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ihm diese» rohe Schaffen und rastlose Msthm ohne anders» Ziel, al» den zu füllenden Seldsack.
Und eben diese» Etwa» drängte ihn in eine andere Sphäre, die er doch nicht verstand und nicht nennen konnte.
Heimlich la« er de« Nacht« auf seiner Kammer bei Talglicht die Bücher, die er sich ebenso heimlich zu verschaffen wußte.
Der Stephan nahm seinen Sohn gar oft in'» Gebet; e» nützte nicht« I Der fühlte sich nicht wohl daheim, den trieb'» hinau« in unbekannte Fernen.
Mel Verdruß hatte der Alte mit dem Ungerathenen, der ihm nicht parirte, wie er wünschte.
ein gute», weicher Herz hatte der Anton ja in der Brust, da« war nicht zu leugnen. Dar hatte er zumeist von der Mutter, mag sein, trotz allem auch ein wenig vom Vater-
Aber wenn auch der Alte damals noch etwa« von einem weichen Herzen in sich hatte, so kam dochsnie eine Gelegenheit, die« seinem Sohne zeigen zu können. Mit dem mußte er immer fluchen und wettern. . . .
Nun waren bald achtzehn Jahre vergangen seit dem einen Tage, den der Stephan nicht so leicht vergaß. Wie er jetzt in der dunklen Stube saß, kamen ihm sonderbarer Weise die Gedanken auf seine Söhne. E» war ja doch „heiliger Abend", ein Zeitpunkt, wo in vergangenen früheren Jahren seine beiden Buben um den beleuchteten Tanneubaum gesprungen waren.
Heute ist die Stube leer und beinahe kalt.
Der eine von den Buben schläft lange schon unter'm Schnee und auch der andere ist ihm verloren — verschollen draußen in der Welt, nachdem er über sein Hau» Schande brachte.
Der alte Stephan und sein Weib sind allein. —
Ja, der Anton! Sonst dachte der Stephan nicht viel an ihn; heute jedoch blieben seine Gedanken länger al» sonst bei ihm stehen.
Es war doch sein Fleisch und Blut, der Einzige noch, der freilich auch schon gestorben sein konnte, dessen Grab er aber nicht einmal wußte.
Wenn er selber auch hinüberging, war der Hof ohne Herr, und wie die Mäuse über den Laib Brod, werden die fremden Leute über ihn herfallen.
Aber einerlei wiederum — auch sein Sohn war ihm ein Fremder — er hatte keine Söhne mehr!
Vor achtzehn Jahren war der Anton au« dem Vaterhaus entflohen — geflohen bei Rächt und Rebel in die Welt hinaus.
Und nicht einmal allein war er davon. Er, dem der Vater schon die reiche Müllerstochter contractlich bestimmt hatte, er ließ die reiche Partie im Stich und nahm dis Anna, der ärmsten Häuslerin blutarme Tochter, mit sich, indem er damit sein Vaterhaus der Schande preisgab und einer alten kranken Mutter ihr einziges Kind nahm. .
O, Fluch über den ungerathenen Sohn! Heiß stieg es de« Stephan auf, wie schon so oft, wenn er an die verwünschte Geschichte denken mußte.
Er trat an das Fenster, das einen Ausblick nach der etwa» entfernten Landstraße gestattete, welche bogenartig an dem Gehöft vorbei dem Dorfe zulief.
Stephan that nur einen einzigen Blick hinaus, als er auch schon unangenehm berührt zurücktrat und einen derben Fluch zwischen die Zähne preßte.
Roch immer sank draußen der Schnee herunter; auch die Dämmerung war schon ziemlich vorgeschritten. Trotzdem konnte der Bauer auf der Landstraße einen Trupp Menschen bemerken, welche einem mittelgroßen überspannten Planwagen zu Fuße folgten.
Langsam zogen die Leute vorüber. —
„Muß mich Alle« an den Lumpen mahnen!" flüsterte Stephan grimmig vor sich hin; aber er hob dennoch, wie von unwiderstehlicher Gewalt gedrängt, den Kopf und schaute wieder hinaus.
Die Hände tief in die wärmenden Taschen gesteckt, den Kopf auf die Brust gedrückt, wateten die wenigen Männer *
drüben dem Wagen nach; auch zwei Weiber bemerkte der Bauer etwas weiter zurück. Abseits vom Wege schlich eine dünngekleidete Gestalt, welche nach dem Hof de» Stephan scheue Blicke warf; dieser selbst konnte davon freilich nicht« bemerken.
Die Gruppe verschwand gleich darauf im Schneegestöber und der Bauer drehte sich um.
„Elender Eomödiantengefindel!"
Unverkennbarer Abscheu lag in dem Tone dieses kurzen, schroffen Ausrufes. Und wohl erklärlich war dies: Stephans mißrathener Sohn war vor achtzehn Jahren mit einer solchen Truppe aus der Hetmath geflohen.
II.
„Heilige Nacht" war'« nun; der Schneefall hatte aufgehört, weite, weiße Flächen lagen da; der dunkle Himmel war besät von mattschtmmernden Lichtern. Hin und wieder flogen von den Bäumen einzelne Flocken und blieben hängen am eirberetften Zaun.
ließet der Stephan» Hof lag große Ruhe; fast konnte man zu der Annahme gelangen, da» Hau» berge kein lebende» Wesen in sich. Dem widersprach jedoch da« Licht, welche« au» dem einen Fenster fiel und auf den Schnee einen langen spitzen Lichtstreifen zeichnete. In den Ställen rührte sich freilich auch manchmal da» Vieh und die eisernen Halsketten klirrten gedämpft und unheimlich in die Nacht.
Das Dorf selbst lag int Hintergrunds still und ruhig da.
Es war sehr klar geworden; der Mond stand am Himmel und warf den fahlen Schein auch auf den inmitten einer weißen Fläche liegenden Kirchhof, außerhalb de« Dorfe».
Von dem von einer Mauer eingerahmten hügelichen Garten glitzerte es herüber; dar kam von einigen vergoldeten Kreuzen, von denen der Schnee gefallen war.
Hinter dem Zaun, am Eingang des Gehöfte», stand ein unbenützter Wagen, einen dunklen Schatten werfend. Gegen dis emporragende Deichsel lehnte sich ein Mann, fröstelnd vor Kälte und nur mit größter Mühe ein matte» Hüsteln unterdrückend.
Es gelang ihm jedoch nicht so ganz; der alte Kettenhund fing darauf an, zu wimmern.
„Es muß fein!" stöhnte der kranke Mann und trat zugleich aus dem Schatten; zögernd ging er dem Hause zu. Durch den knirschenden Schnee erschreckt, fuhr der Hund au» der Hütte und schlug an.
Der Mann zuckte zusammen und schaute nach dem Fenster, von wo da» Licht fiel; nicht» veränderte sich dort.
Langsam und unter sichtbarer Anstrengung schritt der nächtliche Besucher übet den Hofraum, den Hund mit Zureden beruhigend. Dieser knurrte und winselte zwar fortwährend, kroch aber dennoch schließlich in seine Hütte zurück.
Drei Stufen führten zur Hausthüre empor; dicht mit Schnee waren sie belegt. Einen Augenblick zauderte der Mann noch, ehe er den Fuß auf dis erste Stufe fetzte, al» aber aus der Ferne, vom Dorfe her, ein verwischter, halb ächzender, halb klagender Ton herüberzog — vielleicht wat'» nur ein kreischende» Hofthor, obwohl man'» leicht für den Klageruf eine« Menschen nehmen konnte — da that er’« rasch, wenn ihm auch dabei der Athem keuchend an» der Brust kam.
Noch zwei Schritte über den knirschenden Schnee, dann ein mit schwindender Kraft geführter Schlag mit frierender Hand auf die schwarze Thüre — und der Mann sank auch schon in die Knies dabei und lauschte fiebernd an der Thür» spalte auf ein Geräusch, da» nun kommen mußte.
Der Hut war ihm vom Kopfe gefallen und dadurch ward ein mit spärlichen braunen Haaren bedeckter Kopf sichtbar. Ein bleiche», bartlose» Gesicht war e«, da» mit scheuem Blick die Thürspalte streifte. Der Hund fing an, laut zu heulen; der Mann auf den Stufen schauerte mehrmals zusammen und fuhr mit der Hand Über die Stirn-
Durch die Spalte blitzte ein Lichtschein und schwere


