Ausgabe 
26.3.1895
 
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8« Gedanken versunken, ritt sie hinter dem Bruder und der Freundin drein. Sie achtete kaum de» stärker werdenden Sturme» und der fallenden Tropfe«, ihre Seele beschäftigte sich mit diesen beiden Personen und immer klarer, zweifelloser trat eine Gewißheit vor sie hin: Melanie wollte ihren Bru- der erobern und ihre Chancen standen nicht schlecht.

Rudolf," flüsterte Gräfin Therese lautlos in den Sturm hinein,liebt sie Dich auch, liebst Du sie, wie Hohenthal mich liebt. Nur dann kannst Du fie zu Deiner Braut machen, sonst wirst Du unglücklich. Ich weiß nicht einmal, ob sie Dich oder den Grafentitel in Dir wählt. Ich fürchte"

Seufzend hielt fie in ihren Gedanken inne, denn man hielt an der Bergschänke, und gerade in dem Augenblick, als der Graf Rudolf Fräulein von Roden au» dem Sattel hob, zuckte ein greller Blitz vom Himmel, krachte ein so furchtbarer Donnerschlag, daß diese wie außer sich aufkreischte und ihr Köpfchen an seiner Schulter verbarg. Aber ihr Pferd, das keine Hand am Zügel fühlte, bäumte von Neuem wild auf und stob davon, die Landstraße entlang; der Reitknecht, selbst noch in dem Sattel, hielt des Grafen.Pferd und konnte durch« aus nicht fort.

Die Situation war höchst fatal, zudem strömte der Regen jetzt stärker, der Wind sauste mit voller Gewalt, es war hohe Zeit, unter ein schützende» Dach zu kommen. An dem höflich sein Käppchen lüftenden Wirthe vorüber trug Graf Wilden« stein seine schöne Bürde in's Gastzimmer- Niemand sah, wie seine Lippen secundenlang das röthlich flimmernde Haar be« rührten, wie sie murmelten:Melanie, Du Süße, Schöne! Ich will mich und Dich prüfen, ob unsere Liebe echt ist und bann"

Der Reitknecht hatte einem herbeteilenden Fuhrmann indeßzdes Grafen Pferd zum Hatten gegeben und sich sodann beeilt, seiner jungen Herrin au» dem Sattel zu helfen; die Schleppe über den Arm schlagend, trat Therese gleich darauf ebenfalls in'» Zimmer. Rudolf richtete sich in die Höhe, Melanies Thränen versiegten und sie flüsterte mühsam:O, ich danke Ihnen, Herr Graf! Ich bin solch' ein Hasenfuß beim Gewitter, schelten Sie mich nur tüchtig au«."

Weshalb aber wolltest Du denn vorhin nicht nach Hause?" frug Therese etwas scharf.Du bekamst ja eine Ȋhre Passion, mit Rudolf in's Wetter hinein zu reiten."

Und mein Pferd, mein hübscher Brauner?'

Melanie» Blick ruhte mit meisterhaft gespielter Unruhe auf dem vor ihr stehenden jungen Manne, al» sie frug: Graf Rudolf, ist da» Pferd denn wirklich fortgerannt?"

Darum ängstigen Sie sich nicht, Fräulein, es läuft wahrscheinlich geraden Weg» in den Wildensteiner Stall, wie e» schon früher mitunter that. Aber wie fühlen Sie sich? Darf ich eine Erfrischung bestellen?"

Therese hatte ihren Hut abgenommen und strich mit- dem Taschentuch die Regentropfen au» dem Gesicht, so daß ihr der kokette Blick Melanie» entging und sie nur die schmachtenden Worte vernahm:Ach ja, Herr Graf, ich wäre Ihnen un­endlich dankbar für eine Taffe Kaffee."

Rudolf ging sogleich, kaum aber hatte sich die Thür hinter ihm zugeschlosten, al» Therese, an*» Fenster eilend, ausries:Ach, Dein Pferd, Melanie, ein fremder Herr bringt es zurück, ein vornehmer Fremder. Wer kann e» fein?"

Vor der Thür der Bergschänke hielt der Unbekannte still. Graf Rudolf, der Wirth und der Reitknecht waren so­gleich bei der Hand, ihm das edle Thier abzunehmen und Ersterer rief verbindlich:Ich bin Ihnen, mein Herr. Dank schuldig für da» Wiederbringen dieser Flüchtling». Aber Sie find völlig durchnäßt. Wollen Sie nicht eintreten ?"

Im Gewitterregen wird man naß," lächelte der Fremde, den triefenden Hut abnehmend,doch ist e» mir ein großer Vorzug gewesen, Ihnen dienen zu können- Heda, Herr Wirth, eine Tasse Kaffee!"

Aber die Damen find im Gastzimmer," meinte der Wirth bedenklich und sogleich trat der unbekannte Ankömmling zurück.

O, Verzeihung, dann will ich nicht stören/, haben Ä nicht irgend ein andere» Local?"

Aber ich bitte Sie, mein Herr, treten Sie nur ein/ sagte Graf Wildenstein;meine Damen sind ebenso verregnet- wir müssen unser Leid gemeinsam tragen. Also vorwärts Herr Wirth, bringen Sie rasch Kaffee. Zuvor jedoch möchte ich, mein Herr, mir erlauben, mich Ihnen vorzustellen: Gras Wildenstein."

Mein Name ist: zur Stetten," sagte der Fremde und verneigte sich verbindlich,ich bin zum Besuch bei einem Universitätsfreunde in der Nähe."

Jetzt haben wir uns wie zwei civilisirte Europäer vor. gestellt und ich werde Sie nun mit meiner Schwester und deren Freundin Fräulein von Roden bekannt machen, damit wir unser Zusammentreffen beim Kaffee feiern können."

Herr zur Stetten war ein hochgewachsener, schöner Mann, ungefähr dreißig Jahre alt, mit starkem, blondem Vollbar! und dunklen, ernsten Augen; e» war so recht eine Erscheinung, die bei den Damen Eindruck hervorbringen mußte.

Fräulein von Roden neigte bei seiner ehrerbietigen Ver* beugung nur flüchtig, fast hochmüthig den Kopf, bann wandte sie ihre volle Aufmerksamkeit wieder dem Grafen zu, während Therese mit Herrn zur Stetten freundlich eine Unterhaltung mit den Worten begann:Sie waren, wie ich höre, so gütig, da» scheue Pferd einzufangen?"

Ich hatte den Vorzug, meine gnädige Gräfin. Zufällig war ich auf einem Spaziergange begriffen und wollte gleich­falls in der Bergschänke ein Unterkommen gegen da» Weiim suchen, al» ich dem Flüchtling begegnete."

Die Thiere sind beim Gewitter so furchtsam."

Wie manche Menschen auch," neckte Graf Rudolf und Melanie erröthete lachend.

Der Kaffee kam, die Herren hielten da» Gespräch animirt, so daß man kaum mehr auf da» Wetter achtete, bi» endlich der Reitknecht eintrat mit der Frage, ob er die Pferde nach dem Schloß führen solle oder ob die Herrschaften wünschte« heimzureiten.

Ich will lieber gehen," meinte die übermütige Melanit, doch ein mahnender Blick Theresen» streifte sie.

Ich denke, wir reiten doch lieber," bemerkte die letzte« sehr ernst,vielleicht begleiten Sie uns noch ein Stückchen, Herr zur Stetten?"

Sehr gern, Comteß, es wird mir eine große Freude und Ehre fein!"

Aber ich muß beim Satteln meine» Braunen dabei fein," rief Melanie übermütig und schnellte von ihrem Stuhl empor,es war vorhin nicht Alle» in Ordnung."

Und fort eilte sie, gefolgt von Rudolf, während die junge Gräfin mit dem Herrn zur Stetten sitzen blieb- Er war eine intereffante Erscheinung mit tiefem, klangvollem Organ und da» junge Mädchen fühlte sich seltsam davon an* gezogen- Er sprach gut und ruhig, ohne seine Ansichten auf drängen zu wollen, aber sein Auge feffelte sie, e» schien ihr, als kenne sie ihn bereit» seit langer Zeit-

Und Sie sind nicht in dieser Gegend zu Hause ?" fragte fie, träumerisch die Blumen zerpflückend, die Melanie bei Seite geworfen.

Nein, gnädige Gräfin. Meine Heimath liegt an de« Küsten der Nordsee, aber ich bin ein ruheloser Wandervogel geworden, den da» Leben bald hierhin, bald dorthin wirst-"

Aber die Welt ist rund, man findet stet» wieder Aw tnüpfungen, wohin man auch immer kommt."

Sie mögen Recht haben aber auch stets jene chinesisch Mauer, welche die verschiedenen Gesellschaftsklaffen trennt."

Aber wie könnten Sie unter derselben leiden? Dir Bildung ist der Zauberstab, der jene Mauer niederreißt."

Nicht immer, doch lasten wir da» Thema ruhen- Sir stehen solchem Streite fern und sollen es auch bleiben. Sir gehören einem alten Adelsgeschlechte an?"

Ja, wir find ein uraltes Geschlecht; der erste Wildem Reiner zog mit Gottfried von Bouillon in'» gelobte Land, entgegnete die junge Gräfin.

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