Ausgabe 
25.4.1895
 
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ä 196 -

SNigegnete Graf Wildenstein,nrrr muß : mittheilen, wie es kam, daß ich das gnädige Fräuü hierher gebracht habe.«

Nora jedoch schnitt ihm das Wort vom Munde ab, in« dem sie in fliegender Hast und erregten Tönen Alles schilderte, was fie durchlebt. (Fortsetzung folgt.)

Gemeinnütziges.

Die beste Saatzeit für -ie Ebsen liegt zwischen Ende März bis etwa Ende April. Schnellwachsende Erbsen­sorten (Früherbsen re.) können aber auch dann noch lohnende Ernten bringen, wenn sie Anfangs Mai grsäet werden. Die frühen Saaten bringen die meisten und vollkommensten Körner. Man lasse jsich hierdurch aber nicht verführen, die Erbsen eher zu säen, bis man den Boden wirklich gut bearbeiten kann. An Saaterbsen hat man im Durchschnitt zu nehmen: bei breitwürfiger Saat 250, bei Drill- oder Reihensaat 180 Liter pro Hektar. Bei leichteren und trockenen Böden vertragen die Erbsen zwar eine Bedeckung von 15 Centimeter, aber es ist dennoch nicht rathsam, sie über etwa 8 Centi- meter tief unterzupflügen. Auf feuchtem und schwerem Boden sagt es den Erbsen besser zu, wenn sie gründlich untergeeggt, als wenn sie tiefer untergebracht werden. Bet Drillsaat haben die Reihen 35 bis 40 Centimeter von einander ent­fernt zu sein. Um das Lagern der Erbsen zu verhüten, säet man etwa Vs de» Gewichts der Erbsensaat an Pferde­bohnen mit aus.

O

Der geistige Arbeiter, der gerade in den Stunden der Nacht, wo die Sicherheit gegen Geräusche und andere Störungen gegeben ist, seine beste Arbeitszeit sieht, wird für seine Erfrischung nicht gern zu alkoholhaltigen Getränken seine Zuflucht nehmen, denen nach der augenblicklichen An­regung die Ermüdung auf dem Fuße folgt. Das beste Er­frischungsmittel ist eine Tasse kräftiger Bouillon, die sich ohne die geringste Mühe aus kochendem Wasser, etwas Salz, einer Messerspitze Liebigs Fleischextract und einem Stückchen Butter Herstellen läßt. Ihre Wirkung ist eine augenblickliche, und der spätere Schlaf wird so sanft und erquickend sein, wie niemals nach geistigen Getränken. *

Den Hühnern gebe man vor allen Dingen Gelegen­heit zu hinreichender Bewegung und Beschäftigung. Wer keinen passenden Raum für Geflügel hat, soll sich mit der Zucht nicht besaflen und wäre er ein noch so großer Lieb­haber. ________

Vermischtes.

Verständige Worte einer Hausfrau. Unlängst ging durch die Blätter die Notiz, daß eine Dame von einem Dienstmädchen, das sie miethen wollte, zu wissen wünschte, ob das Mädchen auch keineVerhältnisse" habe, und deshalb die Frage that:Haben Sie auch keinen Bräutigam?", worauf ihr die drastische Antwort zu Theil wurde, ob die Madame denn ihren Mann im Tischkasten gefunden habe. Unseres Erachtens war hier unzweifelhaft das WortBräuti­gam" in dem leider in Berlin vielfach üblichen Sinne von ftVerhältniß" gemeint. Die Angelegenheit kann aber auch anders aufgefaßt werden, und dies thut eine Hausfrau in einer Zuschrift, aus der folgendes wiedergegeben fei:Warum herrscht diese furchtbare Dienstmädchennoth? Und warum kenne ich an meinen Mädchen niemals dergleichen? Ich bin ein Mensch, und lasse die Mädchen Menschen sein. Das ganze Dienstmädchen-Elend liegt an den Hausfrauen selbst. Weiß das Mädchen, es darf einen Bräutigam haben, so arbeitet es

mit Freuden, denn nach sechs Tagen darf es hoffen, wentz Stunden so glücklich verbringen zu können, wie es dis Ham, frau fast tagtäglich thut. Ich gehe in meiner Anschauung so weit, daß ich wünsche, jeder Mädchen hat einen rechtlichen, ordentlichen Bräutigam. Das Glücksgefühl macht sich be- merkbar bei der Arbeit des Mädchens und bringt mir Vorthei! keinen Schaden. Ferner ist es Pflicht der Fräu, dafür z, sorgen, daß dem Mädchen paffende Zeit für sich bleibt, in der es einen anständigen Verkehr mit dem Bräutigam pflege« kann. Ich habe außer Sonntags allen Mädchen erlaubt, einmal in der Woche von 6 bis 8 Uhr mit ihrem Bränti- gam auezugehen. Dadurch vermeidet man das späte Herw stehen an den Treppen oder das Fortlaufen ohne Erlaub^ Ich erhübe nicht blos den Bräutigam, sondern ich wüntz daß er kommt und sich bei mir vorstellt. Er muß regele klingeln, kein heimliches Klopfen oder Zischeln an der The ist erlaubt, und dann behandle ich ihn, wie es sich gehör Er geht nicht in die Mädchenkammer, sondern in die Küche; ich setze ihm Bier und belegtes Brod vor (Wir ten denBräutigam" kennen lernen, der sich dies nicht ( fallen läßt. Red.) und erlaube ihm, wenn er mir dch würdig erscheint, alle Woche einmal in gleicher Weise wick zu kommen. Noch nie fand ich mein Entgegenkommen schlch gelohnt. Ja, die Mädchen hängen alle an mir, und obgleti auch ich manchmal einen Wechsel vorzunehmen habe und dich für sehr dienlich halte denn nichts schläfert so sehr ein, al Gewohnheitsdusel, habe ich noch nie ein schlechtes, m ernsten Fehlern behaftetes Mädchen gehabt. Dagegen habe ij sieben Mädchen bei mir verheiräthet, sogar die Hochzeit y feiert und die erste Kindtaufe, bin Pathin von mehreren dich Dienstmädchenkinder. Wann wird die große Frage to idealen Dienstverhältnisses gelöst fein? Noch lange < aber jede Frau soll ihr Scherflein dazu beitragen, bcft « allmählich besser wird, daß wir unsere Mädchen besser miM indem wir sie zu uns heranziehen, Heraufziehen, Mensch« lassen!"

Literarisches

»Deutschlands Sieg« 1870/71. Ein Rückblick auf die M Zeit der Aufrichtung des deutschen Kaiserreiches" betitelt sich die« Major a. D. v. d. Lochau herausgegebene Uebersicht über den i® zösischen Krieg. (Verlag von Reinhold Kühn, Berlin, Mk. IS) Reben einer gedrängten Skizze des allgemeinen Verlaufes des Kwp sind in kurzen Worten die sämmtlichen Gefechte, Schlachten und Beleg® ungen mit den Daten aufgeführt, die größeren mit Angabe lit Streitkräfte und Geschütze, nach dem Stande der neuesten Forschung!«. Eine Uebersicht über die Stärken der Armeen in den größeren Phasen i» Krieges, sowie die Planskizzen, die die Bewegungen der verschiedenenAm« indurchsichtigerWeisewiedergeben, vollenden dieSchrift, dienichtpractW gedacht werden kann und daher von allen Seiten freudigst willkom« geheißen wird. Sie füllt eine oft gefühlte Lücke unserer KriegslittenL aus und ist für Fachmänner und Besitzer größerer Werke über den fcä ein bequemer Wegweiser zum Nachschlagen, für Laien ein belehrend« Studium über den Krieg, ein fast unentbehrliches Handbuch für Les« und Schüler aller Lehranstalten. Seine Majestät hat das BiW huldvoll entgegengenommen, und der Generalstab sich lobend über-* selbe ausgesprochen. Die weiteste Verbreitung ist dem Werke umW zu wünschen, als der gesummte Reingewinn für die Invaliden von liM bestimmt ist.

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Das neueste Heft (4) der unter der Redaction von Berta W Suttner im Verlag von E. Pierson in Dresden erscheinens Zeitschrift »Die Waffen nieder!"' hat wiederum einen maM faltigen und reichhaltigen Inhalt. Wir heben aus demselben W stehendes hervor: Ernst Böhme: Krieg und Christenthum. 3®®! und die Friedensbewegung. Fredrik Bajer: Reutralisirung. pold Kätscher: Auch in Rußland regt es sich. Auch ein Argun» Moritz Adler: Polemisches. Mor. Amster: Ostern! AdaM v. Majersky: Der größere Held. Zeitschau. Gegen die Friedens­bewegung. Gegen den Krieg. Korrespondenz. Literarisches. 7 Aus den Fachzeitschriften. Aus der Presse. Aus den 8^«» vereinen. Vermischtes. Mittheilungen in der Nußschale.-Wj reichische Gesellschaft der Friedensfreunde. (Liste der Beiträge.) Briefkasten. Bei reichem Inhalt und vorzüglicher Ausstattung toi Die Waffen nieder!" jährlich nur 6 Mark.

SO «dien: N. Schehda. Druck und Vertag der Brühl'scheu UniverfitatS-N^ch- und Steindruckerei (Pietsch <fc Scheyda) in