Ausgabe 
22.8.1895
 
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igny" betitelt t Original von

Prachtwerkes: n Kreuz er, Heft 50 Pfg.) ; Illustrationen die Darstellung offenen Jnstru- der Ton blieb führt und ver- selnd, lheils in vilkleide, dessen wative Schmuck Traditionen des fickt zusammen- iments, wie er , den Ansturm lustigen reichen te in Einzel- n Dem, der es zur Erinnerung eradezu bewun- n die Hunderte Antheil an den em Verständniß 3 Ganze macht : seinen Namen Nige Preis des e Erscheinungs- en aller KriegS- rt wohlverdien-

i Ereignisse »Moderne« Heft 60 Pfg.) Schlachtenbilder Bleibtreu das Nnigungswerke. ige aus Briefen m die ©einig«.

werfen. Auch rtbildern, meist das Heft als : bedeutendsten derModernen diese Zeitschrift alle ähnlichen

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in Gießen«

p-| Nr. SS. Donnerstag de« 22 August . 18SS. [T|

UnterhaUungsblatt Mm Gießener Anzeiger (General-Anzeiger).

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Marie-Elschen.

Novelle von H. Förster.

------- (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Die Beiden mochten wohl gerade dabei sein, einander den letzten langen Kuß zu geben, al» der Schmied vor da» Haus trat- Da flog denn Gretel flüchtig zu ihm hin, den sie lassen ge­mußt, schlüpfte schlau und schnell in den Schatten, just gerade unter mein Fenster. Der Schmied schnappte sorglich hinter Gretel die Hausthüce zu. Nach ein paar Minuten wurde es im Oberstock licht. Hinter dem Vorhang sah ich einen Schatten, es mochte Gretel sein, die zur Ruhe ging. Richtig, sie war's; denn es dauerte gar nicht lang, nur so lang, wie ein flinkes, junges Mädchen zum Ausziehen in ungeheizter, winterkalter Stube braucht da schob eine Hand den Vorhang etwas zur Sette, und zwei sehnsüchtigen Mädchen« äugen war es eingefallen, ehe sie sich zu stillem Schlummer fchloffen, hinauszulugen, ober" etwa noch drüben stände und auf den allerletzten Gruß warte- Er mußte wohl noch nicht davongeschlichen sein, denn ich sah, wie sich jetzt eine Gestalt aus dem Schatten lößte und wie Gretel, die sich natürlich eines ungewohnten Beobachters nicht versah, grüßte und nickte ... ich weiß nicht, w i e lange noch, denn, wie ich sie so sah, im weißen, schimmernden Hemdchen, halb ver« verborgen von dem Vorhang, Dem den Gruß der Liebe sendend, der darüber, ach wie glücklich sein mochte da schlug es wie ein Blitz Mr in die Seele, und in seltsamer Gedankenverbindung kamen mir mit einem Male die Tage - Sinn, wo mir ein solches Grüßen gegolten; und eigentlich, ohne mir Rechenschaft von Bewegungen zu geben, ging ich vom Fenster und setzte mich in den Lehnstuhl vor dem Ofen, und vor mir tauchte ein liebes, lichtes Bildchen vertiefte ich m-ch darein, in Dein hübsches, nsche«, blühendes Kindergesichtchen, und dachte daran, wie ueb ich es gehabt . . . Marie Elschen!-----

In der Fülle und Breite und Stattlichkeit seines zugleich Ml?e" unb vornehmen Dasein steht zu Cassel in der -Wolfschluht einer Straße, die übrigens die Unholde aus demFreischütz" durchaus nicht zur Pathin hat ein

Hau«, an dessen langer Fenstsrreihe ich einst tagtäglich vier­mal vorübergtng. Hätte mir diese» Haus nicht im Wege gestanden, ich wäre nicht so oft zu spät in die Schule ge­kommen, und hätte nicht Samstags, weil es Wiederholung», fall war, zurStrafparade" gemußt, einer Revue, die der Director über die kleinen Sünder abhielt; und mein guter Ordinarius und meine noch bessere Mutter hätten sich dessen nicht zu verwundern brauchen . -

Nur das Hau» in der Wolfschlucht war daran Schuld; aber das wußten freilich Beide nicht. Dieses Haus war ein retardirendes Moment auf dem Pflichtgang des Quar­taners. Dann etwa verlangsamte sich mein Schritt ganz außerordentlich vor ihm, oder auch ich schritt seine Front dreimal ab statt des einen Mal, welches geboten und ordnungs­gemäß gewesen. Doch daß ich Niemand zu Unrecht beschuldige, das Haus war wirklich wie andere große, reiche Häuser auch und das Sonderliche daran war nur, daß Du darin wohntest, Marie Elschen I

Du meiner Treu, wie verliebt war mein Herz in Dicht Wie drängte sich Dein anmuthig schlankes, blühendes Fi­gürchen zwischen die steifen, klotzigen Figuren der Geometrie, die ich zeichnen sollte, wie lachten mich Deine Hellen, strahlenden Augen an mitten zwischen den Reihen eines Aufsatzes, wie dachte ich Dein, wenn ich etwa gar eine Form zu bilden hatte von dem Paradigma der französischen und lateinischen Grammatik, das sich doch im Leben viel leichter lernt, von aimer oder amare!

Du hattest mir gefallen vom ersten Tage an, wo ich Dich sah und sprach. Keck und kühner vielleicht al« manch' Anderer, aber doch scheu und voll unendlicher, zarter Ver­ehrung huldigte ich Dir.

Ich begegnete Dir nun zufällig ach, so ganz zufällig als Du aus der Klavierstunde kämest; ich wagte es, Dich anzusprechen. Du lächeltest. Bei einer zweiten, wieder sonderbar zufälligen Begegnung schloß ich mich Dir an. Du wolltest nicht wie Faust'« Gretchen allein nach Hause gehen, Du lächeltest wieder, süßer, lieblicher noch, denn da« erste

Mal. Seit der Zeit holte ich Dich regelmäßig au« der

Klavierstunde ab; und noch heute würde ich pünktlich zur

Stelle sein, droben in der Carlstraße, denn ich habe die