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daß das Thürschloß davon raffelte und sie sie dem erwartungsvollen Auge drinnen
dieselbe so heftig, anmeldete, bevor
sichtbar wurde- . t ,
Lord Faro war kaum weniger erregt, als das junge Mädchen, obwohl sich die Aufregung in seinen ernsten, strengen oggen weniger verrieth, als in dem ängstlichen Ausdruck des Gesichte», das seinem Blick begegnete.
Sie haben recht gethan, zu kommen, Cora, sagte er mit gedämpfter Stimme. „Ich wagte es kaum zu hoffen, doch hätte ich Ihren Muth besser kennen sollen.
„Ich schulde Ihnen Gehorsam," versetzte sie ruhig, „doch setze ich mich grausamem Gespött aus, wenn man mich jetzt hier . . - bei Ihnen findet. Darum, bitte, halten Sie mich nicht lange zurück." „ ......
Cora konnte sich kaum erklären, warum ihr Beschützer bei ihren Worten die Stirn so düster zusammenzog und es in seinen Augen so zornig aufleuchtete.
„Selbst bei mir!" wiederholte er. „Nun, ich brauche mich darüber wohl nicht zu wundern. Aber Sie haben ja Recht. Eile ist nothwendiger, als Sie begreifen können. Ohne genügenden Grund hätte ich Sie auch zu solcher Stunde nicht hierher beschieden. Aber ich konnte Sie sehen und hören und wußte, daß das übrige Haus schlief. Cora . - . ich gehe, um ... das heißt, ich ... ich gehe fort . . . vielleicht nur auf kurze Zeit ... und ich möchte Sie weder freundlos verlassen, noch riskiren, daß Sie während meiner Abwesenheit mich vergessen."
Er sprach mit sichtlicher Anstrengung und Cora erbleichte, sie wußte selbst nicht, warum.
„Gehen Sie wieder nach Deutschland?" fragte sie. „Ach, wenn ich doch mitreisen, wenn ich doch etwas von meinen Freunden in Bremen hören könnte!"
„Möchten Sie mit mir gehen, Cora?" fragte er hastig. „Aber nein, nein... das ist keine Reise für Sie! .... Doch wenn ich Sie einst Wiedersehen sollte, «könnte ich ... . ja, könnte ich schicken ... Ich muß es Ihnen sagem" rief er plötzlich mit rascher Bewegung aus. „Cora, Sie sagten einst, ich wäre wie ein Vater zu Ihnen. Entweder Sie konnten oder Sie wollten nicht verstehen, wie fieberhaft meine Pulse klopften, seit ich Sie zum ersten Male sah. So sehr Sie auch noch Kind waren, wußte ich doch, daß ich nie eine Andere finden würde, die Ihr Bild aus meinem Herzen verdrängen konnte ... das war vor vielen Monaten. Seitdem habe ich mit mir gekämpft, mich selbst verlacht, mir Ihre Abneigung und meine Wuth vorgestellt, wenn ein anderer, ein jüngerer Mann Ihnen besser gefallen sollte. Aber jetzt muß es heraus. Ich muß jetzt Sie und mein Haus verlassen ... vielleicht für immer," fuhr er fort, „wenigstens für einige Zeit, während welcher es mich rasend machen würde, wenn ich Sie mir einsam und unbeschützt vorstellen müßte. . . . Cora, mein Engel!" kam es mit einem Ungestüm von seinen Lippen, welches das zitternde Mädchen erschreckte. „Ich liebe Sie... wie ich nie zuvor geliebt habe! Auch Jene nicht, die zuerst mein jugendliches Herz gewann! Ich bin viel älter als Sie, Cora — ich weiß es wohl — aber ich kann Ihnen Reichthum und eine vornehme Stellung geben. Eine Grafenkrone wird eines Tages mein fein und Sie, meine liebe Braut, sollen die Krone auf diese stolze Stirn gesetzt bekommen, um Ihre edle Schönheit noch zu erhöhen. Mein ganzes Leben soll Ihrem Glück gewidmet sein. O, Cora, seien Sie barmherzig und sagen Sie, daß Sie alles Andere vergessen und mein sein wollen!"
Cora war auf einen Stuhl gesunken. Das "unerwartete Bekenntniß verwirrte ihre Sinne.
Was konnte sie antworten?
Ihre Liebe gehörte Rupert; ihre Phantasie hatte vielleicht der schöne Lord Belfort für sich gewonnen. Und doch übte Lord Faros Liebe, fein tiefer Schmerz und seine Groß- muth jetzt einen seltsamen Zauber auf Cora» romantische Natur au».
„Nein, nein! Sie können nicht im Ernste so sprechen Es kann nicht sein!" murmelte sie erregt. „Ihr eigene» Kind
ist fast so alt wie ich. Ich würde Ihren hohen Rana nur entehren, nur Spott auf Ihr Haupt bringen. Nein, ich will Sie lieben und Ihnen dienen wie Ihr Kind, aber ich kann Sie nicht heirathen, o nein, e» ist unmöglich . . . sprechen Sie nicht mehr davon!"
Lord Faro» ganze» Aussehen veränderte sich bei ihren Worten. , „
„Und Sie find sich dessen bewußt, was Sie sagen? Sie verstehen Alles?" frug er düster. „Sie wissen, was es heißt: so zu lieben, und doch können Sie eine solche Liebe mit einem Wort zertreten, Cora? Sie sind rasch und handeln nicht gut! Sie werden es vielleicht später bereuen."
„Nein! Nein!" rief sie au» und sank ihm zu Füßen. „Mißverstehen Sie mich nicht! Ich bin Ihnen dankbar, un- endlich dankbar! Ich weiß, ich fühle, daß Sie edler gegen mich sind, als ich erwarten kann. Es schmerzt mich tief, Ihnen Kummer bereiten zu müssen, aber ... ich kann nicht ... es wäre elende, erbärmliche Lüge, wenn ich mich mit Ihnen verheirathen würde." _ „ , , L
Er sah mit Zärtlichkeit auf die knieende Gestalt nieder.
„Cora, wenn Sie nur Alles wüßten! Wenn Sie ahnen könnten, was mich erwartet! Sie würden mir diesen kurzen Augenblick des Glückes, meinen Kummer zu stillen, nicht versagen," sprach er sorgenvoll. „Wir sehen uns vielleicht nie wieder, meins Stunden in dieser Welt sind vielleicht gezählt. Ich bin in Ihrer Hand . . . wollen Sie solch einen Bittenden in dem Stolz Ihrer jungen Schönheit von sich weisen? Der Himmel vergebe Ihnen diese Grausamkeit, Cora," fuhr er im Tone vorwurfsvollen Kummers fort. (Fortsetzung folgt.)
Madame Sans Gtzne.
Roman nach Victorien Sardou und F. Morreau. Deutsch von Adele Berger.
(Fortsetzung.)
IV.
Ein Ritter vom Dolch.
Es war Mittäg, als die Kanonen auf Seite |bet Tuilerien zu donnern aufhörten.
Ein wirrer Lärm erhob sich, in dem man undeutlich den Schrei „Sieg! Sieg!" vernahm, große Wolken stiegen über die Häuser empor, und Funken, Stücke verbrannten Papiers und Flocken versenkter Wolle wirbelten und fegten durch die Straßen.
Die Peripetien dieses ewig denkwürdigen Tages waren verschieden gewesen.
Jede der Seetionen hatte drei Commiffäre ernannt, die die Commune von Paris bilden sollten. Der Maire Pötion, ins Stadthaus berufen, wurde consignirt, damit der Aufruhr in voller Unabhängigkeit vor stch gehen könnte. Nachdem Manton de» Verrathe» überführt und getödtet worden war, wurde Santerre an seiner Stelle zum Commandanten der Nationalgarde ernannt. Das Arsenal wurde gestürmt, und die ausgetheilten Wagen gestatteten der ersten Colonne aus dem Faubourg Saint-Antonie stch auf den Weg zu machen.
Der König kehrte, nachdem er die für die Vertheidigung des Schlosses beorderten Bataillone der Nationalgarde Revue passieren hatte lassen, entmuthigt in seine Gemächer zurück. Bloß die Bataillone von Petits-Pöres, der Buttes-des- Moulins hatten ihn acclamiert. Die anderen schrieen: „Es ' lebe die Nation I Nieder mit dem Veto!" und die Kanoniere hatten ihre Stücke umgedreht und sie auf das Schloß gerichtet.
Da fühlte sich Ludwig XVI. verloren und sah seine Macht und seine Prestige ohnmächtig werden. Er begab stch schutzsuchend in die Nationalversammlung, deren Sitzungssaal in der Manöge damals sich in der Nähe der Tuilerien befand, an der Stelle, wo sich jetzt in der Rue de Rivoli da»


