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Angst hattest und ich gar nicht — und Du immer näher zu mir rücktest, da fanden sich unsere Hände — und das beruhigte Dich so merkwürdig I . - -
Ich kann mich aber durchaus nicht mehr besinnen, was mit uns nach dieser Partie geschehen. Ich weiß nicht mehr, wie lang Du noch früh Morgens mich gegrüßt und wie unsere Liebe geendet. Denn ein Ende muß sie doch gehabt haben — ich säße sonst wohl heute nicht in Sickendorf am Berge — und in ziemlich kalter Stube, denn ich habe vorhin die Fenster zu schließen vergessen, und das Feuer ist am Verlöschen. D'rum schnell jetzt ins Bett! Denn ich habe ja nun ein liebes, treuliches Bildchen, bei dessen Anschauen ich die Gedanken des Weh's vergessen mag, und das ich mit in meine Träume nehmen möchte . . .
Aus der Ferne des Raumes und der Zeit rufe ich Dir's zu, Marte Elschen: „Hab' Dank, daß Du einst mich lieb gehabt! Die unschuldige, flüchtige Kinderliebe ist doch Gold werth I Sie hat mich, da ihre schuldige, lebensernste Schwester mir das Herz zerrissen und mich mit tausend Schmerzen geplagt, mit ihren lichten, sonnigen Augen angeblickt, milde mir zugelacht, mich ruhiger gemacht und sroher — und wär's auch nur für Stunden, das mindert ihr Verdienst nicht! Hab'Dank, Marie Elschen, hab' Dank — und sieh', wie reine Liebe von Gott so wunderbar gesegnet ist, auch die ferne, längst entschwundene, die flüchtige und kindliche ... wie reich ist sie!"
Madame Sans GNe.
Storno» mich Lictortr« Sardou und F. Morr««». Deutsch vsn »del« »««,«».
(Sortschmnz.)
XX.
Der Sieg.
Jene, welche sich an dem denkwürdigen Morgen des 6. November 1792 auf den Höhen von Jemappes befanden, sahen ein unvergeßliches majestätisches Schauspiel.
Blaßgraue Dämmerung lag über den Hügeln. Ein leichter Windhauch lief über die Gipfel, beugte die Sträucher und fegte die trockenen Blätter zu Haufen.
Die dichten Massen der Oesterrsicher, Ungarn und Preußen besetzten die Höhen- Die pslzverbrämten Wämser der Husaren, die hohen Mützen der Grenadiere, die halbkonischen Czakos der Infanterie, die Larzen, die krummen Säbel der Cavallerie glänzten, funkelten und leuchteten in der fahlen Helle dieses Herbstmorgens.
Weiter unten schützten improvisirte Redouten, Schanzen und Pallisaden die Tiroler Jäger mit den spitzen Filzhüten und einer Fasan- oder Adlerfeder an der Seite.
Die rechts und links im Hinterhalte liegende Artillerie richtete an der Brüstung der Schanzen und Pfosten ihre langen Bronzeschlünde mit den offenen Mündungen auf.
Die Position der Oesterreicher zog sich furchtbar hin: der rechte Flügel lehnte sich an das Dorf Jemappes, indem er mit der Front einen Winkel bildete, und der linke stützte sich an die Chaussee von Valencienner.
Auf drei bewaldeten Hügeln zogen sich amphttheatralisch drei Reihen von Redouten hin, besetzt mit zwanzig großen Geschützstücken, ebensovielen Haubitzen und drei Kanonen per Bataillon, alles zusammen gegen hundert Feuerschlünde.
Der Vortheil der Aufstellung, die unbestreitbare Ueber- legenheit einer kriegstüchtigen, mit Muniton wohl versehenen und von erfahrenen Chefs, gleich Clerfayt und Beaulieu, commandirten Armee, die Macht einer Artillerie, die von oben den Feind niederfchmettern konnte, der in einer von Sümpfen durchzogenen Ebene vorrückte und gezwungen war, unter einem mörderischen Feuer die ebenso schrecklich ver- theidigten Abhänge hinanzusteigen, gab den Generalen des Reiches die fast völlige Sicherheit des Sieges.
Außerdem hatte die österreichische Armee wohl ausge
ruht, und auf trockenes Terrain gestellt, gut fouragiert, bevor mit der Morgendämmerung die ersten Kanonenschüsse die Schlacht eröffneten.
Die Franzosen hingegen hatten die ganze Nacht auf einem feuchten Boden campiert und nicht Zeit gehabt, die Suppe zu bereiten. Man hatte ihnen gesagt, daß sie unterwegs in Mons, nach dem Siege abkochen würden.
Mit leerem Magen, aber hoffnungsvoll hatten sie sich auf den Marsch gemacht, in der Hoffnung, sich ihr Frühstück zugleich mit der Schlacht noch vor Mittag zu gewinnen.
Der Nebel erhob sich langsam über dem kotigen Boden der Ebene, die ganz mit Menschen bedeckt war, welche sich in Unordnung vorwärts schoben und stießen.
Zur selben Zett, da die Armee sich in Bewegung setzte, stimmten beim Signal der Kanonen alle Musikbanden der Brigade in einem hehren Zusammenklang die Marseillaise an. Der sonore Ton der Blechinstrumente antwortete den Detonationen der Haubitzen.
Aus fünfzigtausend Kehlen ertönten zugleich, von der Artillerie begleitet, und von den Instrumenten unterstützt, die martialen Worte der schrecklichen Hymne der Revolution.
Und das Echo von Jemappes, Cuesmes und Barthai- mont sandte den Oesterreichern den prächtigen Trotz dieser heldenhaften Rufe entgegen: „Aux armes, citoyens! Fermes vos bataillons!“
Es war nicht mehr eine Armee, die in Reih und Glied trat, sondern eine ganze Nation, die sich erhob, und vorwärts stürzte, um ihren Boden zu vertheidigen und die Freiheit zu retten.
Die alte Taktik war verlassen. Wie ein Meer, bas seine Dämme durchbricht, schob das schäumende Frankreich seine Menschenfluth zum Sturme gegen diese Höhen, alles zerbrechend, Redouten, Schanzen, Pallisaden mit seinen immer höheren Wogen wegretßend.
Eine Ueberschwemmung in einem Orkan, das war die Schlacht von Jemappes.
Nur Kanonen und Bajonette wurden angewendet.
Aus der Ferne vernichtete die Artillerie die österreichischen Vertheidigungen, dann stürzten sich mit blanker Waffe die Freiwilligen, Garden, Bürger, die Arbeiter von gestern auf die Geschütze, säbelten die Artilleristen nieder, zersprengten die Jnfanteriekarres, hielten die Escadronen, die einen Augenblick verwirrten Reiter auf.
General d'Haville commandierte links mit dem alte« General Ferrand; beauftragt, das Dorf Jemappes zu entsetzen, sand dieser Widerstand; Dumouriez sandte ihm Thö- venot als Verstärkung, der bald siegreich in den Ort eindrang. Es war Mittag.
Beurnonville attakierte rechts. Unter seinem Befehle commandirte Dampierre die Pariser Freiwilligen. Diesen Kindern der Vorstädte von Paris ward die Ehre zu Theil, die drei Redouten zu nehmen.
Bei dem Gesänge der Marseillaise und des Qa ira wurden die letzten Verschanzungen der Oesterreicher von Pariser Bataillonen genommen, darunter die Section des Lombardes und die braven Freiwilligen. Die Linientruppen, das 13. Regiment, wo Lefebvre sich wie ein Wüthender schlug, die Chasseure und Husaren von Berchiny und Chamborand trugen gleichzeitig zu dem entscheidendem Siege bei, der Frankreich vor der Jnvassion bewahrte, Belgien befreite, die alten Truppen Deutschlands vernichtete, und der das Licht der Welt erblickenden Republik die Ruhmestaufe gab.
Nach der Schlacht machte man sich bei den Sieger« daran, zu soupieren.
Die Stunde des Frühstücks und des Mittagessens war vorüber. Man begnügte sich mit der Abendmahlzeit.
Alle tranken auf den Sieg, auf die Nation, auf Dumouriez, auf Baptist Renard, den Helden in der Livree, auf den Nationalconvent; auf die Befreiung Belgiens und auch am die Menschlichkeit.
Der letzte Toast wurde im Bivouac der Freiwilligen von Mayenne-et-Loire von einem Assistenzarzt ausgebracht,
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