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ftch nichts ihrem Glücke in den Weg zu stellen. Marcel, der Sohn der Müllers, dessen Herr der Graf von Surgsre« «ar, erniedrigte sich nicht, indem er die heirathete, die er für die Tochter der gräflichen Forstwartr, de» Vaters Brisse, hielt.
Die gute Mutter Toinon, die Frau des Wächters, überraschte sie eines Tages, als sie am Ufer des Baches Gras für ihre Kaninchen holen wollte. Sie schalt nicht besonders, aber Marcel wunderte es, daß Mutter Toinon in ihren Ausflüchten und ihren Scheltworten anzudeuten schien, daß auf Seiten Renee ein Hinderniß vorliege.
Der Sohn des Müllerr, dessen Wohlhabenheit einen Widerstand gegen die Heirath mit der Tochter eines einfachen Forstwarts gerechtfertigt hätte, begriff nicht, was Frau Brisse damit sagen wollte.
Als jedoch der Graf von Surgsres das Land plötzlich verließ, um sich, wie bald bekannt wurde, den Prinzen im Exil anzuschlteßen, sah Mutter Toinon die beiden Liebenden mit schlauen Blicken an und sagte: „Jetzt, Kinder, braucht Ihr, wenn Ihr Euch durchaus helrathen wollt, nur noch den Müller zu fragen."
Ohne zu begreifen, warum fortan bloß die Einwilligung seines Vaters genügen sollte, suchte Marcel diesen auf und theilte seinen Wunsch, Rense zu heirathen, mit.
Der Müller versuchte seinen Sohn davon abzubringen, obwohl er erklärte, daß er gegen das junge Mädchen nichts einzuwenden habe. Er stellte ihm vor, daß er sehr jung sei, daß er arbeiten, sich eine Stellung gründen müsse, kurz, war Väter in einem solchen Falle sagen, wenn es sich um eine Heirath handelt, die ihnen nicht paßt, ohne daß sie Gründe zu einer offenen Weigerung anzugeben vermögen.
Von diesem Widerstand, den er nicht erwartet hatte, überrascht — denn der junge Mann hatte gedacht, daß der Vater nur die relativ geringere Stellung der Tochter eine» Forstwarts betonen würde — beschloß Marcel, den Motiven der väterlichen Weigerung auf den Grund zu gehen.
Seine Mutter — die Mütter find immer geschwätzig, wenn es sich um das Glück ihrer Söhne handelt — theilte ihm mit, daß Mattre Bertrand Ls Gosz, der Notax und Verwalter des Grafen von Surgsres, in dessen Abwesenheit auch sein Vertreter, dem er eine Generalvollmacht gegeben, sehr zärtliche Blicke auf die Garderie werfe. Die hübsche Reuse hatte ihm gefallen, und er habe bereit« um sie angehalten oder er werde es demnächst thun.
Bei dieser Mittheilung seiner Mutter empfand Marcel einen wirklichen Schmerz, in den der Zorn seine Flammen mischte. Sein Rivale war also Mattre Betrand I Ein häßlicher, alter, unangenehmer Mann, über den tausend böse Gerüchte umliefen! Aber Rense liebte den Notar nicht, sie wollte nichts von ihm wissen und würde seinen Bewerbungen widerstehen. Ihrer war er sicher, von dieser Seite brauchte er also nicht» zu fürchten. Wa» Brisse betraf, so begriff er dessen Zögern, da er von Le Gosz abhängig war und e» diesem, der von dem Grafen mit der Verwaltung aller seiner Güter beauftragt war, gänzlich freistand, die Forstwärter zu entlassen. t
Darin lag die Gefahr! Trotzdem würde Le Gosz e» nicht wagen, aus diesem Grunde einen alten und treuen Diener wie Brisse, der Stolz und da» Muster aller Förster der Umgegend, fortzuschicken.
Aus diesem Grunde hatte der schlaue Notar die Vorsorge getroffen, sich der Unterstützung de» Müllers zu vergewissern. E» hing von ihm ab , den Pacht mehrerer dem Grafen von Surgöres gehöriger Grundstücke zu erneuern, die dem Müller zur Führung seiner Mühle unent» behrlich waren- . f „ ,
Le Gosz hatte den richtigen Weg eingeschlagen: Marcel mußte jeden Verkehr mit Renöe aufgeben, sonst würde der Pacht nicht erneuert, und der Müller mußte, ruinirt, seine Mühle aufgeben, dar Land verlassen.
Als der junge Mann diese Pläne und Berechnungen des Notars vernahm, gedachte er nichts Geringeres zu thun, als ihn in seinem Bureau, inmitten seiner Papiere aufzu- suchen und ihm die Rippen zu zerschlagen. Die Mutter redete ihm davon ab. Le Gosz «ar ebenso mächtig wie rachsüchtig. Obwohl mit der Macht eines Adeligen befugt, vielleicht gerade aus diesem Grunde, affekttrte er die heftigste» revolutionären Prinzipien. Er sprach nur vom Köpfend« schneiden und hatte die Einsetzung eine« Gerichtes für die Gegenrevolutionäre in jeder Gemeinde gefordert. Er war Munizipalbeamter und correspondirte mit den einflußreichen Agitatoren der Pariser Sectionen, dem Huissier Maillard, dem Marquis de St. Huange, dem Amerikaner Fournier und anderen. Mit einem solchen Bürger war nicht zu spaßen, und herausfordern durfte man ihn auch nicht.
„Was also thun?" hatte der junge Mann gefragt.
„Abreisen," antwortete die Matter, „nicht mehr an Rense denken, nach Rennes gehen, wo Du Deine Studien beenden, wo Du ein großer Arzt werden, wo Du Vergessenheit Ruhe, vielleicht das Glück finden würdest." (Forts, folgt.)
Literarisches.
illustrirte Familienzeitschrist (Verlag des Universum, Dresden). Das 19. Heft dieser beliebien und vornehmen Zeitschrift enthält neben den Fortsetzungen der beiden spannenden Romane von Ganghofer und Gräfin Adlersfeld-Ballestrem zwei in sich abgeschlossene Novellen: B. Groller: „Vorsicht!^ und E. Lenbach: „Die Einsiedler"; ferner einen mit zahlreichen Illustrationen von A. Richter geschmückten Beitrag: „Komische Thiere" aus der Feder von Dr. L. Staby, welcher uns das wunderliche Gebühren der Rohrdommel und des Riesm- fischer in humoristischer Weise vor Augen führt. Ein Artikel: „Fallenstellende Künstler" gibt uns Einblick in die verborgenen Tiefen des Spinnendaseins, — ein weiterer, sehr zeitgemäßer Aufsatz über die Insel Formosa wird gewiß für Viele von Interesse sein. Die Rundschau des vorliegenden Heftes enthält u. A. Porträts und Biographien von Tereza d'Albert-Carrena und Fr. v. Supp-', ferner einen Beitrag mit Abbnoung über Bad Oeynhausen, einen Artikel: „Gasautomaten" u. f. w. « den Kunstbeilagen und Vollbildern nennen wir: C. Schweninger „Ar erste Kuß" und F. Guillery: „Ein Kostverächter". Trotz des uberr^tn . Inhalts betrügt der Preis pro Heft nur 50 Pfg. (Durch zede Behandlung zu beziehen.) " *
„Homburg", einer Perle unter den deutschen Bädern, lisfertdie soeben erschienene Nr. 19 der ,Mod<r««N ÄUttft* (Verlag von Rich. Bong, Berlin, a Heft 60 Pfg.) ein überaus anmuthrges Jllustratioiis- Thema, das Fritz Gehrke in vollem Farbenreiz varürt, während nn Lex! die hygienischen Vorzüge des Kurortes neben den landschaftlichen Reizen gebührend gewürdigt werden. Besonders dankenswerth erscheint in dem reichhaltigen Hefte die Erläuterung und Beschreibung der von dem Münchener Bühnentechniker C. Lautenschläger erfundenen „electrrschen Drehbühne", die eine Umwälzung in der ganzen Theatertechnik Hervorzurusen geeignet scheint. Ist hier ein Thema von practischer Bedeutung angeschlagen, so kommen Siteratiir und Kunst in deren idealeren Formen in gleicher Weise zur Geltung. Dem verstorbenen Dichter Gustav FreM ist ein schönes, schwungvolles Gedenkblatt von A. Schwarz gewidmet In demselben Hefte beginnen die laufenden Berichte über die „Grotz- Berliner Kunstausstellung" von Georg Malkowsky. Neben der glanzenden Tertillustration sind die schönen Kunstbeilagen, besonders Nillegiis „Palmsonntag in Venedig" und Alb. Baur „1812" als Proben musterhafter Holzschnitttechnik rühmend zu erwähnen._____________ .
Kinderlust.
Ei hei! Jetzt sterben die Thiere dahin! Ja siehst Tm, Mariechen, das ist doch probat Mit diesem vortrefflichen Zacherlin, Ganz anders, als neulich das Surrogat.
Und sah auch die Flasche wie diese hier aus, Etikett' unb ähnlicher Nam' daneben, Es machte kein einz'ges Jnsect sich was draus, So viel wir auch stäubten, sie blieben am Leben.
Es fehlte die Kraft, diese Thiere zu lobten. — ,
Jetzt! — Schau' nur, wie flink auf bem Rücken sie liegen; Ein einziges Stäubchen nur unb — sie gehen flöten! Da macht bas Jnsectenvertilgen Vergnügen!
Drum müssen wir nochmal zum Krämer hinlaufen, Dann woll'n wir erst grünblich bie Flasche beschau'n; Er soll uns gewiß kein Surrogat mehr verkaufen: Nur echt' Zacherlin; auf bas kann man bau'n!
«. Scheid«. — und »erlag der »rühNfchrp N»werü»ät».««ch. und Striudruckerei (Pietsch <t Echeyd») ln


