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ittlt dem Pathos, der sich damals in der Sprache wie in den Geberden ausdrückte, und streckte die Hand wie zum Schwur gegen die Bäume aus, welche die Revolution als Symbol der Nation ehrte.
RenLe ahmte Marcel nach und schwur gleich ihm unter den von dem wohlwollenden Monde verstlberten Pappeln, den, dem fie fich freiwillig anverlobte, stets zu lieben und ihm überall zu folgen.
X.
Die unfreiwillige Anwerbung.
Als die beiden jungen Leute mit einem reinen Kuß ihren Schwur besiegelt hatten, glaubten fie hinter sich etwas wie das Rauschen von Blättern zu hören, gefolgt von einem Schrei, der dem Krächzen eines Uhus glich. Dieser Unglück weissagende Bogel störte ihre Wonne. Sie sprangen erschrocken auf und eine geheime Angst preßte ihre Herzen zusammen.
Marcel ergriff einen Stein und warf ihn nach der Richtung des Gebüsches, woher der Schrei gedrungen war, um das lästige Thier zu verscheuchen.
„Willst Du wohl fort, häßliche Eule!" rief er, zornig das dunkle Laub betrachtend, in dem der eifersüchtige Zeuge ihrer Zärtlichkeit ohne Zweifel in einem hohlen Baume hockte.
Aber kein Bogel flog auf. Statt Flügelrauschen hörten die Liebenden etwas wie das Geräusch eiliger Schritte, und fie glaubten aus dem Blätterdickicht ein menschliche» Hohngelächter zu hören.
Man chatte sie also überrascht, ausspionirt, behorcht?
Traurig, schweigsam und unruhig kehrten sie in das Dorf zurück.
„Ich fürchte mich vor diesem bösen Omen," sagte Rense beim Abschied neben dem Zaun, der die Garderie umgab.
„Pah," antwortete Marcel, bemüht, das junge Mädchen zu beruhigen, „er war nur ein alberner Spaßvogel, der sich auf unsere Kosten lustig machen wollte, ein Neidhans, den unser Glück in Wuth brachte — denken wir nicht mehr daran, Herzchen. Wir lieben uns, wir haben uns ewige Treue geschworen und nichts kann uns trennen."
Aber sie trennten sich doch in großer Besorgniß. Ein Feind überwachte sie. Wer wollte sie hindern, glücklich zu sein? Wer konnte sie verfolgen und bedrohen? Wem schadete ihr Glück? Marcel erinnerte sich sogleich an die Worte seiner Mutter und an Bertrand von Go8z, der Renöe besitzen wollte. Gewaltsam wollte er sich gegen die unklare Angst wehren, die in sein Herz schlich. „Bertrand Le Go8z ist ein böser und eifersüchtiger Mensch," sägte er sich; „aber war vermag er gegen uns, da Rense mich liebt und geschworen hat, nur mir anzugehören."
Er gelobte fich trotzdem, auf der Hut zu sein und die Manöver de» Notar» zu überwachen.
Seine Furcht war nicht ohne Begründung.
Le Go8z verdoppelte seine Besuche in der Mühle. Er theilte dem Vater Marcel ein zweites Mal mit, daß sein Pacht demnächst ablaufe und daß er auf keine Erneuerung zu rechnen habe. Kraft der Vollmacht des Grafen Surgöres bedeutete Le Go8z den Müller, daß er feine Grundstücke abzutreten habe; eine Terminverlängerung würde ihm nicht zugestanden werden.
Nichtsdestoweniger machte der Notar den Vater Marcels darauf aufmerksam, daß er in eine Erneuerung des Pachtvertrages willigen werde, wenn er seinen Sohn nach Renne- schicken und ihm erklären wollte, daß er auf Rense gänzlich verzichten müsse.
Der Müller befand fich in großer Verlegenheit: sein Sohn beharrte bei seiner Abstcht und schwur, Renöe trotz Le Go8z zu heirathen; da» junge Mädchen hatte ihrerseits den Liebesanträgen des Verwalters ein categorische« Nein entgegengesetzt.
Bertrand Le Go8z beschloß, die jungen Leute gewaltsam zu trennen. G
Ganz Frankreich eilte damals zu den Massen. Von allen Seiten boten sich Freiwillige den Gemeindebehörden an, forderten Gewehre, Piken und erklärten sich bereit, für dar Vaterland zu sterben.
An einem Sonntagmorgen berief der Notar in seiner Eigenschaft als Prokurator der Gemeinde alle jungen Männer des Dorfes und richtete einen feurigen Aufruf än fie: nach Rennes zu gehen, um das Bataillon von Jlle-et-Vileine zu verstärken.
Mehrere Freiwillige meldeten sich, ließen sich anwerben und gingen schon am nächsten Tage ab.
Le Go8z beeilte sich, überall die Feigheit und dar schlechte Beispiel Derjenigen zu verkünden, die jung, kräftig, waffenfähig, sich der Ehre, da» Vaterland zu vertheidigen, entschlugen und es vorzogen, in Gesellschaft alter Leute und junger Mädchen ein weichliches Leben zu führen.
Diese Hetzerei zielte direct auf Marcel.
Und der begriff, welches Capital Le Go8z aus feiner Unthätigkeit schlagen wollte und begab sich in die Garderie.
Er traff Brisoe, beim Putzen der Gewehre, ein Jagdlied vor sich hinpfeifend, während Renee an der Seite der Försterin nähte. Als sie Marcel erblickte, stieß sie einen Schrei des Schreckens und der Aeberraschung aus und ihre Blicke flehten ihn an, sie zu beruhigen.
„Vater Brif8e," sprach der junge Mann mit bewegt« Stimme, „ich komme von Ihnen und von Renee Abschied zu nehmen — ich gehe fort."
„O Gott!" rief das junge Mädchen, mit der Hand nach dem Herzen greifend, warum wollen Sie uns verlassen, Marcel? Will dieser schlechte Le Go8z Ihrem Vater noch immer die Grundstücke fortnehmen?"
„Das ist nicht der einzige Grund, warum ich fortgehen will."
„Und wohin gehst Du, Junge?" fragte Brisse rchz, indem er fortfuhr, da» Schloß seines Gewehres zu reiben.
„Ich weiß es noch nicht. Man hat mir vor dem ganzen Dorfe meine sogenannte Feigheit vorgeworfen und doch hindert mich Furcht, das Gewehr zu ergreifen, obwohl ich den Krieg für eine Geisel halte und die Völker, die man gleich Schafen zur Schlachtbank dazu führt, für große Narren, wie Jean Jacques, mein Meister bewiesen hat. Doch der jetzige Krieg ist gerecht, er ist der von Sklaven, die ihre Ketten zerbrachen, der Krieg der Freiheit gegen die Tyrannei und diesen hätte selbst Jean Jacques Rouffeau gebilligt!"
(Fortsetzung folgt.)
V-rmMcht-s.
Bitter. Aeltliches Fräulein: „Wie alt bist Du, Kleiner?" — Kind: „Vier Jahre." — Fräulein: „Und weißt Du, wie alt ich bin?" — Kind: „Nein; ich kann erst bis vierzig zählen!"
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Grob. A.: „Wenn ich Sie sehe, muß ich immer ® das Sprichwort denken: Wern Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch Verstand." — B.: „Aber ich habe ja gar kein Amt!" — A.: „Nun sehen Sie, wie das zutrifft!"
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Gewagte Einwendung. Käuferin: „Diesen Stoss kann ich nicht brauchen; er hat nicht das richtige Himmelblau." — Verkäufer: „Aber meine Gnädige, wer sagt Ihnen denn, daß der Himmel das richtige Blau hat?" e e e
Der verkannte Kamerad. Lehrer: „Wer kann mir einen verwandten Ausdruck für Freund sagen?" (Die Schüler schweigen.) „Nun, wie heißt ei« Mensch, der Alles für einen Andern thut, ohne etwas dafür zu verlangen? Ein Kam. nun?" — Der kleine Max: „Ein Karneel!"
Redaktion: A. Scheyba. — Druck und Verlag der Brühl'schcn UnivcrfiMI-Buch- und Steindrnckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.


