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Gitte, den Häusern Namen^zu gebe». Meist waren es Vornamen von Gliedern der Familie.
Dieses Haus bewahrte auch hierin seine Eigenart.
„Villa Glück" stand über der reichgeschnitzten eichenen Hausthür, allerdings in fast erblindeten, einstmals goldenen Buchstaben.
Hierher lenkte Elisabeth» Begleiter seine Schritte. An dem Eingang zum Garten blieb fie einen Augenblick auf- athmend stehen und trocknete den Schweiß von der Stirn.
(Fortsetzung folgt.)
Das Waöy des Zarenpaares.
In Paris sind, wie das „Neue Wiener Tageblatt" mit* theilt, vor Kurzem zwei Layetten, Ausstattungen für Ne.ugeborene, fertiggestellt und nach Petersburg an den Zarenhof abgesandt worden. Ob nun das Kind des Zarenpaares ein Großfürst'Thronfolger oder eine Großfürstin werden wird — dank den in Paris gemachten Bestellungen wird die kaiserliche Mutter nicht einen Moment in Verlegenheit sein, wie sie den Säugling anziehen soll. Denn die eine der Kinderausstattungen ist für einen Knaben, die andere für ein Mädchen bestimmt und je nach Bedarf wird die eine oder die andere in Verwendung genommen werden. Am Zaren* Hofe besitzen, wie bekannt, die englische Mode und die englische Sprache die Vorherrschaft und so ist e» auch nicht zu verwundern, wenn die momentan wichtige Toilettefrage von der Zarin im englischen Sinne entschieden wurde und die in Paris bestellten Ausstattungsstücke alle nach englischem Muster gearbeitet wurden. Die Bändchen sind sämmtlich aus englischem Battist mit Valenciennesspitzen geziert, die Jäckchen aus Flanell mit Spitzenüberzügen, Blümchen und Sterne darstellend. Sie erscheinen in dreierlei Größen, von jeder Gattung z w ö l f D u tz e n d. Die Wäsche für den Knaben ist mit purpurrothen Bändern, jene des Mädchens mit blauen Bändern gebunden. Die Windeln wurden aus in hollän* bischen Fabriken bestellter Leinwand hergestellt; sie sind so zart, daß man jede in einer Nußschale unterbringen könnte. Während alle anderen Wäschestücke eine überaus zierlich ein* gestickte Kaiserkrone tragen» sind die Windeln ohne jedes Merkzeichen. Die „Bavettes" find klein, rund, aus gesticktem Battist, gefüttert mit einer gesteppten Unterlage aus Pique. Einige Dutzend derselben zeigen Volant» aus feinen Guipure* Spitzen. Die Bademäntel aus weißem Flanell werden doppelt genommen, mit Capuchons und seidenen Schnüren, mit der gleichen Unterscheidung der Farben wie oben erwähnt für den Prinzen oder die Prinzessin. Weiters gibt es eine Reihe weißer Leder schuhe mit Atlas gefüttert, mit Spitzen verziert und mit Schwanenflaumen verbrämt. Die für den Prinzen bestimmten haben die Form kleiner niedlicher Reiter* stiefel. Die Tragmäntel sind Prachtstücke in ihrer Art- Da sieht man solche aus weißer Ottomane mit Eider* dunen gefüllt, darüber große Pelerinen aus Ttbetziegenfell. Weiße Cachemirmäntelmit großen Maiglöckchengutrlanden bringen einen reizenden Effect hervor, fie ruhen auf einem Grund von Valenciennes-Spitzen. Weise Atlasmäntel mit Hermelin verbrämt und gefüttert, wieder auf speziellen Wunsch der Kaiserin verfertigt, dazu kleine Capotehütchen mit Straußfedern geschmückt. Schließlich bekommt das Zaren* kind auch kurze Mäntelchen mit Kutscherkragen au» Tibet* ziegensell mit Verbrämung von Chinchilla, Zobel und Sealskin. Eine Unzahl langer Kleidchen aus weißem Sammt, vorne offen wie die rusfischen Bauernblousen, mit Pelz verbrämt und bauschigen Unterhemdchen, zeugen von echt französischem Chic. Tragkleider aus Battist mit Valencienne», viele Kleider aus Pique mit irischen Spitzen, Guipurespitzen-Kleidchen mit Atlas gefüttert vervollständigen den Troufleau. Entzückend find die taillenlosen amerikanischen Kleider au» englischen Webstoffen, leicht wie Flaumeufedern mit Satteleinsätzen und
Krägelchen aus Stickereien. Die beiden Layetten ruhen in drei großen Spiegelschränken, die mit weißem Atlas aus* tapezirt find. Obenauf liegen viele Dutzende von M i n i a t u r - Handschuhen aus weißem Sammt, mit Eiderdunen gefüttert. Da man vermuthet, daß Königin Victoria für ihr Urenkelkind eine englische „nurse“ schicken dürste, die statt der Wickelbänder Sicherheitsnadeln verwendet, hat man in einer Kassette viele Dutzende goldener Sicherheitsnadeln beigefügt. Zum Festhalten der Bärtchen wurden vier Dutzend Brachen angefertigt, die in Perlen das Wort „Baby“ zeigen. Die Perlen wurden vom russischen Hofe geliefert. In einem eigenen Kasten, der in zwei Abtheilungen gesondert, ruhen die Taufgewänder für den Großfürsten oder die Großfürstin.
Gemeinnütziges.
Alte Oelgernälde wieder aufzufrischen. Vor allen Dingen ist zu diesem Verfahren ein Kasten erforderlich, welcher groß genug ist, das betreffende Bild aufzunehmen, etwa 10 bi» 15 Zentimeter Höhe besitzt und vollständig wasserdicht und mit einem gut passenden Deckel versehen ist. Man gießt auf den Boden ve» Kasten« etwa ein Zentimeter hoch eine Schicht des stärksten Weingeistes und legt das auf* zufrischende Bild mit der bemalten Seite nach unten auf mehrere in dem Kasten angebrachte Stützen so auf, daß e» etwas über dem Spiegel der Flüssigkeit liegt, und deckt schließlich den Deckel darauf. Der auf dem Bilde befindliche Firniß wird durch die aufsteigenden Alkoholdämpfe so erweicht, daß binnen 1 bis 2 Tagen die zahllosen Sprünge aus dem Bilde verschwunden sind und dasselbe wieder ein frische» Aussehen zeigt.
Literarisches
Ei« «etter Roma« von Georg Eber». Im Laufe des November, also noch rechtzeitig für den Weihnachtstisch, wird in der Deutschen Verlags-Anstalt in Stuttgart ein neuer Ebers'scher Roman erscheinen, betitelt: „Im blauen Hecht." Ein einfacher Titel, der weit von denen der früheren Dichtungen des berühmten Verfassers der „Aegyptischen Königstochter" abweicht; auch die Heldin und ihre Umgebung gehören einem Lebenskreise an, von dem Georg Ebers sich sonst fernhält, und doch wird dieser Roman die Theilnahme des Lesers nicht weniger in Anspruch nehmen, als die frühern Werke, die über den ganzen Erdkreis verbreitet sind. Die Handlung spielt im sechzehnten Jahrhundert, in der Zeit des Humanismus, der die Geister der Gebildeten damals so mächtig ergriff.
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Vor uns liegt die erste Nummer des neuen, 32. Jahrgangs des „Daheim.* Derselbe beginnt mit einem großangelegten Roman von Hanns von Zobeltitz „Senior und Junior," der in der Gegenwart spielt, und einer zweiten größeren historischen Erzählung „Frieden auf Erden!" von Rud. Stratz. Die Nummer enthält außerdem einen reich illustrirten Artikel, der sich mit der Erhaltung der Halligen an der Nordseeküste beschäftigt und einen der besten Kenner der einsamen Inselwelt, Ehr. Jensen in Oevenum auf Föhr, zum Verfasser hat, sowie eine spannende Kriegserinnerung „Die Batterie der Toten" von O. Elster. Von Romanen und Erzählungen sind für den neuen Jahrgang ferner angezeigt Werke von E. Remin, Fr. Jacobsen, Heinr. Seidel, Hans Arnold, Hans Hoffmann, Ilse Frapan rc. Eine Eigenart des Daheim sind seine wöchentlichen Beilagen, von denen die uns vorliegende Nummer nicht weniger als fünf bringt: „Aus der Zeit — für die Zeit," eine kleine illustrirte Zeitung, „Das Frauendaheim," der „Hausgarten," das „Kinderdaheim" und die „Hausmusik." An Vielseitigkeit, aber auch an Gediegenheit des Textes wie der künstlerischen Ausstattung, wird das Daheim sicher von keiner unserer anderen illustrirten Zeitschriften erreicht.
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Das Raffen des modernen Frauenkleides. Die gegenwärtige Mode, die kleidsamste seit Jahrzehnten, ist auch seit Langem die erste, die durch den malerischen Reiz der Stofffalten bestechend wirkt. Die bauschigen, weitfaltigen Röcke bieten jedoch den Nachtheil, daß es schwer ist, sie correct hoch zu raffen. Im Heft Nr. 2 der „Wiener Mode* finden wir vier hübsche Zeichnungen, die sehr graeiöse Formen des Emporraffens illustriren. Dasselbe Heft bringt vornehme Trauertoiletten, zahlreiche Confectionsstücke, originelle Roben und practische Hauskleider. Die farbige Beilage, sowie die farbigen Umschlagbilder sind künstlerisch, sowie in Bezug auf Mode äußerst gelungen.
Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniverfitätS-Buch- und Steindruckerei lPietsch & Scheyda) in Si-tzeN.


