Ausgabe 
22.10.1895
 
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Schnell eilte ste heim.

noch so hoch gehen, sie legen sich und Wetter toben, das Unwetter schwersten Wolken theilen sich und

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Ob auch die Wogen doch wieder. Ob Sturm zieht doch vorüber. Die

sein. So Viele mußten auf eigenen Füßen stehen, sollte ste es nicht auch vermögen?

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Wegen un eigenem Gi

ein goldenes Sternlein bricht sich Bahn. So ist es auch im Menschenleben, dem Regen folgt Sonnenschein.

Monate gingen an der Familie Kronau in Sorgen und Kummer dahin. Es war unendlich schwer, die Verhältnisse einigermaßen zu ordnen, viele Entbehrungen nöthig, wollte man allen Verpflichtungen gerecht werden. Um so freudiger begrüßte man des beauftragten Rechtsanwalts Nachricht, daß Alles geordnet sei; wie das möglich, verstanden die Betheiltg» ten selbst nicht, um so mehr, als er sich in tiefes Schweigen hüllte. Daß ein edler Wohlthäter ein gegriffen, jedenfalls der Landesherr selbst, ließ kaum einen Zweifel, es schien seine Bestätigung zu finden, als Paul unter der Hand anheim ge­geben ward, bei seinem Regiment wieder etnzutreten. Er war sehr glücklich, denn nun thürmte sich keine Scheidewand mehr auf zwischen ihm und seiner geliebten Braut. Auf seine Bitte entschlossen sich die Eitern, mit nach seiner freundlich und gesund gelegenen, überdies durch billige» Leben bevor­zugten Garnisonstadt überzusiedeln.

Elisabeth hatte nach langem Suchen, vieler Mühe und schroffen Abweisungen endlich einen Beruf gefunden, ste sollte einer älteren, kränklichen Dame in einer entfernten Gebirgs- stadt Gesellschaft leisten. Zwar hatte ihre Freundin Gretchen in unveränderter Theilnayme ste auch im Namen ihrer Eltern gebeten, auf recht lange Zeit al» lieber Gast zu ihnen zu kommen, eine fleißige Hand mehr sei bei Anfertigung der Aussteuer viel werth, auch werde es ihr eine Beruhigung sein, wenn nach ihrer Verheirathung der Mutter ein Ersatz in der Freundin bleibe. Elisabeth dankte von Herzen für alle Liebe, allein ste hielt es für besser, nicht zu verschieben, war doch dereinst ihr Loos sein werde.

An einem heißen Sommermorgen nahm ste Abschied von den Eltern, muthig kämpfte sie den Schmerz nieder, ging sie doch diesmal von ihren besten Segenswünschen begleitet den Weg, den die Pflicht ihr anwies; war es auch ein Weg, der in die Fremde führte, vielleicht ein Dornenpfad, Gott werde mit ihr fein, diese Hoffnung trocknete ihre Thränen. So weit hatte ihr Stolz sich beugen muffen, daß sie ihren Adel ab­legte, da es ihr nicht gelingen wollte, als Fräulein von Kronau ein Unterkommen zu finden.

Bescheiden in einem Eisenbahnwagen dritter Klasse oer-

nur zu schnell unter den tausenderlei schmerzenden Nadelstichen, welche sie täglich und stündlich empfand.

Ste fürchtete fich davor, nach Hause zu gehen und von den Erfahrungen am Hof zu berichten. Planlos schritt sie ein Stück Weges, ermüdet sank sie auf einer Bank im Schatten einer Kastanie zusammen, zu ihren Füßen rauschte der Fluß, es klang hinein in ihre trüben Gedanken, ihre Sorgen für die Zukunft. Den Eltern durfte sie nicht zur Last fallen, sie mußte sich selbst ihr Brod verdienen; aber wodurch? Die leise Hoffnung, daß die Fürstin ste freundlich empfangen, ihr eine Stellung geben werde, war kläglich gescheitert. War blieb ihr übrig, al» Gesellschafterin zu werden, die verschie­denen Stimmungen und Launen einer vornehmen Dame zu ertragen und stets daran erinnert zu werden, daß sie nichts sei, als eine Dienerin? Vielleicht von Monat zu Monat ent­lassen, weil, wie man ihr achselzuckend bemerkte, ste ihren Pflichten nicht gewachsen sei, welche sie übernommen habe. Wenn sie sich dann genöthigt sah, Eltern und Bruder zur Last zu fallen, ein Leben voller Entbehrungen und Demüthi- gungen vor sich, bis ihr Haar ergraut, bis endlich Gott sagte:Nun darfst Du zur Ruhe gehen I"

Gab es keinen Ausweg? Keinen? Mahnten nicht die rauschenden Wellen daran, wie Viele allem Leid schnell ein Ende zu machen wußten? Sie erhob sich, nein, dahin sollte e« nicht kommen, sie wollte den Kampf aufnehmen mit dem Da­

geschloffen aus den vornehmen Kreisen, man kannte sie einfach nicht mehr; Niemand von allen Anwesenden hätte Muth ge­habt zu einer Ausnahme. Zwei Damen hatten ganz nahe bei Elisabeth Platz genommen, sich das Warten durch den Austausch von Neuigkeiten verkürzend.

Haben Sie gehört," begann halblaut die eine Dame, daß Rittmeister von Löwen vom Militär austreten wird, um seine*großen Befitzthümer selbst zu verwalten? '

Noch hörte ich nichts davon, man wird es sehr bedauern, ihn dadurch mehr oder weniger aus der Gesellschaft zu ver­lieren," erhielt sie von der anderen Dame zur Antwort.Er wird sich allem Anschein nach nächstens mit einer Verwandten verloben, die junge Frau wird ihn sicher bald in seinen früheren Kreis zurückführen. Das hofft man allgemein."

Noch kürzlich sprach man von einer anderen Verbindung des Herrn von Löwen," begann die erste Dame wieder und dies war ein nur zu bezeichnender Wink nach Elisabeths Ver­steck und auf sie direct gemünzt.

Es erschien daher Elisabeth wie eine Erlösung, als eine Hofdame der Fürstin sich ihr näherte. Es war eine ältere Dame. Sie hatte dar schüchterne junge Mädchen beim ersten Auftreten am Hofe liebenswürdig errnuthigt und war ihr auch später mit der größten Freundlichkeit begegnet. Allein auch von ihr fand sie nur kalte Ablehnung. Nachdem sie durch steifes Neigen des Hauptes den ehrerbietigen Gruß Elisabeths erwidert, begann ste in förmlichem Tone:Königliche Hoheit lassen Fräulein von Kronau ihr Bedauern aussprechen, deren Besuch wegen verschiedener Angelegenheiten, welche schneller Erledigung harren, nicht annehmen zu können."

Nochmals wurde ein förmlicher Gruß gewechselt und die Dame entfernte sich rasch. Elisabeth stand einen Augenblick tödtltch erschrocken, dann eilte sie, dem Raum zu entfliehen, von welchem man sie verbannt hatte und ihr zeigte, daß sie nicht mehr zu den bevorzugten Damen des Landes gehörte. Ja, es ward ihr zur Gewißheit, daß ihr Vater und mit ihm auch die ganze Familie bei Hofe in Ungnade gefallen war. Schnell wollte sie die Treppe hinabsteigen, aber wie ein dichter Nebel legte sich es über ihre Augen. Ihre Füße zitterten, schwer und schwerer fühlte sie ihre Glieder werden; ste um­klammerte eine Marmorsäule; nur hier wollte ste nicht vor Schmerz und Scham umstnken, nicht einer Ohnmacht erliegen, um auf'» Neue Anlaß zu hämischen Bemerkungen zu geben. Wie tief sie es verletzte, ausgestoßen zu fein, kann nicht ge­schildert werden.

Schritte ertönten von unten zusammen mit dem Klirren eines Säbels und ein Herr sagte:Fräulein von Kronau, Sie find krank, erlauben Sie mir, daß ich Sie zu einem Wagen begleite."

Auch da» noch! Diese Stimme! Er" selbst war er, Herr von Löwen!

Ihr Stolz gab ihr jetzt neue Kraft, sie richtete sich fest auf.Ich danke, mir fehlt nichts," sagte sie in hastigen Worten, eilte an ihm vorüber, die Stufen herab und verließ das stolze Fürstenschloß, in welchem sie die schönsten und nun die bittersten Erfahrungen in ihrem Jugendleben kennen gelernt; um nun von stolzer Höhe hinabzusteigen zu Denen, welche unbemerkt ihres Weges gehen, oft einen Weg der Sorgen und der Entbehrungen. Sie ahnte nicht, daß dort oben Einer ihr nachblickte, bis sie entschwand.

Armes Kind," flüsterte er,warum weisest Du mich immer wieder schroff zurück?"

Erst nachdem sie aus dem Gesichtskreis des Schlosses ver­schwunden, blieb Elisabeth aufathmend stehen.

Nun wird er eintreten in den Kreis, welchem er an­gehört, wird mit allgemeiner Freude begrüßt werden, wird unter anderen Neuigkeiten erfahren, daß ich von dort verwiesen bin und sehr in der Ordnung finden, daß ich seine Begleitung zurückwies," sagte sie zu sich selbst. Eine unendliche Bitter- feit bedrückte sie zum Ersticken. Anfangs erfreut, die Ihrigen wiederzusehen, unter ihrem Schutz zu stehen, des Vaters besseres Befinden, gaben ihr Muth, sie hielt es nicht für zu schwer, fich den umgewandelten Verhältnissen anzupassen, allein er sank