Ausgabe 
21.3.1895
 
Einzelbild herunterladen

Klagelied eines Kikgemeißers auf dem Lantzr.

Schwarzwurzel« mit Käse. Die in Salzwaffer abgekochten Schwarzwurzeln läßt man abtropfen und schwenkt fi« in einer Mischung von geschmolzener Butter, geriebenem Parmesankäse, Pfeffer und etwas Liebig» Fleischextract so lange über dem Feuer, bi» sie wie glasirt erscheinen.

Literarisches.

Wie ein Kaiserdenkmal geschaffen wird, erläutert die #1Rl>6ertt< Kunst* (Verlag von Rich. Bong, Berlin, ä Heft 60 Pfg.) in einer dem soeben erschienenen Heft 14 beigegebenen Kunstbeilage. Meister R. Begas ist mit seinen Gehülfen im Atelier mit der Aus­führung seines reifsten Werkes, des für den Schloßplatz bestimmten Monuments, beschäftigt. Der Jdealkunst im eigentlichen Sinne des Wortes, der Sculptur, ist auch das Eingangsbild der prächtig ausge­statteten Nummer, eine Reproduction derFridthjof-Statue" von E. Hübner gewidmet. Ein besonderes Verdienst erwirbt sich dieMo­derne Kunst" durch die Vorführung deutscher Städtebilder. Dieses Mal ist es die alte Hansestadt Lübeck, die von A. Westphalen in charakteristischen Illustrationen, von Ludwig Ewers in begeisterten Worten geschildert wird. Dem Jagdfreunde und vor Allem dem eifrigen Sammler weidmännischer Trophäen bietet die vorliegende Nummer derModernen Kunst" einen werthvollen Beitrag mit den Prachtexemplaren von Ge­weihen, die auf der sensationellen Geweihausstellung im ehemaligen Reichstagshause in Berlin mit Preisen ausgezeichnet worden sind.

lieber Frauen - Sparsamkeit. Gegen den stets steigenden Luxus in der Frauen-Toilette macht sich eine mächtige Bewegung geltend. Wohl ist keine Frau im Stande, sich den Strömungen der Mode gänzlich zu entziehen, aber jede vernünftig denkende bemüht sich, das bischen Luxus, das sie sich vergönnt, nach Möglichkeit billig zu erhalten. Dieses Bestreben der Damen wird von einer Seite unterstützt, voll der man es am wenigsten erwartete. Die »SBiettee Mod«*, die schon seit einigen Monaten die Einfachheit in der Toilette propagirt, bringt mit ihrem Heft 12 außer vielem Anderen über 30 einfache Toiletten, die bei aller Eleganz der Erscheinung um eine Bagatelle herzustellen sind. Unterstützt werden die Abonnentinnen derWiener Mode" in ihrem Sparsamkeitsprincip dadurch, daß sie den Schnitt zu jedem beliebigen Ggrderobestück genau nach Maß gratis erhalten, eine Einrichtung, die Nicht mit den sogenannten Normalschnitten zu verwechseln sind.

SngelhornS Allgemeine Romanbibliothek. Es ist auch in Deutschland möglich, dem Publikum gute Bücher zu billigem Preis zu bieten und dabei weder die Autoren noch die eigenen Interessen zu kurz kommen zu lassen, nur gehört Wagemuth und geschäftliche Tüchtigkeit dazu das ist die Lehre, die der deutsche Verlagsbuchhandel aus dem Erfolg vonEngelhorns Allgemeiner Romanbibliothek" ziehen kann, und hoffentlich auch, sosern er sich auf seinen Vortheil versteht, in immer größerer Auswahl ziehen wird. Als der rührige Stuttgarter Verleger vor zehn Jahren zuerst die bekannten ziegelrothen Bändchen durch­schnittlich zehn Bogen guter Ausstattung zum Preise von 50 Pfg. in die Welt sandte, begriff man gar nicht, wie der Mann dies leisten könne; schon dieCollection Spemann", von welcher der Band eine Mark kostete, war dem Publikum, wie den Verlegern als unerhörtes Wagniß erschienen, und nun gar dasselbe nur den E nband abge­rechnet für die Hälfte! Aber noch mehr: Spemann druckte auch viele Werke, an denen, da die Verfasser seit mehr als 30 Jahren tobt waren, keine Autorrechte mehr bestanden, die also zum mindesten nur den Druck und das Papier, aber kein Honorar mehr kosteten; für Engel­horn fiel diese Erleichterung weg; er brachte allerdings im ersten Jahr­gang ausnahmslos Uebersetzungen aus fremden Sprachen, aber auch da mußte das Autorisationsrecht bezahlt sein, dazu die Uebersetzung. Nun aber begab sich das Merkwürdige und zwar für die Gelehrten der Leipziger Buchhändl.-rmesse, geschweige denn für gewöhnliche Sterbliche geradezu Unfaßbare, daß Spemanns Collection trotz aller Rührigkeit ihres Verlegers und der im ganzen sehr guten Auswahl nicht einschlug, während Engelhorn schon im zweiten Jahr in der Lage war, auch Werke hervorragender deutscher Autoren zu bringen! Das Räthsel erklärte sich wohl sehr einfach: der Deutsche ist so sehr an die Leihbibliothek ge­wöhnt und des Bücherkaufens ungewohnt, daß ihm auch noch die Aus­gabe von einer Mark schwer fällt, aber kostet's nur die Hälfte, so thut er's schließlich doch. Heute, nach zehn Jahren, ist dieAllgemeine Romanbibliothek" so bekannt und verbreitet, daß eine Empfehlung des vortrefflichen Unternehmens fast überflüssig erscheint.

Redation: «. Gcheyba. - Druck und Verlag der Brühl'schen Universitätr.Buch- und «teindruckerei (Pietsch & «ch-tzda) in «M*

GeMsZnnÄtziges.

Wie kann der Gärtner Korke Verwertyen ? Man durchbohrt Flaschenkorke der Länge nach und zieht sie fest auf einem Zinkdraht auf. Mit diesen so gefertigten Bändern bindet man die Bäume an. Da» Verfahren ist billig, sehr haltbar und schont die Baumrinde, deshalb für Privatgärten und kleine Betriebe empfehlenswerth.

Ein Bürgermeister auf dem Lande Ist wahrlich zu beneiden nicht; Stets and're Sorgen, and'ren Aerger An jedem Tag, der neu anbricht.

Den Bürgermeistern von den Städten Fällt, glaube ich, nicht halb so schwer Der Dienst; sie thun nur unterschreiben, Das And're macht der Secretair.

Hier muß man sich um Alles kümmern, Um Feld und Wald, um Straße, Bach, Um Krankenkassen, Invaliden; Soll Kenner sein in jedem Fach.

Was machen nur die vielen Arten Von Steuern eine Schreiberei; Ganz abgesehn vom Reclamiren, Vom Klagen, von der Krätscherei.

Die Militär- und Armensachen, Die schätze Niemand zu gering; Das Impfen und davon die Gegner Sind auch noch so ein heikles Ding.

Ob Milzbrand oder Klauenseuche, Und ob die Schafe alle rein, Dies Alles muß man constatiren, Man soll auch halber Thierarzt sein!

Die Fasel-Eber und die Süllen, Die sind dem Einen viel zu groß, Der And're will sie kleiner haben, Und so ist stets der Teufel los.

Auch bei den Schornsteinrevisionen Da soll man haben viel Geduld; Doch wenn ein Brand ist ausgebrochen, Gewiß, dann war der Schornstein schuld.

Beim Standesamt, man soll's kaum glauben, Darf man sich stellen gar nicht dumm, Denn beim geringsten Schreibversehen, Gibt es sofort ein Monitum.

Bei Schul- und auch in Kirchensachen Muß stets man thun den Kopf herbei; Auch macht nicht wenig mir zu schaffen Das Schiedsamt und die Polizei.

Und die Gesetze zu verstehen

Ist gar zu schwer! oft möglich nicht I Sie werden desto mehr verworren, Je mehr man sich den Kopf zerbricht.

Ja, wenn's nicht wären gar zu viele, Die man jetzt alle kennen soll Mit ihren vielen Paragraphen---

Wenn das so fortgeht, werd' ich toll!

Man soll jetzt gar Latein verstehen Als Bürgermeister auf dem Land. Zum Beispiel: Brevi manu, cito, Und wie das Zeug all' wird genannt.

Auch von den Wahlen noch zu sprechen, Die immer schweben ohne Zahl, Sie machen heut' den Bürgermeistern Sehr viele Mühe, viele Qual.

Das unaushörl'che Räsonniren, Trotzdem man's meint mit Jedem gut, Das thut mich noch am meisten ärgern, Ja, wer verliert da nicht den Muth?

Bei den geringsten Kleinigkeiten Heißt's gleich:Ich geh' sofort an's Amt!" Doch wollt' man alle Mängel rügen Im Dorf man wäre gleich verdammt.

Dies ließ ich mir noch all' gefallen, Wär' der Gehalt nur etwas mehr. Doch hört, wie gleich die Meisten schreien: Schweig' still! Du hast ja auch die Ehr'!" Nun gut, ich will dann stille schweigen. Was hilft die ganze Klagerei?

Denn davon wird's ja doch nicht besser, D'rum ist es gut man läßt's dabei!