der Papa dicht an des Oberförsters Wald einen sehr starken Rehbock geschossen, weißt Du, der Papa ist darüber so vergnügt er hat sogar gesungen!"

Ach, das ist ja schön, Trude," rief Hellmuth lachend, da hat uns ja ein goldener Stern gestrahlt. Und weiß e« auch schon die Mama?"

Ja, ja, mein lieber Schatz. Gestern Nachmittag saß ich in der Tempellaube und stickte, da kam sie zu mir und sprach so lieb von Dir."

Von mir?" sagte Hellmuth überrascht.