AntrchaUungsblatt zum Gießener Anzeiger (General AnMger).
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Sturmfluth.
Roman von Em. Heinrichs.
(Fortsetzung.)
Jetzt war die Reihe zum Stutzen an Leonore und Ham» fon gekommen. Was war geschehen, um den Herrn Professor urplötzlich umzuwandeln? Er, der noch gestern seiner Tochter ihre Parteinahme für den Amerikaner mit wegwerfenden Worten verwiesen hatte; für ihn, hatte er gesagt, bedürfe es noch ganz anderer Zeugnisse, um einem Fremden, der Gott weiß welche Vergangenheit in Amerika haben könne, Vertrauen zu schenken und heute kam er diesem Fremden mit der cordtalsten Herzlichkeit entgegen und scherzte in einer Weise, die Leonore geradezu haarsträubend erschien. Hatte der Pava zu gut gefrühstückt?
Scheu streifte ihr Blick Hamsons Gestcht, auf welchem sich ein zerstreutes Lächeln zeigte.
»Sie irren, Herr Professor," erwiderte der junge Mann, sich gewaltsam zusammennehmend, „ich bin ein ebenso fried» fertiger wie ungefährlicher Gegner, falls das gnädige Fräu» « r ?? solchen betrachten sollte. Ich hätte mir diesen Besuch nicht erlaubt, wenn nicht die Angelegenheit meines Freundes Ehrhard mich halb und halb dazu gezwungen hätten, mrr Ihren Rath zu erbitten."
< »Gut. dann setzen Sie sich gefälligst, junger Herr!" nickte der Professor. „Ich denke, daß Sie nicht viel zu versäumen haben und daß es hier gemüthltcher ist, als draußen. Mama ist wohl noch nicht wieder daheim?" wandte er sich an Leo» nore, welche sich erhoben hatte und Miene machte, das Zimmer zu verlassen. °
„Nein, Papa!"
t „»Die reine Armesündermiene," sagte der alte Herr, ihr kopfschüttelnd nachblickend. „Na, es wird wohl nichts weiter zu bedeuten haben. Nun bitte, Herr Hamson!"
baß mein Freund Ehrhard mit Riesenschritten seiner Genesung entgegengeht, Herr Professor!" . »Freilich weiß ich das, habe mich ja erst gestern selber davon überzeugt. Mein alter Hauptmann, mit dem es leider
noch immer nicht recht vorwärts will, hat mit seiner Friedenspfeife die famose Wunderkur vollendet."
„Sie sind ja heute der reine Indianer," lächelte Hamson, der nun ebenfalls an eine Weinlaune des Professors zu glauben begann.
„Da muß ich Ihnen, dem Amerikaner, ja doppelt fym» pathisch sein, mein junger Freund! Doch Scherz bei Seite, mit welchem Rathschlag kann ich Ihnen dienen?"
„Willibald verlangt von mir, daß ich der Militärbehörde von seinem Hiersein Kenntniß gebe und seine Bestrafung beantrage, und verlangt das als einen Freundschaftsdienst, den ich ihm unweigerlich leisten müsse."
Der Professor blickte nachdenklich vor sich hin.
»Das sleht dem Querkopf ähnlich," nickte er, „weiß Elisabeth Ehrhard davon?"
.„Bewahre, er hat mir vorher das Wort abgenommen, ihr kein Wort davon zu sagen."
„Aha, an Andere hat er nicht gedacht, der thörichte tW, weil sie ihm Herz und Kopf jetzt ganz allein aus» zusüllen scheint. Weshalb aber um Gotteswillen hat er's so eilig damit?"
„Weil er natürlich seine Elisabeth sobald wie möglich zu heirathen und dann hier in der Vaterstadt sich anzusiedeln gedenkt. Da ist es begreiflich, daß er die Sache so schnell wie möglich hinter sich haben will. Da sein Gegner damals ohne üble Folgen davongekommen ist, so hofft er auf Milderungsgründe und trägt sich sogar mit einem Bitt«such an Ihren Herzog."
Der Professor blickte den jungen Mann, dessen intelligentes, scharf geschnittenes Antlitz von einem schmerzlich'finsteren Ausdruck überschattet war, forschend an und schüttelte verwundert den Kopf.
„Weshalb sind Sie plötzlich so pessimistisch aesinnt?" fragte er. „Die Geschichte rottb für Ihren Freund "so überaus schlimm jetzt nicht verlaufen und dann denke ich, hat er doch nebenbei ein Glück gesunden, um das ihn Viele beneiden werden."
»Wer möchte das bestreiten!" rief Hamson mit'ungewöhn« licher Wärme. „Und wenn mein Freund zehn Jahre Kerkerhaft bekäme, so wäre er dennoch ein beneidenswerther Mann,


