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am Fall und hielt mich in einer völlig hilflosen Sitution. Im Augenblick war Arthur vom Pferde gesprungen, stand :an meiner Seite und machte mich frei.
Das Alles geschah so plötzlich und mein Schreck war so hestig, daß ich wankte und todtcnbleich wurde, und als ich wieder zu mir kam, fand ich mich in Arthurs Armen und von seinen Lippen mit leidenschaftlichen Küssen überschüttet, während er im Tone größter Angst mir zurief: „Christa, mein geliebtes Mädchen, es ist Dir doch nichts geschehen?"
Ich stieß ihn zurück und erhob mich mühsam. Ich zitterte heftig; theils noch von dem Schreck, welchen mir der Fall verursacht hatte, theils von der Aufregung, in die mich sein Benehmen versetzte. Einen Augenblick standen wir uns in peinlichem Schweigen gegenüber, dann nahm Arthur mit dem verzweifelten Bemühen, das Beben seiner Stimme zu bemeistern, das Wort: „Habe ich unrecht gehandelt? Christa, sind Sie verletzt? Können Sie aufrecht stehen?"
„Es ist mir nicht das Geringste geschehen," antwortete ich, „nur erschrocken bin ich, auch kann ich ganz gut stehen; aber ich möchte mich dennoch ein paar Minuten niebersetzen, bevor ich wieder aufsteige."
Unsere Pferde grasten ruhig an der Seite der Landstraße. Arthur hatte seinen Mantel am Sattel befestigt, holte ihn schnell herbei, bereitete ihn auf einer kleinen Erhöhung am Wege aus und ließ mich darauf niedersttzen, worauf er selbst an meiner Seite Platz nahm.
, Sonne war längst untergegangen und die Nacht brach schnell herein. Auf der Landstraße war es ganz still, die einzigen lebenden Wesen, welchL-.ringsum zu sehen, waren ein paar Schafe in einem Grasgarten uns gegenüber, die sich an das Gitter drängten und uns neugierig anschauten.
„Christa," hob Arthur wieder an, indem er versuchte, mir in die Augen zu blicken, „Sie wußten, daß ich Sie liebe."
Ich erwiderte nichts und nachdem er eine Minute lang vergeblich auf eine Antwort gewartet, fügte er hinzu: „Und Sre wußten auch, daß ich Sie bitten würde, die Meine zu werden, — Sie müssen es gewußt haben."
Ich schüttelte den Kopf.
„Aber e; ist so," fuhr er mit Nachdruck fort. „Es war dies meine Absicht fast von der ersten Stunde an, als ich Sie kennen lernte. Glauben Sie mir nicht, Christa?"
Ich glaubte ihm. In meinem innersten Herzen wußte ich, daß er die Wahrheit sprach. Er hatte meine Hand erfaßt und ich zog dieselbe nicht zurück.
„Aber —" Er zögerte einen Moment, dann erst fuhr er fort: „Es ist etwas, — ich kann mich j tzt nicht offen aussprechen, — ich muß Sie bitten, mir zu vertrauen. Christa, es besteht in unserer Familie ein trauriges Geheimniß und rch lebe hier unter falschem Namen."
Es überlief mich ein kalter Schauer, als mir bei seinen Worten einfiel, was Fanny gesagt hatte.
«L°rr Ausbach," sprach ich, „Eins muß ich Sie fragen: Ist Magdalene Ihre Schwester oder ist sie es nicht?"
Er antwortete nicht sogleich und als ich ausblickte, sah ich, daß er sehr bleich geworden war und auf seinen Lippen „ schwebte. Rasch entzog ich ihm meine Hand und ruckte ein Stück von ihm fort. Es war mir in dem Augenblick, als müßte mir das Herz still stehen und als würde mir plötzlich der Boden unter den Füßen fortgezogen.
„Ich kann Ihnen jetzt keine Erklärung dafür geben," sagte er, „ich kann Sie nur bitten, mir zu vertrauen. In wenigen Monaten bin ich im Stande, Ihnen Alles zu sagen Ich gab einst einer mir theuren Person ein heiliges Versprechen und das bindet mich noch. Doch in wenigen Monaten darf ich offen reden. Ach, Christa, nur warten Sie und versuchen Sie, ob Sie mich nicht trotz alledem ein wenig lieben können!"
Seine Stimme klang fast flehend; ich meine sie jetzt noch «^binen Träumen mitunter so zu hören. Es war keine alltägliche Liebesscene, und in der Qual, die ich erduldete, während der Mann meiner Liebe wie um fein Leben flehend cor mir stand, fühlte ich, daß jede mädchenhafte Scheu von mir wich und mich völlig ruhig und gefaßt ließ. I
ff »Sie wissen," sagte ich, „daß es nicht so weiter gehen kann, wie bisher."
„Das weiß ich," antwortete er, „und hatte auch die Absicht, zu warten, bis ich offen und ehrlich würde vortreten und Ihre Hand erbitten können, ohne daß ein Geheimniß zwischen uns stand. Aber ich war in diesem Augenblick meiner selbst nicht mehr mächtig. O, Christa," - und erschrocken sah er mich bei dem plötzlichen Gedanken an, — „Sie wollen mich doch nicht fortschicken und mir verbieten, Sie wiederzusehen?" _ 3°' das war es, was ich verlangte und Arthur las den Entschluß in meinen Augen.
„Sie vertreiben mich aus dem Paradies, Christa," fuhr er fort; „und die Welt draußen ist so öde."
„Doch es läßt sich nicht ändern," sprach ich entschieden; ich wollte in meinem Vorsatz durchaus nicht wankend werden. „Sie Hilfen unser Haus nicht mehr betreten und mich bei meinen Spazierritten nicht mehr zu treffen suchen."
Er hatte das bis dahin mit besonderer Vorliebe aethan- „Bis wann?" fragte er.
„Das kann ich nicht sagen," antwortete ich, dem Weinen nahe und gleichzeitig fürchtend, er könnte es bemerken und sich dadurch zurückhalten lassen, nach meinem Wunsche m handeln. Und wiederum wußte ich, daß ich ihn schrecklich vermissen und vielleicht niemals wiedersehen würde.
„ , »Ich verstehe," fuhr er fort, „bis mein Name wieder fleckenlos dasteht. Seien Sie unbesorgt, Christia, die fielt wird bald kommen."
War es sehr schwach von mir, daß ich ihm glaubte? Ich that es trotz Allem, was ich gehört hatte, trotz Allem, was so augenscheinlich gegen ihn zeugte. Seine Augen, seine Stimme waren so ehrlich und ich fühlte, er mußte die Wahr» heit reden.
„Helfen Sie mir nun wieder in den Sattel," sagte ich, „ich muß eilen, um so schnell wie möglich nach Hanse zu kommen. Es ist fast dunkel, wie werden sich die Meinigen um mich ängstigen!"
i . Wir trieben unsere Pferde zur größten Eile an, welche der schlechte Weg und die immer tiefer werdende Dunkelheit gestattete.
Als wir an unserem Hause angelangt waren, verabschiedete ich mich von Arthur, doch er unterbrach mich mit der Frage: „Darf ich nicht mitkommen?"
„Nein," antwortete ich unerbittlich.
„Aber die Hand werden Sie mir zum Abschied doch reichen?"
Ich that es mit dem Gefühl, daß es vielleicht zum letzten Mal geschah. Er drückte einen innigen Kuß auf meinen Reithandschuh und als ich mich später in meinem Zimmer allein sah, nahm ich den Handschuh und legte ihn zu einer Rose, die er mir einmal geschenkt und die ich sorgfältig bewahrt hatte. In der folgenden Nacht benetzte ich mein Lager mit heißen Thränen. Wer konnte wissen, wie Alles enden würde.
7. Capitel.
Aus Arthurs Tagebuch.
Ich habe sie in meinen Armen gehalten I Was auch geschehen mag, die Erinnerung an jenen seligen Moment kann mir nichts rauben I
Als mich ihr kleiner Mund so fest und entschlossen ver» bannte, verzagte ich nicht. Auch jetzt liegt mir Verzweiflung fern, weiß ich doch, daß sie mich liebt und sie eines Tages die Meine sein wird.
Augenblicklich beschäftigt mich die Frage, was ich mit Magdalene anfangen soll. Ich selbst kann nach dem Vor- gefallenen nicht hier bleiben und eine Zeit lang fortgehen und sie zurücklassen, — das wage ich nicht.
Nachdem ich entdeckt hatte, wie sehr sie die ihr gestattete Freiheit mißbrauchte, war ich natürlich gezwungen, ibr jeden mündlichen wie schriftlichen Verkehr mit der Leonhärd'schen zu untersagen. Doch ich darf ihr nicht trauen. Während sie scheinbar fügsam ist und mir gehorcht, sinnt sie in ihrem Herzen vielleicht den schändlichsten Verrath.
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