Ausgabe 
23.3.1895
 
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verkauften wir einen Mantel um 45,000 Franc«, dessen Pelzwerk allein 44,000 Francs verschlang Damen aller Höfe der civilisirten Welt gehören, wie erwähnt, zu jenen, die uns ihre Gunst schenken mit einer einzigen Ausnahme: Königin Victoria hat uns niemals durch eine Bestellung ausgezeichnet." Worth hatte eine coloffale Meinung von sich und gab ihr gelegentlich auch entsprechenden Ausdruck. Eine Dame beklagte sich einmal bei ihm über den hohen Preis für ein Kleid aus einfachem Stoffe.Wie, Madame", rief der »König" entrüstet,bezahlen Sie denn Meiffonier nur für die Leinwand und die Farben?"

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Gemeinnütziges.

Die schnellste Vermehrung, um Büsche oder Sträucher zu bekommen, ist die durch Ableger. Durch kurzes Abschneiden am Boden erhält man niedrig verzweigte Sträucher. Im zeitigen Frühjahre werden die einjährigen Ruthen flach unter Boden gelegt, so wird jedes einzelne Auge austreiben und auch Wurzeln machen. Die einzelnen Theile können dann im Herbste abgenommen und verpflanzt werden.

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Weiße Wollsachen werden gewaschen, indem man venetianische Seife fein zerschneidet, mit kochendem Wasser übergießt und schaumig rührt. Soweit sich das Wasser ab» gekühlt hat, daß man die Hand hineinhalten kann, werden die unsauberen Gegenstände eingetaucht und so lange darin tüchtig gepeitscht (nicht gerieben), bis sie rein sind. Zum Nachspülen nimmt man dieselbe Lösung, nur mit weniger Seife vermischt, lauwarm. Beim Trocknen muß sorgfältig darauf geachtet werden, daß die Wäschegegenüände weder bittet der Sonne noch der starken Ofenhitze ausgesetzt werden, sowie daß man dieselben noch feucht bügelt. Sollte die Taille nur an Stellen beschmutzt sein, so empfiehlt es sich, dteftchmutzigen Stellen mit obiger Setsenlösung vermittelst einer weichen Bürste oder eines sauberen Flanelllappens zu reinigen.

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Einen Kitt, uw Löcher oder Risse in Eisen­guß vuszubefsern, erhält man durch Zusammenmischen von gleichen Theilen arabrschen Gummi, gebrannten Gypse» und Eisenfeilspähnen. Man bewahrt das Gemisch trocken auf; zum Gebrauch rührt man es mit wenig Wasser an. Dieser Kitt wird sehr hart und widersteht dem Wasser und Feuer.

Zur Bereitung eines guten, der Nässe wider­stehenden Holzanstriches schmilzt man 24 Loth Kolo­phonium, mischt hierzu 48 Pfund Thran und 1 Psund ge­schmolzenen Schwefel und fügt zuletzt mit Leinöl abgeriebenen Ocker oder eine andere Farbe hinzu. Der Anstrich muß heiß geschehen, und zwar mittels eines Pinsels und einige Mal; der erste Anstrich muß sehr dünn sein.

VeviiMehtes.

Diein Gedanken stehen gebliebenen Regen­schirme" bilden eine ständige Rubrik im Annoncentheil der Zeitungen und kann man wohl sagen, daß mehr Neu- Anschaffungen von Schirmen durch Stehenlaffen derselben als durch natürliche Abnutzung nothwendig werden; besonders reich illustrtrt wird dieseGedankenlosigkeit der Schirme" durch da» Fundbureau der Berliner Stadtbahn, wo Tausende von Schirmen vergeblich ihrer Herren harren. Practtsch, wie nun einmal die Engländer sein sollen, hat nun ein Herr Hamilton in London den Schirmen ein recht zweckmäßiges und elegantes Anhängsel gegeben, wodurch sich jeder Schirm sofort legitimirt. Die Neuerung besteht aus einem flachen,

schmalen Kästchen, das ungefähr wie das Futteral G Taschenkammes aussieht, dessen Dicke nicht viel mehr wie tz Pappstärke beträgt und welcher fünf (Zentimeter lang t einen Centimeter breit ist. Die eine Seite ist oben at« fenster gestaltet, während der übrige Körper aus dünnem U gebogen und schwarz lackirt ist. Dieses Streifchen wird zwei seitlich angebrachten feinen Drähten an einem der St des Schirmgestelles befestigt, nachdem man in den Hohlri seitlich ein schmale» Kärtchen eingeschoben, welches Name r Wohnung des Schirmbesitzers trägt, welche Adresse unter! Glase sichtbar wird. Ueberall da, wo ehrliche Leute eit derart gekennzeichneten Schirm finden oder verwechseln, * die Neuerung gewiß die vielen bisherigen UnannehmliW derin Gedanken stehen gebliebenen Schirme" sehr einschrU (Mitgetheilt vom Internationalen Patentbureau Carl Netchelt, Berlin NW.)

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Regen- und Sonnenschirme, die sich von s öffnen, wenn man einen Druck auf einen Knopf am f ausübt, sind jetzt in England zu haben. Dieselben haben Vortheil, zu ihrer Oeffnung des Gebrauch» von nur t Hand zu bedürfen; auch das Schließen läßt sich ganzgziti einer Hand bewirken, wobei die Feder gespannt wird, weil das Aufschnellen de» Schirmes verursacht. (Mitgchi vom Internationalen Patentbureau Carl Fr. Reichel Berlin NW.)

Spare!Wie soll ich sparen können," wird daM cher ausrufen,bei meinem geringen Gehalt? Wenn ich tach Thaler verdiente, ginge das wohl." Nun, Mancher oeibit taufend Thaler und spart doch nicht. Sparen ist eben ti Kunst und will gelernt sein. Wann soll man anfangen sparen? In der Jugend. Wie gehen heutzutage die Di« mädchen gekleidet? Wie feine Damen sehen sie au»! Wie« bringen junge Burschen heutzutage an einem Sonntag Ä Markstücke für ein Vergnügen. Wie schön könnte da M werden! Wenn man täglich weniger Bier trinkt und M viele Cigarren raucht, kann man nicht nur Pfennige, forte auch Groschen zurücklegen. Wenn man sich nicht sofort« der neuesten Mode kleidet, wenn man gut, aber einfach i und Andere gut, aber einfach bewirthet, wird man bald eilt Thaler übrig haben. Viel könnten wir auch nach der Rich!« für Andere thun. In jedem Hause sollten die Dienstb« veranlaßt werden, sich ein Sparkassenbuch anzulegen und bestimmten Zeiten etwas hineinzulegen. Beachtenswerth fr hier die Worte von Hebel: Wo nicht» ist, kommt nichts hi was nicht ist, das kann werden. Von zwei unbemM Brüdern hatte der eine keine Lust und keinen Muth, et« zu erwerben, weil ihm das Geld nicht zum Fenster hi«! regnete. Er sagte immer:Wo nichts ist, kommt nicht» hii Und so war es auch. Er blieb sein Lebenlang der ar Bruder Wonichtsist, weil es ihm nie der Mühe werth w mit einer kleinen Ersparniß den Anfang zu machen, um l und nach zu einem größeren Vermögen zu kommen. ! dachte der jüngere Bruder nicht. Der pflegte zu M Was nicht ist, das kann werden." Er hielt das Wes was ihm von der Verlassenschaft der Eltern zu Theil gewoi' war, zu Rathe und vermehrte es nach und nach durch eie? Ersparniß, indem er fleißig arbeitete und eingezogen I? Anfänglich ging es hart und langsam; aber sein Sprich Was nicht ist, das kann noch werden", gab ihm Ü Muth und Hoffnung. Mit der Zeit ging es besser. Er B durch unverdroffenen Fleiß und Gottes Segen noch ein w habender Mann und ernährt jetzt die Kinder des armen W" Wonichtsist, der selber nichts zu nagen und zu beißen F

Ein Lob.Papa, heut bin ich vom Herrn director gelobt worden." Das ist hübsch, mein Aber weshalb denn?"Weil ich ihm so frühzeitig""'

MhHlWl A. Echsytz«. Druck tmk Verlag bet Brsihl'schni Universitäts-Buch- und Steindruck,r,i (Pietsch & Vchetzdch in UM®

Schulgeld gebracht habe."