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Samstag den 28. Februar.
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1895.
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Unterhaltungsblau zum Gießener Anzeiger (General-Anzeiger).
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In der neuen Welt.
Roman von P. Olleverio.
(ffortjetzung.)
Als am Abend der Thee auf dem Tische stand, bat mich Fanny, Gertraud zu rufen.
„Sie ist kurz nach Dir weggegangen," fuhr Fanny fort. „Aber ste muß lange wieder zurück sein, obgleich ich ste nicht habe kommen hören."
Ich klopfte an Gertrauds Thür, da ich aber keine Antwort erhielt, öffnete ich leise und trat in da» Zimmer. Es war leer. Gertrauds Hut und ihr langer Regenmantel waren nicht an dem Platz, wo sie immer zu hängen pflegten. Das weiße Mullkleid, an welchem sie am Morgen gearbeitet, lag noch genau so auf dem Bett, wie sie es am Mittag aus der Hand gelegt hatte; ihre kleinen, blauen Morgenschuhe standen auf dem Stuhle.
„Sie kann noch nicht zu Hause sein," sagte ich zu Fanny. „Ich möchte nur wissen, wohin sie gegangen ist."
„Wir wollen mit dem Thee nicht warten," meinte diese. „Es kann frischer für sie aufgegossen werden, sobald sie kommt."
Hugo Bergen kam, wie wir erwartet hatten. Er machte eine sehr enttäuschte Miene, al« er Gertrauds Platz leer fand; und so lange er auch seinen Besuch ausdehnte, sah er sich schließlich doch gezwungen, wieder zu gehen, ohne sie gesehen zu haben.
Ich glaube, wir beunruhigten uns nicht eher um ste, als bis es völlig dunkel wurde, dann aber befiel uns eine große Angst. Wir schickten Oscar und einige Arbeiter aus, um in der Nachbarschaft nach ihr zu suchen, aber ohne Erfolg. Werde ich jemals die endlose, furchtbare Nacht, das traurige Morgengrauen vergessen?
„Mein Gott, wenn ste an die Bucht hinuntergegangen und hineingefallen wäre!" fchluchzte Fanny.
Nicht weit von unserem Hause entfernt war ein tiefes Loch, an dessen Ende stch das Erdreich hinabsenkte, so daß das erstere weder von unserem Hause, noch von einem der übrigen Farmgebäude aus zu sehen war.
Fanny und ich würden sofort an die Bucht gelaufen sein, wenn Oscar nicht Einspruch gethan und selbst gegangen wäre. Doch auch von da kehrte er unverrichteter Sache zurück und meinte nur, es wäre ihm vorgekommen, als ob das Gras am Rande der Bucht niedsrgetreten wäre.
Als der Morgen graute und es allmälig lichter Tag wurde, ohne uns irgendwelche Nachricht zu bringen, blieb uns nichts weiter übrig, als der furchtbaren Wahrheit in da» Gesicht zu sehen.
Gertraud war verschwunden!
9. Capitel.
Oscar ritt zu allen unseren Nachbarn, um einen Schlüssel für da» Geheimniß zu finden, aber Niemand hatte Gertraud gesehen. Der arme Hugo Bergen war ganz von Sinnen vor Gram und Schmerz. Er Züchte sie an allm nur denkbaren Orten und sprengte nach allen Richtungen hin, so daß er sein bestes Pferd lahm ritt.
Fanny weinte über ihrem Kinde die bittersten Thränsn, und meiner hatte sich eine seltsame Rathlosigkeit bemächtigt. Ich vermochte keine zwei Minuten hintereinander ruhig zu bleiben; wenn ich mich niedersetzte, fing ich an zu denken, und das Denken steigerte meine Angst bis zur Unerträglichkeit; so lief ich von einer Stelle zur anderen, oft ohne Zweck, ohne Ziel-
Ich durchsuchte mit Fanny Gertrauds Zimmer, um zu sehen, ob sich nicht dort etwas fände, das einen Lichtstrahl in das Dunkel warf. Doch auch das blieb fruchtlos und als der Abend kam, befand ich mich noch immer in der entsetzlichen Rathlosigkeit. Ich stand im Hofe, der hinter dem Hause lag, und vermochte das Furchtbare noch nicht zu fassen, erwartete ich doch, als ich so vastand, Gertraud würde mir plötzlich in der hereinbrechenden Abenddämmerung entgegentreten. '
Da trat einer von Oscars Arbeitern, Namens Thorpe, auf mich zu und bat mich leise, ihm ein Stück von dem Hause fort zu folgen, da er mir etwas Wichtiges mitzutheilen habe.
Ich kannte den Mann genau, hatte ihm wiederholt von meinen englischen Büchern geliehen und mich über seinen Trieb, sich zu bilden, gefreut. Er gehört zu den Menschen, welchen m früher oder später gelingen muß, sich au» ihrer Klaffe


