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die Mutter, ungeachtet Allem, und sahen die drei Mensche« doch erbarmungswürdig genug au». — (Schluß folgt.)
GenrernnRtziges.
Die Lrrnge. Ihre Pflege und Behandlung im gesunden und kranken Zustande. Nebst einem Abschnitt über Heiserkeit und ihre Heilung von Dr. Paul Niemeyer. Achte Auflage, durchgesehen und berau-gegeden von Dr. Franz Carl Geister. Mit 43 in den Text gedruckten Abbiidungen. Preis 2 Mark, in Leinwand gebunden 3 Mark. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. — Da» Buch gewährt einen dankens» werlhen Beitrag zur Verbreitung nützlicher Kenntnisse über ein Organ unseres Körpers, durch deffen falschen Gebrauch eine große Anzahl von Menschen alljährlich dem Siechthum und Tode auheimsällt. Der Verfasser geht bei seiner Belehrung ganz planmäßig zu Werke, indem er zunächst den Bau der Lunge erklärt, dann ote Art und Weise der Ath« mung, die Diätetik der Lunge, die Entstehung und schließlich die Behandlung der Lungenkrankheiten bespricht. Die Darstellung ist verständlich und lebendig und wirkt um so ü er» zeugender, al« der Verfasser aus eigener Praxis erzählt und zahlreiche Heilerfolge mittheilt. Seine Rathschläge verdienen Befolgung und Anwendung im täglichen Leben, das leider bei vielen Menschen in Gleichgiltigkeit auf die Gesundheit und Erhaltung diese« lebenerhaltenden Organs verläuft- Da« Bändchen reiht stch ein in die bei I I. Weber erscheinenden „Jllustrtrten Gesundheitsbücher", deren billige Erwerbung ihnen viele Abnehmer zuführt.
Die Berwerthung des Obstes hat bi« vor wenigen Jahren bei un« in Deutschland sehr im Argen gelegen. Die Früchte wurden meist unvorstchtig etngeerntet und ohne die nöthige Sorgfalt aufbewahrt. Da ist e» nicht zu verwundern, daß feine« Tafelobst, gute« Dörrobst und selbst Fruchtsäfte in großen Quantitäten au« dem Auslande importiert wurden, während die heimischen Obstsorten nur geringe Preise erzielten. Neuerdings ist e« aber besser geworden. Unsere Gärtner verwenden auf die Pflege und Einerntung guter Tafelfrüchte mehr Aufmerksamkeit und haben deshalb auch vorzügliche Erfolge erzielt. Aber nicht nur in Tafelobst können wir jetzt mit dem Auslande wetteifern; auch das Trockenobst, da« früher in sehr primitiver Wise zubereitet wurde, wird jetzt in trefflichen Apparaten gedörrt, und unsere Obstweine erringen sich immer mehr Ruf. Der Sultan von Sansibar z. B- ist ein großer Freund deutschen Apfelwein-Champagners. Die Regeln, welche man beim Obstbau beobachten muß, sind einfach genug, aber leider zu wenig bekannt. Em sehr hübscher Artikel in der vielgelesenen Familienzeitschrift »Heimchen am Herd" (Verlag de» Universum, Dresden) giebt vortreffliche Anleitung wie da« Obst zu pflegen, aufzubewahren und zu verwerthen ist. Wir möchten allen Gärtnern und Gartenbesitzern anempfehlen, die betreffende Nummer (die nur 10 Pfg. kostet) zu lesen. * *
Ochsenschwanzsuppe auf einfachste Art. Einen starken Ochsenschmänz zerrhetlt man in Stücke und läßt diese, denen man Reste von Schinken, Fleischabfälle und dergleichen beifügen kann, in Butter braun anbraten. Dann gießt man 3 Liter Wasser darauf, fügt Salz, Pfefferkörner, Zwiebel, Lorbeerblätter und Muscatblüche hinzu und kocht die Suppe mehrere Stunden. Nunmehr schüttet man sie durch ein Sieb, verdickt sie mit einer braunen Mehlschwitze und macht sie schließlich mit 26 Gramm Liebig« Fletschextract, einem Gla« Madeira und ein wenig Cayennepfeffer kräftig und schmackhaft.
Literarisches.
-Wrdlaud-Eage«. Nordisch-germanische Lieder und Mären für das deutsche Haus, bearbeitet von Emil Engelmann. Mit vielen Bildern nach Zeichnungen von G. Cloß, C. Häberlin, Th. Hoffmann, S. D. Kepler u. a. Vollständig in 12 Lieferungen ä 50 Pfg. Stutt
gart, Paul Neff Verlag. Emil Engelmann hat sich durch seine Bearbeitungen der Heldenlieder: Nibelungenlied, Gudrunlied, Frithjofs- Sage, Parzival, sowie durch Germanias Sagenborn, HomerS Odyssee bei Jung und Alt so beliebt gemacht, daß eS beim Erscheinen dieses ‘ neuen Werkes wohl nur weniger Worte bedarf, um dasselbe bei unfern Lesern einzuführen. Viele werden erfreut sein, jetzt schon auf ein Buch aufmerksam gemacht zu werden, wie wohl kaum ein passenderes für die Jugend auf dem diesjährigen Weihnachtsmarkte zu finden sein wird. — Die nordisch-germanischen Heldensagen sind tiefer gegründet und innerlicher empfunden, als die anderer Völker, selbst als die der Hellenen. Es ist zwar nicht zu leugnen, daß hellenische Anmuth und Grazie den Sagen unserer Väter fehlt, und daß die germanischen Dichtungen oft wie eisige Höhen oder wogenumschäumtes Festgestade sich darstellen, arm aber an markigem Inhalt und befruchtenden Elementen des Eveln und Schönen sind sie nicht. Die theilweise den Quellen der Edda entnommenen Sagen stainmen aus einer Zeil, in welcher Odin und Frigga unbestritten auf dem Hochsitz in Walhalla thront-n und „Aegir Herr der Fluthen" war. Auch diejgermanffchen Völker sahen damals noch in ihren ursprünglichen Sitzen unter der wuchtigen Führerschaft ihrer tapferen Heerfürsten, und diese Zeit ist es, welche die ewig jungen und frischen, wunderbar poetischen Stoffe ausgebildet hat, die nach anderthalb Jahrtaukenden uns erfreuen und die nach uns Kommenden noch erfreuen werden. — Möge dieser neue Band, der in 12 Lieferungen ä 50 Pfg. rechtzeitig vor Weihnachten vollständig vorliegen wird, denselben Beifall finden, wie die früheren, für deren Gediegenheit, sowohl bezüglich des Inhalts als auch bezüglich der Ausstattung wohl der glänzendste Beweis dadurch erbracht ist, daß in wenigen Jahren ca. 75,000 Exemplare abgesetzt wurden.
Das kleine Pferdchen spiel, die jüngere Schwester der übelbeleumundeten Roulette, die durch ihren harmlosen Namen und ihr kindliches Aussehen schon so manchen getäuscht hat, ehe sie diesen Sommer in Marienbad entlarvt wurde, bildet den Gegenstand einer höchst interessanten Originalzeichnung ron F v. Myrbach im jüngsten Heft der illustrierten Halbmonatsschrift Ket« jttiw Wut*
(Union Deutsche Verlagsgesellschaft in Stuttgart. Preis des Heftes 75 Pfg.), dem dritten dieses Jahrgangs. Wie seine Vorgänger zeichnet sich auch dieses Hest durch geschmackvolles Arrangement und reichen, zum Theil farbigen Bilderschmuck aus; die Kunstbcilagen „Am Kamin" von C. Wilda, „Ein Duett" von Jahoda Lökesch, „Besuch im Biwak" von O. Marcus und nicht minder die zahlreichen in den Text verstreuten Illustrationen sind mit einer technischen Vollendung wiedergegeben, wie sie heute nur selten in einer periodischen Zeitschrift zu finden ist. Und daß diese Vorzüge nicht etwa auf Kosten des gedruckten Textes erreicht werden, beweist ein Blick in das Jnhaltsverzeichniß, das die Namen von drei unsrer bedeutendsten Erzählertalente: Theodor Fontane, Bianca Bobertag und Isolde aufweist, von denen die beiden ersteren hier mit je einem größeren fortlausenden Roman vertreten sind, während die letztere in einer kürzeren Novelle die ganze Kunst ihrer feinen Beobachtungsgabe offenbart. Von sonstigen Beiträgen erwähnen wir die geistvolle kr,tische Studie „Was wir lesen" von A. E. Schönbach, die humoristische Reiseschilderung „Ein Ritt nach dem Todten Meer" von H. W. Vogel, die landwirthschaftliche Plauderei „Auf heimischer Scholle" von Dr. G. Ruhland und „Entdeckungsreisen in der Heimath" von K. A. Baur, Maxim Dasio, Hermann Kaulbach, Victor Naumann und H. v. Plessen, Künstlernamen, die durch ihren Klang schon die hervorragende Ausführung einer durch ihre Eigenart fesselnden Idee verbürgen- Den Freunden des Sports bietet der Sammler viel Interessantes aus Homburg und Iffezheim. Die schwierige Aufgabe, den Character eines Familienblattes im edelsten Sinn mit dem einer durchaus modernen Zeitschrift zu vereinen, hier ist sie in einer Weise gelöst, die wahrscheinlich höchste Anerkennung verdient.
Neue Romane und Novellen der Das welt
bekannte verbreitetste deutsche Volks- und Familienblatt kündigt soeben das Programm für seinen neuen Jahrgang an, der mit dem Neujahr beginnt. Wir ersehen aus demselben, daß es der Redaction in hohem Grade gelungen ist, durch Gewinnung unserer besten Autoren auf dem Gebiete echt volkstümlicher und fesselnder Erzählung den Ansprüchen weitester Leserkreise gerecht zu werden E. Werner, zweifellos eine der beliebtesten und erfolgreichsten unter den deutschen Erzählerinnen, eröffnet den neuen Jahrgang der „Gartenlaube" mit einem neuen, großen Roman, der den Titel „Fata Morgana" führt. Neben E. Werner erfreut sich W. Heimburg in gleichem Maße der Gunst der Leser und Leserinnen im deutschen Familienkreise, und auch von dieser berühmten Autorin kündigt die „Gartenlaube" einen neuen Roman „Trotzige Herzen" an. Durch diese Werke wird namentlich die große Mehrzahl der deutschen Leserinnen sicher erfreut werden. Daß aber auch anderen Lesebedürfniffen und Geschmacksrichtung von der Redaction mit Fleiß und Sorgfalt Rechnung getragen wird, dafür bürgen uns die Ankündigungen: „Vielliebchen" von Ernst Eckstein, „Der Klageschrei" von Rudolf Lindau, „Böse Zungen," von Ernst Lenbach und Namen wie Ludwig Ganghofer, A. v. Perfall u. A., denen wir in dem Prospect gleichfals begegnen. Es freut uns, hiermit feststellen zu können, wie umsichtig und glücklich die Redaction der „Gartenlaube" bestrebt ist, den alten Ruf der „Gartenlaube" als echtes deutsches Volks- und Familienblatt zu wahren und zu mehren und dem deutschen Hause eine fesselnde und gediegene Seetüre zu bieten.
Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Univerfik8tS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Schehd«) in Gießen.


